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Scholl lieber TV-Experte als Bayern-Trainer

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Mehmet Scholl (M) posiert mit den TV-Moderatoren Reinhold Beckmann (l) und Matthias Opdenhövel. Foto: Marcus Brandt Foto: dpa

München (dpa) - Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl möchte lieber weiter als Fernsehexperte vor einem Millionen-Publikum auftreten, als künftig den neuen Bayern-Chefcoach Pep Guardiola mit Talenten zu versorgen. Wegen eines Interessenkonfliktes beendet der 42-Jährige im Sommer seine umstrittene Doppelrolle.


Dabei hat sich Scholl überraschend für eine Fortsetzung seiner Tätigkeit bei der ARD entschieden und damit gegen den FC Bayern München, wo er eigentlich bis 2014 als Trainer der zweiten Mannschaft fungieren sollte. Der deutsche Rekordmeister bestätigte am Wochenende, dass der langjährige Bayern-Profi den Verein über seine Pläne informiert habe.

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«Ich habe meinen Entschluss schon vor zwei Wochen unserem Präsidenten Uli Hoeneß mitgeteilt», sagte Scholl der «Süddeutschen Zeitung», die ebenso wie die «Bild»-Zeitung am Samstag von der bevorstehenden Trennung zum Saisonende berichtet hatte. Er bleibe Trainer, «aber jetzt werde ich auf jeden Fall mal meinen TV-Vertrag bis 2014 erfüllen», kündigte Scholl an. Der ARD-Kontrakt gilt bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien, solange hatte sich der Ex-Profi im vergangenen Jahr auch als Trainer an den FC Bayern gebunden.

Als Grund für den Abschied nannte der langjährige Bayern-Profi nicht die Verpflichtung von Guardiola als Nachfolger von Jupp Heynckes («absurd»), sondern seine Arbeit als TV-Experte. «Diesen Interessenkonflikt habe ich völlig falsch eingeschätzt», erklärte Scholl. Seine Fernsehkritik bei Länderspielen an Bayern-Spielern wie Mario Gomez oder Thomas Müller war von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge öffentlich gerügt worden. Die Doppelrolle stieß intern immer wieder auf Kritik und sorgte für Spannungen. «Damit ist keinem gedient: dem FC Bayern nicht und auch nicht mir», erklärte Scholl. Er werde nach dieser Saison eine Trainerauszeit einlegen.

Humor und flotte Sprüche waren schon während seiner Laufbahn als Spieler eines der Markenzeichen von «Scholli». Auch in seiner ARD-Rolle kommt er damit beim Publikum an. Beim ersten EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Sommer 2012 hatte er jedoch für eine flott formulierte Kritik an Bayern-Angreifer Mario Gomez für einigen Aufruhr gesorgt. «Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss», sagte er über den Torschützen.

Gomez reagierte irritiert auf die harten Worte aus dem eigenen Verein. Das Verhältnis zu Scholl gilt seitdem - gelinde gesagt - als belastet. «Da machst du das Siegtor gegen Portugal und denkst, du bist im Turnier angekommen. Und dann kriegst du drei Tage lang nur auf die Fresse», äußerte Gomez damals während der EM in Polen. Der Auslöser der öffentlichen Gomez-Debatte war Scholl gewesen.

Der beklagte nun, dass es bei seiner Rolle als TV-Experte «nie um die Aussagen an sich» gegangen sei, «sondern nur darum, dass ich das als Bayern-Angestellter sage». Bei den von der ARD übertragenen Länderspielen gegen Frankreich am 6. Februar in Paris sowie gegen Kasachstan am 26. März in Nürnberg dürfte nun besonders auf Scholls Äußerungen über Nationalspieler des FC Bayern geachtet werden.

Bericht der «Süddeutschen Zeitung»

Bericht «Bild