Schüler- und Studententicket für ÖPNV kommt

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Busfahren soll künftig durch das neue Angebot attraktiver werden. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Der Landkreis Berchtesgadener Land plant die Einführung eines Schüler- und Studententickets für den Linienbusverkehr. Die stark subventionierte Fahrkarte soll für das gesamte Kreisgebiet gültig sein – auf speziellen Linien bis nach Traunstein. Damit will der Landkreis unter anderem der stark gesunkenen Nachfrage seit Coronabeginn im Linienbusverkehr entgegenwirken, wie es in der Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität hieß. Eine Hürde zum Erfolg dürfte der Erwerb sein, denn junge Leute sollen das Ticket beim Busfahrer kaufen, ein Onlineangebot wird es zunächst nicht geben.


Mobilität verbessern

Ziel der Initiative sei es, »jungen Menschen ein attraktives Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu unterbreiten und deren eigenständige Mobilität zu verbessern«, heißt es in einem Landkreis-Papier. Zudem soll durch das neue Tarifprodukt erreicht werden, dass sich die Pandemie-bedingt »stark gesunkenen Fahrgastzahlen« im ÖPNV wieder erhöhen. Geht es nach dem Landkreis, soll die Aktion am 1. April 2022 starten. Das Angebot gilt auch für Auszubildende, Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes und all jene, die eine Schule im regulären Schulsystem eines Bundeslandes oder im Ausland besuchen – ebenso für Studenten an Fachhochschulen, Universitäten, aber auch ausländischen Bildungseinrichtungen.

Die Fahrberechtigung soll ein Ergänzungsticket zu den klassischen Schülerfahrkarten darstellen. Letztere gelten in der Regel nur streckenbezogen zwischen Wohnort und Ausbildungsstätte. In die Quere wollen sich die Verantwortlichen dabei nicht kommen, deshalb gilt das Schüler- und Studententicket zwar ganztags – an Schultagen jedoch erst ab 14 Uhr, um keine Konkurrenzsituation zu den Schülerfahrkarten zu generieren, sagt Manuel Münch, zuständig für die Landkreisentwicklung. Das Ticket soll explizit auf allen Buslinien im Kreisgebiet Berchtesgadener Land gültig sein. Bei Landkreis-übergreifenden Linien auch bis zu deren Endpunkt im Landkreis Traunstein. Davon ausgenommen bleibt der Rufbus-Verkehr und saisonale Sonderlinien. Auf grenzüberschreitenden Linien ist das Ticket nur innerhalb des Kreisgebietes gültig, ab der Staatsgrenze sollen Nutzer für den verbleibenden Streckenabschnitt den regulären Fahrpreis zahlen.

Dabei kostet die Monatsfahrkarte 11 Euro. Der Landkreis will 9 Euro davon übernehmen. Für die Berechtigten bleiben somit 2 Euro für ein Monatsticket. Für die Förderung des Tickets werden jährlich 50 000 Euro durch den Landkreis im Haushalt bereitgestellt. Dieser Betrag sei ein mit den Verkehrsunternehmen abgestimmter Kalkulationsansatz, heißt es. Die Summe reicht aus, um 5 555 Tickets für den Verkauf bereitzustellen.

Fraglich bleibt die selbst gesetzte Hürde des Erwerbs: Schüler oder Auszubildende müssen das Ticket direkt beim Busfahrer kaufen, also nicht anders als vor 20 Jahren. Darauf weist auch Schönau am Königssees Bürgermeister und Ausschussmitglied, Hannes Rasp (CSU), hin: »Das Angebot ist sehr gut.« Allerdings müsse so schnell als möglich die Möglichkeit eines Online-Tickets her, forderte Rasp. Als »gute Anregung« empfand das Landrat Bernhard Kern (CSU). »Die Schüler brauchen ihr Ticket auf dem Handy, vergleichbar mit dem Impfausweis«, sagte der Landkreis-Chef. Scheinbar reicht dem Landratsamt bis April kommenden Jahres aber nicht die Zeit, um den Online-Ticketkauf umzusetzen.

So wird der Erwerb ausschließlich in den Linienbussen jener Verkehrsunternehmen stattfinden, die man für das Ticket gewinnen konnte. Dazu gehören der Regionalverkehr Oberbayern, die Stadtwerke Bad Reichenhall, die Städte Freilassing und Laufen, der Salzburger Verkehrsverbund, der Verkehrsbetrieb Brodschelm, Hogger sowie das Omnibus- und Transportunternehmen Gloss. Die Integration des Stadtbusverkehrs in Freilassing sowie der Linie 24 (Freilassing-Salzburg) steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Stadtrates. Die Einführung des Schüler- und Studententickets wurde bereits mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt. Der Vertrag ist auf drei Jahre befristet – mit einer jährlichen Kündigungsfrist von drei Monaten zum Jahresende hin. Ziel des Landkreises sei es auch gewesen, den Schienenpersonennahverkehr in das Schüler- und Studententicket zu integrieren.

Gutachter erforderlich

In mehreren Gesprächen mit den beiden Eisenbahnverkehrsunternehmen Bayerische RegioBahn (BRB) und SüdostbayernBahn (SOB) wurden die Möglichkeiten ausgelotet. So kurzfristig sei die Einbeziehung des Schienenpersonennahverkehrs jedoch nicht möglich, auch wenn das ein klarer Wunsch von Landrat Kern ist. Weil sich die Tarif- und Vertriebssituation im Schienenverkehr »deutlich vom Linienbusverkehr unterscheidet, ist zur genauen Bestimmung der Tarifausgleichszahlungen und Einnahmeverluste der EVU eine Vorher-Nachher-Erhebung über die Fahrgäste unabdingbar«, heißt es im Beschlussvorschlag. Das bedeutet: Ein Gutachter muss her. Allerdings könne nur auf diese Weise »die Ermittlung der Einnahmen im Schienenverkehr durch die berechtigte Fahrgastgruppe sowie die Kalkulation des zukünftig zu erbringenden Ausgleichsbetrags erfolgen«. Die Integration des Schienenverkehrs in das Schüler- und Studententicket wird voraussichtlich erst ab dem Jahr 2023 geprüft werden können.

Kilian Pfeiffer