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Schubertiade mit Starbesetzung

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Sopranistin Katharina Konradi begeistert beim ersten Kammerkonzert mit ihrer herrlichen Stimme. (Foto: Titze)

Es war die Musik liebende Familie Sonnleithner, in deren Wohnung im Gundelhof in Wien sich die »Schubertiade« genannten Konzerte immer größerer Beliebtheit erfreuten. Beinahe zweihundert Jahre später vermochte es ein hervorragendes Aufgebot an Künstlern, in Bad Reichenhall allein mit der unsterblichen Musik dieses Romantikers erneut Begeisterung beim Publikum hervorzurufen.


Wie Bernd Redmann, künstlerischer Leiter des »AlpenKlassik«-Festivals und Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, erläuterte, entwickelte er neue Linien aus Schuberts Ideen und den »genetischen Potenzialen« der ursprünglich für Klavier geschriebenen Tänze. Um den Unterschied zwischen der Originalfassung und der Paraphrasierung zu verdeutlichen, demonstrierte Redmann einen der Tänze in seiner Originalfassung am Klavier, bevor die »10 Ländler und Deutsche« von Zither und Streichquintett aufgeführt wurden. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich Georg Glasl an der Zither, in dessen Auftrag die Paraphrasierung vorgenommen wurde.

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Musik der einfachen Land- und Stadtbevölkerung

Schubert komponierte seine Tänze nicht als finanzträchtige Auftragsarbeiten für Hof und Adel. Sie waren Musik der einfachen Land- und Stadtbevölkerung. So sind auch seinen Tänzen Elemente der Volksmusik zu entnehmen, deutlich hört man in »Deutscher F-Dur D 146/5« das Lied »Es klappert die Mühle am rauschenden Bach« heraus, das von Schubert 1823 vertont wurde.

Jede vorstellbare Gemütsregung lässt sich in der Musik des Komponisten finden, die Tänze bewegen sich in einer breiten Farbpalette von heiter fließend über temperamentvoll bis leidenschaftlich, dazwischen immer wieder fast wienerisch anmutend. Die Musiker mit Julian Riem waren schon einzeln absolut konzentriert, präsent und hörenswert, aber im Zusammenspiel waren sie genial. Die Zuschauer quittierten dies mit viel Applaus.

Vollkommen ebenbürtig war der Vortrag der Sopranistin Katharina Konradi, die in diesem Jahr ihre Gesangsausbildung mit dem Masterstudium an Redmanns Hochschule abgeschlossen hat. »Auf dem Strom« und »Der Hirt auf dem Felsen« sind die einzigen beiden Lieder, denen Franz Schubert neben dem Klavier noch ein Blasinstrument an die Seite gestellt hat – im ersten Fall ein Horn, hier meisterlich behutsam und auf die Sängerin eingehend gespielt von Marie-Luise Neunecker, im zweiten die Klarinette.

Katharina Konradi kann trotz ihrer noch jungen Karriere bereits auf mehrere bedeutende Preise verweisen. Dass sie diese zu Recht erhalten hat, stellte sie an diesem Abend nachdrücklich unter Beweis. Mit schönfarbigem Timbre, klarer und plastischer Modulation, voll Emotion und in ihrer Intensität absolut überzeugend trug sie zu dem Erfolg dieses Konzerts bei.

Sehnsucht, Wehmut, Aufbruch und Hoffnung

Sowohl das Horn als auch die Klarinette, einfühlsam und virtuos gespielt von Reiner Wehle, agierten mal solistisch als auch in Zwiesprache mit der Sängerin, deren Gefühlen sie als Echo folgten. Sehnsucht, Wehmut, aber auch Aufbruch und Hoffnung waren da vernehmbar, gipfelnd in dem Jubel: »Je weiter meine Stimme dringt, je heller sie mir wieder klingt«.

Das Forellenquintett ist wohl das bekannteste und berühmteste Werk Schuberts. Mit Antti Siirala am Klavier, Nils Mönkemeyer an der Viola, Wen-Sinn Yan am Violoncello, der Geigerin Christel Lee und dem Solobassisten bei den Berliner Philharmonikern, Nabil Shehata, in großartigem Zusammenspiel wurde dieses Werk zu einem Hochgenuss. Schubert schrieb es während eines unbeschwerten Sommeraufenthalts in Steyr, diese lebensfrohe, heitere Stimmung war auch jetzt deutlich zu spüren. Barbara Titze