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Schönauerin feiert 99. Geburtstag – Glückliches Leben trotz schwerer Kindheit

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Heute feiert Rosi Koller vom Storchenlehen in der Schönau bei recht guter Gesundheit ihren 99. Geburtstag. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Rosi Koller feiert heute ihren 99. Geburtstag, wo es auch für sie begonnen hat: am Storchenlehen in der Schönau. Trotz schwieriger Kindheit blickt Rosi Koller auf ein glückliches Leben zurück.


In ihrer Geburtsurkunde steht als Vorname eigentlich »Rosa«. Doch so lange sich die Jubilarin erinnern kann, wurde sie immer Rosi gerufen. Ihre Eltern bewirtschafteten das Storchenlehen, ein kleines »Bauernsachi« mit ein paar Kühen, Schweinen und Hühnern. Der Vater kam aus Mittenwald, war Jäger und arbeitete für Prinzregent Luitpold. Rosi Koller, geborene Gschwendtner, wuchs mit fünf Schwestern auf. Die Zeiten waren schlecht. Eine Scheibe trockenes Brot war für sie etwas Besonderes. »Wir hatten nicht viel, aber wir waren auch nie krank«, erzählt das Geburtstagskind. Unter der Woche hatten die Kinder immer das gleiche Gwand an. Nur für die Schule und fürs Wochenende gab es schönere Kleidung.

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Mit ihrer Schwester Zenzi ist Rosi oft »gen Alm« gegangen. Der stets lustigen Zenzi habe es gefallen, dass Rosi so akkurat gewesen ist und immer eine Brotzeit dabei gehabt hat. Den leeren Rucksack hat dann die Zenzi ins Tal getragen. Rosis Freund ist in Kreta gefallen und so hat der jungen Frau lange Zeit nichts mehr gefallen. Sie wollte das Storchenlehen nicht mehr verlassen. Doch ihre Schwestern überredeten sie eines Tages dann doch, mit auf die Scharitzkehl-Alm zu kommen. So lernte Rosi im Herbst 1945 ihren späteren Mann Georg Koller kennen, der gerade aus der Kriegsgefangenschaft gekommen war.

Im Mai 1946 heirateten Rosi und Georg Koller. Aus ihrer Ehe kamen vier Kinder, zwei Buben sind aber bereits im Babyalter gestorben. Die beiden Söhne Franz und Georg wohnen in ihrer Nähe und kümmern sich um ihre Mutter, die auch noch drei Enkelkinder hat. Nachdem die kleine Landwirtschaft nicht rentabel war, bauten die Kollers das alte Bauernhaus um. Die Familie konnte dadurch Fremdenzimmer anbieten. Sie verdiente etwas Geld dazu. Mit Stolz erzählt die Jubilarin, dass sie mit den Machthabern im Dritten Reich gar nichts zu tun hatten. Im Gegenteil, die Familie Koller versteckte im Storchenlehen sogar eine jüdische Familie.

Wenige Tage vor dem 40. Hochzeitstag verstarb ihr Mann im Jahr 1986 mit 75 Jahren. »Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich ihn wieder heiraten, denn wir haben eine gute Ehe geführt«, denkt sie gerne an ihren Schosch zurück. Trotz ihres hohen Alters geht es Rosi Koller recht gut: »Eine einzige Tablette am Tag nehme ich gegen den hohen Blutdruck. Und ein bisschen wackelig bin ich geworden, aber ich komme noch ganz gut zurecht«, freut sie sich. Sie hat ihre Verwandtschaft für Samstag in die Gaststätte »Bodnerwirt« eingeladen.

Rosis 98-jährige Schwester Zenzi lebt in den USA, wo die Jubilarin schon dreimal zu Besuch war. Gerne erinnert sie sich an die eintägige Zugreise von Los Angeles nach San Francisco. Und leuchtende Augen bekommt Rosi Koller noch heute, wenn sie an die Golden Gate Bridge denkt, die sie bei einem längeren Spaziergang gesehen hat. Christian Wechslinger