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Schuberts Seelengemälde kongenial musiziert

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Begeisterter Applaus für Schuberts Streichquintett: Lorenz Chen (von links), Wen-Sinn Yang, Barbara Westphal, Ana Chumachenco und Wolfgang Boettcher. (Foto: Aumiller)

Franz Schubert stand im Zentrum der beiden von den Dozenten der Bad Reichenhaller Alpenklassik Summer School dargebotenen Kammermusikabende. Schon beim Gesprächskonzert machten Ana Chumachenco, Siegfried Mauser und Wen-Sinn Yang Schuberts Klaviertrio B-Dur op.99 D 898 zum spannenden Hörgenuss.


Zuvor hatte Mauser in seinem ausführlichen musikwissenschaftlichen Referat das kompositorische Spätwerk Schuberts anschaulich beleuchtet und mit expliziten Musikbeispielen auch anderer Komponisten angereichert. Trotz des nur 31 Jahre alt gewordenen Komponisten kann durchaus von seinem Spätstil die Rede sein, wie Mauser erklärte.

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Beim Kammerkonzert war dann Schuberts letztes und größtes kammermusikalisches Werk, das Streichquintett C-Dur D956, der Höhepunkt im Abendprogramm. Es ist eine der bedeutendsten Schöpfungen, nicht allein Schuberts, sondern der gesamten Kammermusikliteratur. Als Schuberts einziges Streichquintett hat es auch formell eine Sonderstellung, da ein zweites Cello die Quartettbesetzung zum Quintett ergänzt.

Das Quintett wurde erst 1850, 22 Jahre nach seiner Entstehung in Schuberts Todesjahr 1828, wiederentdeckt. Man hat dem Werk oft impliziert, es trage Schuberts Todesahnung und Lebensabschied in sich, dokumentiert auch durch seine eigenen Äußerungen über sein Unglücklichsein und die mangelnden Zukunftsperspektiven. Besonders dem Adagiosatz, der in seiner Art einmalig sein dürfte, haftet etwas mystisch Entrücktes an. Aber dem Zuhörer offenbart sich dennoch keine düstere Endzeitstimmung – Melancholie schwingt in fast allen Schubertwerken unterschwellig mit – sondern eine tief verinnerlichte Klangschönheit von erhabener, geradezu lichtdurchflutet berührender Wirkung.

In den Interpreten Ana Chumachenco, Lorenz Chen, Barbara Westphal, Wolfgang Boettcher und Wen-Sinn Yang hat das singuläre Werk eine hochkarätige Wiedergabe und Ausdeutung erfahren, die das Zuhören zum wundervollen Erlebnis machte. Die fünf Streicher beeindruckten mit einer Dichte fast orchestraler Fülle im Gegenzug zu feinsten Schwebungen transparenten Klangsinns. Ihr Zusammenspiel verwob die reiche Melodik mit den vielgestaltigen Modulationen in mutiger Polyphonie zu einem Wunderwerk an klanglicher Finesse. Und doch blieb dabei jeder ein individuell gestaltender Solist als Teil ausgewogen balancierten Zusammenklingens.

Fast tänzerisch beschwingt reihten sich die Hauptthemen, abgelöst von sensitiv melancholischen Kantilenen, wechselweise von der Violine wie vom Cello eindringlich geformt. Besonders beeindruckend vermittelte sich die getragene zarte Melodieführung von zweiter Violine, Bratsche und Cello, vom zweiten Cello mit dunkel pochenden Pizzicati mahnend angereichert und von der ersten Violine mit silbernen Lichtern überglänzt. Eleganz zeichnete das Klangbild aus, wie auch vitales Strömen mit rhythmischer Verve und ebenso filigrane Feinsinnigkeit.

In der Dichte der Aussagekraft hielten die ersten beiden Programmpunkte mit dem Quintett nicht ganz mit. Am Beginn stand die Sonate f-Moll op.120/1 von Johannes Brahms, auch sie ein Spätwerk des Komponisten. Michael Endres am Klavier und der Klarinettist Martin Spangenberg zeigten sich als berufene Interpreten mit meisterlichem Einsatz ihrer Instrumente in der Ausführung der kompositorischen Eigenart der Brahms’schen Klangsprache. Lyrische Verträumtheit gestaltete das Duo geschmackvoll im Wechsel mit tänzerisch volksliedhaften Motiven.

Die Mezzosopranistin Daphne Evangelatos, bis 1995 langjähriges Mitglied der Bayerischen Staatsoper und seit 1993 erfolgreiche Gesangsprofessorin an der Münchner Musikhochschule, präsentierte Lieder von Franz Schubert und Johannes Brahms. Michael Endres begleitete sie kompetent am Flügel. Zuerst hatte die Opernsängerin vier Lieder nach Texten von Goethe ausgewählt: »Rastlose Liebe«, »Schäfers Klagelied«, »Nur wer die Sehnsucht kennt« und »Der Musensohn«. Im zweiten Teil folgten die Brahmslieder »Meine Liebe ist grün«, »Alte Liebe«, »Ständchen« und »Von ewiger Liebe«. Elisabeth Aumiller