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»Schöpfungsrauschen« auf 48 Blättern

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Das letzte der 24 Blätter der Serie »Schöpfungsrauschen« mit jeweils drei Zeichnungen (von links) von Markus Wimmer, Martin Stützle und Willee WTH Regensburger. (Foto: Giesen)

Das diesjährige Dialog-Projekt des Kunstvereins Traunstein ist »Schöpfungsrauschen« überschrieben. Der bekannte Künstler Willee WTH Regensburger aus Grabenstätt hat sich als Mitglied des Kunstvereins zwei Freunde eingeladen, mit denen er seit vielen Jahren künstlerisch zusammen arbeitet und woraus vor acht Jahren die Gruppe »randlos« entstanden ist: Dazu gehören neben Regensburger Martin Stützle aus Glarus in der Schweiz und Markus Wimmer aus Landshut.


Wie der Vorsitzende des Kunstvereins, Herbert Stahl, einführend bei der sehr gut besuchten Vernissage in der Alten Wache im Traunsteiner Rathaus erklärte, entschlossen sich die Künstler vor etwa zwei Jahren zu einem an die Surrealisten um André Breton angelehnten »cadavres exquis«, einem »Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen konstruieren zu lassen…«, wie es in Wikipedia heißt. Keiner der Mitspieler weiß vorher von der Arbeit der anderen.

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Auf insgesamt 48 dreiteiligen Bogen Papier wechselten sich die drei Künstler des Kollektivs »randlos« mit ihren Zeichnungen ab, ohne dass es inhaltliche Absprachen gab, lediglich äußere Vorgaben. In drei Stapeln aufgeteilt wurden die Bogen weitergereicht, bis der keilförmige Raum von null Zentimeter Höhe auf 29 Zentimeter Höhe vollständig mit dem Grau und Schwarz von zwei verschiedenen Bleistiftstärken über die gesamte Länge von 24 Metern gefüllt war. Am Anfang gab es für jeden nur das leere Blatt, später in der zweiten und dritten Runde, musste auf den Nachbarn Bezug genommen werden. Hier trat der Dialog des »Schöpfungsrauschens« ein. »Die Idee der Veranstaltungsreihe 'Im Dialog', die Helmut Mühlbacher vor acht Jahren ins Leben gerufen hat, könnte besser nicht zum Tragen kommen«, freute sich Herbert Stahl.

Wer die Zeichnungen genauer betrachtet, wird aus dem Staunen nicht herauskommen. Gleichsam aus dem Nichts steigern sich die Zeichnungen zu immer neuen Ausbrüchen von Schraffuren, Strukturen, Gegenständen und Wesen. Eigene Welten entstehen. Landschafte und Vulkane, Zeugung und Geburt werden dargestellt. Geister und Reisende, Konflikte, Kriege, Wälder, Wolken, Natur tauchen auf und verschwinden wieder, teils ganz konkret, teils in der Vorstellung des Betrachters durch die Abstraktion von Punkten und Strichen.

Auf den knapp 25 Metern Zeichnungen rund um den Innenraum der Alten Wache kann man die Unterschiede der drei Künstler in ihrer zeichnerischen Sprache gut erkennen: Willee Regensburger, immer die dritte der Zeichnungen, bleibt durchgehend gegenständlich und schafft gleichsam seine eigene biografische Schöpfungsgeschichte. Markus Wimmer, stets die erste der Zeichnungen, wechselt zwischen eher ornamentalen, wie geologisch wirkenden Darstellungen von Landschaften und tastet sich zeichnerisch immer wieder an mystische Wesen heran.

Martin Stützle, in der Mitte, bleibt während des gesamten Entstehungsprozesses der Arbeit abstrakt, vehement, expressiv, auch aggressiv, dann wieder sanft. Zu Beginn der Arbeit kann man die Worte aus der Bibel lesen: »Am Anfang war das Wort« und später »Und Gott sah, dass es gut ist«. Den drei Freunden ist das metaphorische Denken ein großes Bedürfnis in ihren gemeinsamen Projekten. Im »Schöpfungsrauschen« in der Alten Wache, das voraussichtlich in zwei Jahren wieder in Landshut, später auch in der Schweiz zu sehen sein wird, wird programmatisch von den Künstlern klar zum Ausdruck gebracht, worum es ihnen geht: eine Schöpfungsgeschichte, die Erschaffung der Welt von ihren Anfängen an. Denn Künstler schöpfen stets aus ihrem kreativen Reservoir, erschaffen einen neuen Bildkosmos und hören so nie auf, »Schöpfer« zu sein.

In seinen Grußworten freute sich Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel, dass es dem Kunstverein Traunstein wieder gelungen ist, mit »Schöpfungsrauschen« eine so herausragende, künstlerische Arbeit dreier renommierter Künstler nach Traunstein zu holen.

Gezeigt wird die Präsentation bis Sonntag, 25. November, wobei Sonntag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr und am Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist. Christiane Giesen

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