Schöne Welten zwischen Traum und Realität

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Die Künstlerin Meike Zopf vor ihrem Werk »Ahnen« (2020, Acryl auf Leinwand). (Foto: Giesen)

»Auf der Suche nach dem Wunderbaren« ist der Titel eines der fantastischen Bilder von Meike Zopf, die derzeit ihre neuen Werke in der Galerie Kaysser in Ruhpolding ausstellt.

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Der Titel dieses großformatigen Acrylbilds auf Leinwand passt auch zu den übrigen rund 20 ausgestellten – darunter auch kleinformatigen – Bildern der Hannoveranerin Meike Zopf, die auch in unserer Region schon lange keine Unbekannte mehr ist. Die 1972 in Berlin geborene und dort aufgewachsene Künstlerin lebt seit 2001 in Hannover. 2008 stellte sie erstmals in der früher in München ansässigen Galerie Kaysser in München aus, 2011 wieder, und in 2018 erstmals in Ruhpolding unter dem Titel »love, love, love«.

Der Titel ihrer neuen Ruhpoldinger Ausstellung »rise and shine« bezieht sich auf die Naturmetapher vom »Aufgehen und Glanz« der Sonne. Dieser Glanz gibt ihren Figuren, die sich (einschließlich des aufmerksamen Betrachters) alle auf der Suche nach ihrer Identität befinden, einen hoffnungsfrohen, fröhlichen Rahmen.

»Auf der Suche nach dem Wunderbaren«

Auf dem oben genannten Bild ist ein älterer Mann im Anzug und Baskenmütze in einigem Abstand von einer alpenländischen, gemütlich anmutenden Hütte mit Bank und Tisch davor zu sehen. Die Hütte aber scheint in Nebel gehüllt vor einem viel-leicht vereisten Weiher in einer Winterlandschaft zu stehen. Während Mann und Haus realistisch, detailgetreu wiedergegeben sind, scheinen auf dem Wasser im Nebel eine Art bunt ge-streifter Luftballons oder vielleicht aufgeblasener geringelter Socken zu schweben…. Die Realität verschwimmt, die Fantasie ist angeregt: die Hütte – ein Sehnsuchtsort, der Mann – Erinnerung an den Großvater? »Im Traum ist vieles möglich«, erklärt Meike Zopf, deren Themen auch in allen ihren anderen Arbeiten immer um den Menschen kreisen und die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen wie Liebe, Sehnsucht, Erinnerungen, Ängste und Hoffnungen umfassen.

Figuren wie aus einer anderen Welt

Obwohl ihre Figuren, Interieurs und Landschaften wirklichkeitsgetreu gemalt sind, scheinen sie doch aus einer anderen Welt zu kommen. So wie mancher Dichter, allen voran James Joyce, assoziativ, nicht immer logisch nachvollziehbar erzählt, so verknüpft Meike Zopf gerne unterschiedliche Zeiten, Orte, Menschen und Handlungen. Dabei verbindet sie auch, beinahe collageartig, verschiedene Stile und Techniken. Es entsteht eine spannungsreiche Malerei, die von skizzenhaften, eher vagen und komplexen sowie konkreten Elementen lebt.

Gut zu sehen ist das auch bei ihrem jüngst entstandenen Bild »Ahnen«: eine jüngere Frau mit einer heute sehr altmodisch anmutenden Trockenhaube auf dem Kopf sieht leise lächelnd auf ihr Smartphone und scheint mit den in schwarz-weiß gehaltenen zwei alten Ehepaaren hinter und über ihr (sind sie bereits im Jen-seits?) Kontakt aufzunehmen. Interpretationsansätze gäbe es zahlreiche.

Die Arbeiten von Meike Zopf entfalten sich langsam vor den Augen des Betrachters. Dabei ist es ihm überlassen, im Dialog mit dem Bild für sich eine individuelle Aussage herauszufiltern. Meike Zopfs Bilder können glücklich machen, denn ihre Arbeiten können die Ahnung von fremden, schönen Welten voller Abenteuer und Überraschungen eröffnen. Die Ahnung – vielleicht sogar Gewissheit – von Transzendenz und Ewigkeit erscheint möglich.

Meike Zopf studierte nach dem Abitur in Berlin für das Lehramt Kunst an der Universität der Künste Berlin, dann von 1995 bis 1999 an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg, wo sie mit dem Diplom Kunsttherapie abschloss. Ihr Studium für Bildende Künste an der Hochschule Hannover von 2001 bis 2004 schloss sie mit Diplom ab. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, unter anderem war sie 2015 Artist in Residence an der Nagoya University of Arts, Japan, und 2016 am Printing Workshop Malmö, Schweden. Die Künstlerin bestritt zahlreiche Gruppen- und Einzelausstellungen unter anderem in Berlin, Hannover, Leipzig und München sowie in Japan, Seoul, Südkorea und Taiwan.

Die Präsentation in Ruhpolding in der Galerie Kaysser an der Hauptstraße 28, gegenüber dem Hotel Zur Post ist bis einschließlich Sonntag, 14. März zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, außerdem nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 08663/3559798. Zur Präsentation ist ein Katalog er-schienen. Christiane Giesen