weather-image
23°

»Schön, so schön war die Zeit ...«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ernst Jani (Zweiter von links) und die Jasmin-Boys Ernst Martin Pallauf (von links), Werner Salbeck und Bernhard Ostermaier boten einen Nostalgie-Trip erster Güte. (Foto: Heel)

Auf eine Reise ins Glück wolle er sein Publikum mitnehmen, kündigte Ernst Jani eingangs an, und weil es dabei zum Heulen (schön) werden könnte, verteilte er vorsorglich Packungen mit Papiertaschentüchern. Ein Vorhaben, das ihm, um es gleich zu sagen, rundum gelang und für knapp drei Stunden bester Unterhaltung in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS sorgte.


Unterstützt von den Jasmin-Boys mit Martin Pallauf an der Gitarre, Bernhard Ostermaier am Kontrabass sowie Werner Salbeck am Schlagzeug, spielte Ernst Jani gekonnt auf der Klaviatur der Erinnerungen und entführte die begeisterten Zuhörer mit einem abwechslungsreichen Mix aus Schmachtfetzen zum Schwelgen und Geschichten zum Lachen in die 50er und 60er Jahre.

Anzeige

In eine Zeit also, in der die Schrecken des Zweiten Weltkriegs verblasst waren, es wieder aufwärtsging, sprich: Wirtschaftswunder, und die Menschen das Leben wieder genießen wollten – die Unterhaltungsmusik lieferte dazu den passenden Soundtrack, naiv, unbeschwert und federleicht. Schlagerstars wie Freddy Quinn, Lolita oder Peter Alexander wetteiferten um die Gunst des Publikums, hart bedrängt von Rock’n’Rollern wie Bill Haley, Elvis Presley oder Fats Domino.

Dies alles bekamen Ernst Jani und seine Jasmin-Boys ganz prächtig unter einen Hut, treffend arrangiert und mit Witz und Charme präsentiert, obwohl sie mit »Hinter den Kulissen von Paris« nicht einmal vor Mireille Mathieu zurückschreckten. Die so schrecklich natürlich nicht ist, weswegen sich das Lied letztendlich wunderbar einfügte in den bunten Reigen der gebotenen Schlager und Evergreens.

Aber Ernst Jani wäre nicht Ernst Jani, wenn er nicht zwischendurch in bewährter Manier, also mit exzessiver Mimik und perfekt theatralischem Habitus, skurrile und satirische Texte vorgetragen hätte, an diesem Abend unter anderem von Janosch, Peter Rosegger, Hans Scheibner, Heinz Erhardt und Karl Valentin. So durften die Zuhörer erfahren, was es mit dem »Liebesbriefei« (Janosch) auf sich hat und wieso Karl Valentin einmal nach Berlin gefahren ist: Um sich vier Wochen lang auf die Heimreise freuen zu können.

Und wer noch die Zeiten erlebt hat, in denen man ohne Sicherheitsgurte, Kopfstützen und Airbags, aber mit kettenrauchenden Mitfahrenden im Auto unterwegs war, wird sich wie Ernst Jani ironisch fragen: Wie haben wir das nur überlebt? Kurzum ein Nostalgie-Trip erster Güte, der zugleich Lust machte, mal wieder eine alte Platte von Freddy Quinn aufzulegen. Wolfgang Schweiger