Schwerer Verlauf wegen Vitamin-D-Mangels?

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Dr. Herbert Bruckmayer

Kann die Einnahme von Vitamin D eine Covid-19-Erkrankung beeinflussen oder sogar ganz verhindern? Diese Behauptung liest man immer häufiger in Fachzeitschriften, Medien und Internet. Allerdings gibt es noch nicht viele Studien zum Thema – und diese kommen auch noch zu widersprüchlichen Untersuchungsergebnissen.


So schlussfolgerten Beobachtungsstudien in europäischen und US-Krankenhäusern, dass Covid-19-Patienten häufiger einen Vitamin-D-Mangel haben als andere Personen. Eine Studie in Madrid wollte daraufhin bewiesen haben, dass Menschen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel tendenziell häufiger an Covid-19 versterben. Doch die Untersuchung geriet in die Kritik, da sich in der Gruppe ohne Vitamin-D-Gabe mehr Patienten mit Vorerkrankungen befanden und damit auch mehr Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf vorhanden waren. Weitere Untersuchungen – beispielsweise in den Niederlanden, Indien oder Brasilien – kommen ebenfalls zu unterschiedlichen Ergebnissen.

In seiner aktuellen Therapieübersicht spricht das RKI von einem erhöhten Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Vitamin-D-Mangel. Ein eindeutiger Zusammenhang könne jedoch nicht bewiesen werden.

Auch Prof. Thomas Glück, Infektiologe am Krankenhaus Trostberg, und Dr. Herbert Bruckmayer, medizinischer Leiter des Impfzentrums in Altenmarkt, teilen diese Auffassung. Es sei zwar unstrittig, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für jede Form von Virusinfektion erhöhe, erklärt Dr. Bruckmayer. Das bedeute aber nicht automatisch, dass man damit den Verlauf bei einer bestehenden Corona-Erkrankung mildern oder sogar das Sterberisiko senken könne. Das entspricht auch der aktuellen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. »Es ist eher so, dass gesündere Menschen im Allgemeinen höhere Vitamin-D-Spiegel aufweisen. Diese Personen erkranken dann in der Regel auch weniger schwer«, ergänzt Prof. Glück.

Der beste Weg, um ausreichend Vitamin D aufzunehmen, ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), im Sommer wie im Winter viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Ausreichend UV-Schutz dürfe dabei trotzdem nicht vergessen werden. Vor allem im Winter sei jedoch davon auszugehen, dass Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Übergewichtige, Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck statistisch gesehen zu einem zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel neigen.

»Eine Supplementierung von Vitamin D ist nur bei einem nachgewiesenen Mangel sinnvoll und empfehlenswert«, erläutert Dr. Bruckmayer. »Da es bei einer höheren Dosis zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen bis hin zum Nierenversagen kommen kann, sollte man nicht mehr als 1000 IE täglich einnehmen.« Ab dieser Tagesdosis sind Präparate mit Vitamin D in Deutschland ohnehin verschreibungspflichtig, ein ärztliches Gespräch wird in jedem Fall empfohlen. JuC