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Franz Xaver Angerer und Andreas Pytlik stellen Werke in der Galerie Kaysser in Ruhpolding aus

»Schwarz und Grün« in spannendem Zusammenspiel

Ein reizvolles Zusammenspiel der Werke zweier Künstler aus der Region präsentiert sich in der neuen Ausstellung »Schwarz und Grün« in der Galerie Kaysser in Ruhpolding. Franz Xaver Angerer aus Inzell, weithin bekannt vor allem für seine tief-schwarzen Holzskulpturen, zeigt einige seiner Skulpturen und dazu eine vielfältige Auswahl kleiner Holzschnitte, die innerhalb der letzten 18 Jahre entstanden sind.

Andere Farben nutzt Andreas Pytlik nur, damit das Grün noch besser zur Geltung kommt – wie bei seinem Bild »green mountain«, das gerade in Ruhpolding zu sehen ist. (Foto: Giesen)

Bei Andreas Pytlik aus Schnaitsee, Jahrgang 1962, steht seit Beginn seines künstlerischen Schaffens die Farbe Grün im Mittelpunkt. Seine 15, in der Galerie Kaysser ausgestellten Bilder, meist in Öl auf Leinwand, sind neueren Datums.

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Für Andreas Pytlik ist Grün die Grundlage für alles

Grün ist die Landschaft, die Natur, für Andreas Pytlik ist Grün die Grundlage für alles. »Grün hat keinen hohen Stellenwert in der zeitgenössischen Kunst«, erklärt der Künstler im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Aber eigentlich sei Grün der »psychologische Urgrund, alle Farben sind grün und alle Farben stehen im Dialog zu Grün«, sagt Pytlik.

Die Farbe Grün gehört nicht zu den drei Grundfarben rot, blau, gelb und ist dennoch in vieler Hinsicht eine ganz besondere für den Menschen, auch in psychologischer Hinsicht – Grün soll beruhigen und die Konzentration erhöhen.

Grün muss dazu immer hergestellt, aus anderen Farben gemischt werden. Seit Pytlik ein großes Atelier in Schnaitsee besitzt, kann er sich auch den großen Formaten widmen. »Mein Atelier ist knatschbunt«, erzählt er, aber er verwende die anderen Farben nur als Grundierung. Farben wie ein kräftiges Pink, zum Beispiel bei »green mountain« oder »ROT« in der Ausstellung, benutzt er nur, um die Farbe Grün besser zur Geltung zu bringen.

Pytliks Bilder sind keine typischen Landschaftsbilder – sie beinhalten das, was Grün auch symbolisch bedeutet: »Wenn das Wort Grün im Sprichwort als die Hoffnung benannt wird, bezieht sich diese Hoffnung gerade auf die verbindende, Extreme überwindende Kraft dieser Farbe. Grün vermag auch zwischen Wort und Farbe, zwischen Sprache und Bild zu vermitteln«, schreibt Rüdiger Heise in einer Einführung zur Ausstellung in Ruhpolding.

Als scharfer, dennoch harmonischer Gegenpol dazu wirken die insgesamt acht ausgestellten Skulpturen von Franz Xaver Angerer, Jahrgang 1953. Faszinierend filigran wirken seine tief-schwarzen Arbeiten, zum Beispiel die über zwei Meter hohe »Drehende« oder der von ihm immer wieder ins Bild gesetzte »Phoenix«, der buchstäblich aus der Asche kommt.

Angerer schneidet seine Skulpturen immer mit vielerlei Werkzeug aus Harthölzern: der Kettensäge, aber zum Beispiel auch mit Haarriffel, die zur Flachsbearbeitung verwendet wurde. Hinterher verbrennt, karbonisiert er das Holz so, dass die monochrom schwarze Farbe entsteht. Das ist perfekte Konservierung einerseits, aber auch reizvolle Verfremdung des Materials: mancher Betrachter möchte den Phoenix berühren, ob es sich nicht doch um Metall handelt.

Zwischen den Werken entsteht ein besonderer Dialog

Der Künstler lässt sich von der Natur inspirieren. Zu Beginn der Arbeit weiß er oft nicht bis ins Einzelne, wie eine Skulptur aussieht, denn er muss sich nicht nur nach der eigenen Vorstellung, sondern auch der Struktur des Holzes richten. »Ich mache das, weil ich das machen muss – es ist meine Ausdrucksform«, antwortet Angerer auf die Frage, weshalb er das Holz so verbrennt. Mit Holz haben auch die kleinen Holzschnitte von Franz Xaver Angerer im Fenster zu tun – es sind zum Teil die Fortführungen der Arbeiten an früheren Skulpturen, zum Teil Auszüge, wie sie bei der Holzbearbeitung entstehen.

Zwischen den Bildern von Andreas Pytlik und Angerers Skulpturen entsteht ein besonderer Dialog – Spannung entsteht, die sich harmonisch wieder abbaut. Ein lohnender Ausstellungsbesuch!

Die Präsentation in der Galerie Kaysser in Ruhpolding, Hauptstraße 28, ist bis einschließlich Sonntag, 22. No-vember zu sehen. Geöffnet ist sie mittwochs bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr, außerdem nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 08663/3559798. Christiane Giesen