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Sechs »Nordlichter« nach Traunstein geholt

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Das Danish String Quartet spielt beim Eröffnungskonzert am 1. September Werke von Norgard, Beethoven und Bartók.

Wie kommt man denn auf Dänemark? So könnte man sich fragen, wenn man erfährt, dass sich die Traunsteiner Sommerkonzerte 2017 schwerpunktmäßig mit der Musik dieses kleinen Landes beschäftigen.


Da gibt es zwei gewichtige Gründe: Es war der Däne Per Norgard, dem im vergangenen Jahr der hochdotierte Ernst-von-Siemens-Musikpreis (250 000 Euro) verliehen wurde. Damit setzt Per Norgard die illustre Reihe von Komponisten fort, die in der Vergangenheit diesen »Nobelpreis der Musik« gewonnen haben (u.a. Stockhausen, Henze, Ligeti, Kurtág, Kagel, Rihm, Dutillieux, Reimann).

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Gewinner dieser Auszeichnung standen schon häufig bei den Traunsteiner Sommerkonzerten im Mittelpunkt. Somit wird jetzt eine Tradition fortgesetzt, wenn der 85-jährige Per Norgard im Fokus des Programms steht.

Der zweite Grund für die Wahl Dänemarks ist die Tatsache, dass in das Jahr 2017 der 200. Geburtstag des Dänen Carl Wilhelm Gade fällt. Hierzulande fast in Vergessenheit geraten, war er im 19. Jahrhundert ein äußerst geschätzter und viel gespielter Komponist. Erst in jüngster Zeit wird Gade in der Musikwissenschaft wieder eine neue Relevanz zugemessen.

Weitere dänische Komponisten im Programm sind die Romantiker Carl Nielsen und Emil Hartmann. Dazu kommen zwei wichtige Vertreter dänischer Musik des 20. Jahrhunderts. Das sind Rued Langgaard und Per Norgards ehemaliger Lehrer Vagn Holboe. Insgesamt zehn Werke aus Dänemark kommen, über die Festivalwoche verteilt, zur Aufführung – alles interessante und bereichernde Traunsteiner Erstaufführungen. Sie wechseln ab mit Werken aus Klassik, Romantik, klassischer Moderne und Gegenwart – Querbeet durch die europäische Musiklandschaft. Die Mitwirkenden und das Programm in Kurzformat wird im Folgenden vorgestellt. (Programmdetails siehe unter www.traunsteiner-sommerkonzerte.de)

1. September: Das Danish String Quartet aus Kopenhagen spielt Werke von Norgard, Beethoven und Bartók. Das Ensemble gewann u.a. den Kammermusikwettbewerb des Dänischen Rundfunks, und mehrere bedeutende internationale Wettbewerbe. Der Bayerische Rundfunk schneidet das Konzert mit.

2. September: Die Geigerin Tianwa Yang und der Pianist Nicholas Rimmer haben Sonaten von Gade, Schumann und Brahms in ihrem Programm, außerdem ein Werk von Norgard. Auch dieses Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk aufgenommen. Die anerkannte Kritikerin Eleonore Büning schrieb in der FAZ über die Geigerin: »... sie ist die stärkste junge Geigerin, weit und breit«. Das macht neugierig...

3. September: Das Trio con brio kommt mit Klaviertrios von Norgard, Gade und Tschaikowski. Eine lange Liste von Auszeichnungen ziert die Vita des dänischen Klaviertrios, dem Per Norgard übrigens eigens ein Werk gewidmet hat.

4. September: Beim ARD-Wettbewerb 2014 gewannen sie den 2. Preis und holten zudem den begehrten Publikumspreis – die fünf jungen spanischen Bläser des Azahar Ensembles. Zu hören sind Werke von Mozart, Turina, Hindemith, Urquiza und Nielsen.

5. September: Carl Nielsen ist auch im Konzert des Nightingale String Quartets vertreten, außerdem eine Komposition von Rued Langgaard und Schuberts op. 810 »Der Tod und das Mädchen«. Der Grammophone Young Artists of the Year Award, der 2014 an die vier jungen Musikerinnen aus Kopenhagen ging, ist nur eine von vielen Auszeichnungen. Das Ensemble erhielt diesen Preis u.a. für seine Gesamteinspielung aller Streichquartette von Langgaard.

6. September: Das Trio Andreas Ottensamer (Klarinette), Maximilian Hornung (Cello) und Nicholas Rimmer (Klavier) stellt ein Werk des Dänen Emil Hartmann vor sowie Trios von Nino Rota und Paul Juon, bevor es zum krönenden Abschluss kommt: Brahms’ Klarinettentrio op. 114.

7. September: Sie waren 2015 schon einmal da – die Mitglieder des Notos Klavierquartetts aus Berlin. Im vergangenen Jahr gingen sie zum 5. Mal als Sieger eines internationalen Wettbewerbs hervor und zählen damit zur Spitze der derzeitigen Klavierquartette in Deutschland. Mit Werken von Fauré, Holboe und Brahms geht die Festivalwoche zu Ende. Insgesamt gilt: Das Programm 2017 hält an jedem Abend eine Überraschung bereit, die zeigt, dass es noch viel wertvolle Musik außerhalb ausgetretener Pfade zu entdecken gibt.

Wegen der Bauarbeiten rund um die Klosterkirche finden alle Konzerte im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes statt. Auf seiner Bühne standen schon früher, nämlich in den 80er und 90er-Jahren, die Künstler der Traunsteiner Sommerkonzerte. Die Organisatoren der Traunsteiner Sommerkonzerte freuen sich sehr, dass Landrat Siegfried Walch »seinen« Saal so großzügig zur Verfügung stellt.

Kartenreservierungen sind unter Telefon 0861/2099660 möglich. Imke von Keisenberg