Schwanengesang packend gestaltet

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Bariton Gerald Finley (links) und Pianist Julius Drake begeisterten beim Festspiel-Liederabend. (Foto: Borelli)

Mit ihrer eindrucksvollen Interpretation von Franz Schuberts »Schwanengesang« beim Salzburger Liederabend im Großen Saal des Mozarteums zeigten der kanadische Bariton Gerald Finley und sein Klavierbegleiter Julius Drake hochkarätiges Festspielniveau.

Die 14 Lieder des Zyklus sind Schuberts letzte Liedkompositionen aus seinem Todesjahr 1828. Posthum fasste der damalige Wiener Verleger 13 Lieder nach Gedichten von Ludwig Rellstab und aus Heinrich Heines »Buch der Lieder« zum Zyklus »Schwanengesang« zusammen, der mit Schuberts letztem Lied, Johann Gabriel Seidls »Die Taubenpost«, schließt. Es sind Lieder der Sehnsucht nach vergangenem, verlorenem oder erträumtem Liebesglück.

In den sechs Heineliedern wird die Stimmung dunkler, schwermütig und schmerzerfüllt. Als »Minizyklus« setzten die Interpreten an den Beginn drei weitere Lieder aus dem Jahr 1828. »Bei Dir allein empfind ich, dass ich lebe« beschreibt Frühlingsgefühle, im »Herbst« »sinket die Hoffnung des Lebens, sterben die Rosen der Liebe dahin«. Im »Winterabend« ist es »so still, so heimlich um mich«. Eine beeindruckende Ouvertüre zum Hauptzyklus.

Gerald Finley berührte mit jedem Ton. Er verstand es meisterhaft, im stimmlichen Ausdruck Textgehalt und musikalische Aussage zu verschmelzen und entsprechend einzufärben. Seine klare Diktion verführte ihn nie zum bloßen Deklamieren, vielmehr führte er die Stimme in jeder Nuance in gut phrasierter und stets klingender Legatolinie und Tonqualität, beherrschte innig-zarte Pianolyrik, konnte dem Klang auch mächtig anschwellende Tonintensität verleihen. Jedes Lied, jede Phrase machte er zum Juwel an Klangreiz und Ausdrucksempfindung.

Voller Zauber erfreuten »Liebesbotschaft« oder »Frühlingssehnsucht« und »Leise flehen meine Lieder« im berühmten »Ständchen«. »Ade, Du muntere, Du fröhliche Stadt«, gestreift von leiser Melancholie, markierte den beschwingten Abschied der lichteren Farben und die Zäsur zu den Heineliedern. In großem stimmlichen Aufschwung und schmerzlicher Empfindung musste »der Atlas« die ganze Welt der Schmerzen tragen oder »Die Stadt« »wie ein Nebelbild« den bitteren Liebesverlust. Traumschön »Ihr Bild« »in dunklen Träumen« und »Am Meer« »im letzten Abendscheine«, aufgelichtet dazwischen vom lieblichen »Fischermädchen«. Zum ergreifenden Höhepunkt machte Finley den »Doppelgänger«, der die Hände vor Schmerzensgewalt ringt und dem es vor der eigenen Gestalt graust. Ein versöhnlicher Abschluss folgte mit der tanzend schwebenden »Taubenpost«. Liedkunst auf höchstem Niveau durften die Zuhörer bei diesem glänzenden Liederabend genießen.

Am Klavier waltete Julius Drake nicht allein als begleitendes Element, sondern als pianistischer Dramaturg, der die Qualitäten der schubertschen Tonsprache auf das Schönste auffächerte in beredter Phrasierung, der auch vor kraftvollem Griff in die Tasten nicht zurückschreckte, aber ebenso feine Silberfäden zu spinnen oder Akzente zu setzen wusste. »Am Meer« oder »beim traurigen Takte rudert der Schiffer in meinem Kahn« ließ Drake die Wellenbewegung oder den Ruderschlag hörbar werden oder etwa das fröhliche Murmeln des Baches in der »Liebesbotschaft«. Elisabeth Aumiller