weather-image

»Seebruck könnte den Status als Luftkurort verlieren«

3.9
3.9
Bildtext einblenden
»Seebruck könnte durch die 40-Tonner-Brücke den Status als Luftkurort verlieren«, betonte Gisela Sengl bei einer Diskussionsveranstaltung. Und das wolle sicher niemand. (Foto: Georg Unterhauser)

Seeon-Seebruck – »Red' ma moi« war der Titel einer Diskussionsveranstaltung mit der Landtagsabgeordneten Gisela Sengl (Grüne) in Seebruck. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse. Neben Bürgermeister Bernd Ruth und einigen Gemeinderäten waren auch über 50 Seebrucker gekommen. Hauptthema des Abends war die marode Alzbrücke.


Mehrere Varianten für die Brückensanierung waren bisher ins Spiel gebracht worden (wir berichteten mehrfach), doch sie seien bis auf eine vom Tisch, bestätigte Bürgermeister Ruth – auch die Variante des ehemaligen Bürgermeisters Glück, die Brücke in unmittelbarer Nachbarschaft zur alten Brücke zu errichten und dann fertig an den alten Standort zu verschieben.

Anzeige

Laut aktuellen Planungen soll es deshalb zukünftig zwei Brücken geben: eine Rad- und Fußgängerbrücke an Stelle der jetzigen Brücke, und eine zweite für den PKW- und LKW-Verkehr direkt daneben. Doch die Gemeinde lehne diese Variante ab, weil sie zu monströs sei, so Bürgermeister Ruth.

Kritik gab es bei der Veranstaltung auch an der derzeitigen Praxis, den Verkehr über Truchtlaching umzuleiten. Es dürfe nicht sein, dass Seebruck das Problem nur weiter verlagere, betonte ein Bürger. »Unser Ziel muss sein, den Verkehr großräumig auf die Autobahnen und Bundesstraßen umzulenken«, fand auch die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl. »Hierfür bräuchte es aber eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.«

Viel Beifall erhielt ihr Vorschlag, die Bürgermeister der Chiemsee-Gemeinden sollten eine Allianz gründen, um den Schwerlast-Verkehr am Chiemsee zu begrenzen. »Unter der Verkehrsbelastung durch den Schwerlastverkehr leiden alle Chiemsee-Gemeinden, und zur Reduzierung des PKW-Verkehrs muss dringend der ÖPNV ausgebaut und auch an touristische Bedürfnisse angepasst werden«, so Sengl. Nur ein gemeinsames Vorgehen und eine bürgernahe Suche nach Lösungsansätzen würden etwas an der Situation verändern.

Ein Grundstückseigentümer an der Brücke sagte, dass es früher Planungen gegeben habe, bei denen die neue Brücke neben der alten Brücke gebaut werden sollte. Nach Fertigstellung der neuen Brücke sollte sie an den gleichen Standort wie die alte Brücke geschoben werden. Damit wären die Grundstückeigentümer damals prinzipiell, bei entsprechender Entschädigung, einverstanden gewesen. Er könne nicht verstehen, warum dieses Verfahren jetzt auf einmal nicht mehr möglich sein soll.

Bernd Ruth betonte, er als Bürgermeister müsse er stets im Sinne aller Gemeindebürger handeln. Dass es dabei Betroffene gebe, sei ihm durchaus klar. Ein Besucher vermisste die mangelnde Solidarisierung aller Seebrucker untereinander. »Bisher gibt es keine organisierte Gruppierung, die sich überparteilich mit dem Thema Brücke beschäftigt«, betonte er.

Gisela Sengl schlug vor, gemeinsam Druck aufzubauen und miteinander nach Lösungen zu suchen. »Seebruck könnte durch die 40-Tonner-Brücke den Status als Luftkurort verlieren«, betonte Sengl. Und das wolle sicher niemand. fb