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Schul-Mittaggessen: Zu 100 Prozent Bio und sieben Euro pro Portion?

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Foto: dpa/Symbolbild

Traunstein – Mit dem Thema Mittagessen tut sich die Stadt schwer: Nach einer langen Diskussion im Hauptausschuss, wurde auch im Traunsteiner Stadtrat heftig argumentiert. Dabei ging es erneut um den Bioanteil und den Preis, den Eltern für ein Mittagessen zahlen müssen.


Thomas Stadler (Grüne) holte weit aus in seiner Argumentation. Er sprach von Massentierhaltung, Glyphosat und »unserer Verantwortung für die Umwelt«. »Es geht um unsere Zukunft«, betonte er und hob heraus, wie wichtig es wäre, wenn die Stadt hier mit gutem Beispiel vorangehen würde. Er würde sich deshalb – wie im erarbeiteten Qualitätsstandard des Essensgremiums festgehalten – 100 Prozent Biofleisch und 50 Prozent bei den übrigen Lebensmitteln wünschen.

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Für dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner, Robert Sattler (beide SPD) und Stefan Namberger (CSU) spielen Regionalität und Saisonalität eine größere Rolle – und ganz pragmatisch fügte Robert Sattler noch an: »Ich würde einfach hoffen, dass wir jemanden finden, der ein Essen kocht, das den Kindern schmeckt.«

100 Prozent Bio für sieben Euro pro Portion

Eine Frage, die bei der gesamten Diskussion im Mittelpunkt stand, war die nach dem Preis. Das Essensgremium mit Vertretern aus Schule, Kindergarten und Stadtratsmitgliedern hatte einen Qualitätsstandard für ein gutes Mittagessen für Kinder erarbeitet. Dabei kam laut Stadt in Gesprächen mit Fachleuten allerdings heraus, dass bei einem Bioanteil von 100 Prozent eine Portion etwa sieben bis acht Euro kosten würde – für viele Stadtratsmitglieder deutlich zu viel. Thomas Stadler bezweifelte das und nannte Anbieter, die es trotz Bio für deutlich weniger pro Portion machen würden.

Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) schlug deshalb vor, das Ganze auszuschreiben. »Dann wissen wir, ob es jemanden gibt, der es für vier oder 4,50 Euro macht.« Ähnlich sah das Ursula Lay (UW). »Wir haben keine belastbaren Zahlen. Da können wir nicht sagen, 'das ist nicht bezahlbar'. Ich vermisse eine Kalkulation von einem Fachmann.«

Letztlich stimmte der Stadtrat aber mit 11:10 Stimmen dafür, dass nur Geflügelprodukte zu 100 Prozent in Bioqualität angeboten werden müssen. Bei den anderen Produkten wird von einer Bioquote abgesehen, mit dem Hinweis, dass der Anteil möglichst hoch sein soll. Der Preis pro Essen darf 4,50 Euro nicht überschreiten – dafür stimmten 16 der 21 anwesenden Stadträte. €

Mit Fertigstellung der neuen Küche an der Ludwig-Thoma-Grundschule können jedoch nicht alle Kinder mit frisch gekochtem Mittagessen versorgt werden, sondern nur die Buben und Mädchen der Ludwig-Thoma-Schule und die Schüler der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Die Schüler der Haslacher Grundschule, die Buben und Mädchen der Kindertageseinrichtung »Balthasar Permoser« in Kammer und die Kinder der Kindertageseinrichtung am Klosterberg werden weiterhin von den Maltesern beliefert. Das gilt zunächst einmal für das Betreuungsjahr 2018/2019.

»Wir sollten die Entscheidung der Schule überlassen«, betonte Ursula Lay in Zusammenhang mit einem weiteren Schulthema. »Die wissen nämlich genau, mit wem sie gut zusammenarbeiten.«

Mittagsbetreuung geht an Diakonisches Werk

Im Stadtrat ging es nach der Essensdebatte auch um die Vergabe der Schulkindbetreuung an einen freigemeinnützigen Träger. Die Schulleitung der Ludwig-Thoma-Grundschule hatte der Stadt mitgeteilt, dass sie sich für das Diakonische Werk als Kooperationspartner für die gebundenen Ganztagsklassen entschieden habe. Mit 18:3 Stimmen votierte der Stadtrat dafür, die Mittagsbetreuung an der Ludwig-Thoma-Grundschule und an der Grundschule Haslach ohne Vergabeverfahren ebenfalls an das Diakonische Werk als Träger zu vergeben. KR