»Scientists for Future«: Zwischen Kühlschrank und Backrohr

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Über die regionalen Folgen der Klimakrise für die Wälder diskutierte der Klima- und Forstexperte Wolfgang Weiß mit rund 75 Teilnehmern in einer Online-Diskussion der Traunsteiner »Scientists for Future«. Foto: dpa

Traunstein – Nach mehreren Veranstaltungen im Dezember über die allgemeinen Rahmenbedingungen der gegenwärtigen Klimakrise setzt die Traunsteiner Kreisgruppe der »Scientists for Future« ihre Online-Diskussionsreihe jetzt mit weiteren Themen fort. Unter der Moderation von Professor Helmut Bielenski aus Grassau beleuchtete zum Auftakt Wolfgang Weiß, Revierleiter bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung, die Frage »Ist der Wald fit für den Klimawandel?«.


Nach einer kurzen Entstehungs- und Nutzungsge-schichte des Waldes ging Weiß auf die Konsequenzen der emissionsbedingten Klimaerwärmung ein. Je nach Annahme einer durchschnittlichen Temperaturzunahme um zwei oder vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts müsse man sich in Bayern auf Situationen wie in Kroatien oder Griechenland beziehungsweise Nordafrika einstellen. Nach dem dritten Jahr in Folge, das von großer Hitze und Trockenheit geprägt sei, »meldet sich die Fichte großflächig ab«. Der Freistaat gebe Millionen für die Aufarbeitung aus, die Zahl der Förderanträge sei auf das Zehnfache gestiegen. »So eine Art der Katastrophenwirtschaft sollte aber zeitlich begrenzt sein«, sagte Weiß.

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Am Beispiel von Klimaprofilen für Fichte, Rotbuche und Tanne machte der Forstwirtschaftler die unterschiedlichen Zukunftschancen heimischer Baumarten in der Region Traunstein deutlich. Angesichts mittelfristig veränderter Klimabedingungen »zwischen Kühlschrank und Backrohr« werde mit neuen Baumarten wie Atlaszeder, Baumhasel, Schwarzkiefer und Flaumeiche für einen nachhaltigen Waldumbau experimentiert. Aufgrund knapper Nachzuchtangebote gebe es vereinzelt bereits »extreme Lieferengpässe«.

Weiß ergänzte, dass der Wald nicht nur durch Extremwettereignisse wie Hitze, Trockenheit, Stürme und Überschwemmungen unter Druck stehe. Die Folgen des Klimawandels würden sich auch durch die Zunahme von Pilzkrankheiten wie der Eichenwurzelfäule, Eschentriebsterben und der Rußrindenkrankheit oder Parasiten wie dem Fichten-Borkenkäfer zeigen. Sehr zu schaffen mache auch der aus Asien eingeschleppte Laubholzbockkäfer. Als wirksamsten Klimaschutz für den »Wald der Zukunft« sah Wolfgang Weiß eine deutliche Senkung der Treibhausgas-Emissionen an.

»Welche Baumarten sind für den Chiemgau zukunftsfähig?«, erkundigte sich Bruno Siglreithmaier in der Diskussion. Weiß verwies auf die Douglasie und die Atlaszeder, die auch Frost gut vertrage. Was den Nachschub an Jungpflanzen derzeit schwierig mache, sei die passende Genetik und Provenienz der Samen sowie zuverlässige Lieferanten. Während Maria Noichl die Wirksamkeit des Lieferkettengesetzes für weltweiten Waldschutz thematisierte, brachte David Schonberg die Frage nach Holz als Alternative zu fossilen Energieträgern zur Sprache. Weiß erklärte dazu, auch bei Pellets sei auf Herkunft und Hersteller zu achten, um fragwürdigen Geschäftemachern aus dem Ausland den Boden zu entziehen. Dr. Heide Schuster plädierte dafür, Holz als Bau- und nicht als Brennstoff einzusetzen.

Georg Huber erkundigte sich nach der höheren Effizienz der investierten Kosten für Waldaufforstung bei uns oder Entwicklungshilfe in punkto Klimawirksamkeit. Über Erkenntnisse aus dem Einsatz von Edelkastanien als Alternative zu anderen Baumarten erkundigte sich Dr. Ute Künkele. Weiß berichtete von guten Erfolgen damit in Südtirol. Über den Einsatz der nordamerikanischen Douglasie gingen die Meinungen noch auseinander, so der Waldexperte. Noch gebe es wenig Erkenntnisse über die langfristige Wirkung des Waldumbaus, »der uns jetzt aber unausweichlich diktiert wird«.

Zum Abschluss der Veranstaltung wies Professor Bielenski auf die beiden folgenden Diskussionsabende hin. Am heutigen Mittwoch um 20 Uhr stellt Karl Schweisfurth von den Hermannsdorfer Landwerkstätten das Thema »Biolandbau – Bedeutung für Klima und Artenvielfalt« vor. Am 31. März um 20 Uhr wird der Physiker Dr. Simon Filser mit der Ernährungswissenschaftlerin Jasmin Dorner das Thema »Ernährung und Klima« beleuchten. Infos gibt es auf der Internetseite von »Scientists for Future« Traunstein. eff

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