weather-image
20°

Seebrucker stellen sich gegen Brücken-Pläne

2.9
2.9
Seebrucker stellen sich gegen Brücken-Pläne
Bildtext einblenden
Die Sprecher des Bürgerforums (von links) Hannelore Ebeling, Hans Heistracher und Toni Mayer haben etwa 70 Anträge zur Aufnahme in den UVA zur Sondersitzung mitgebracht. Foto: Richter

Seeon-Seebruck – Sieben Bürgerinitiativen gab es bisher unter der Federführung des Umweltschutzverbands Alztal (UVA). Nun kam eine achte Initiative dazu: das Bürgerforum. Es kämpft gegen die Entlastungsspange, die in Seebruck zusätzlich zur bestehenden Alzbrücke entstehen soll.


Und diese Bürgerinitiative hat einen Start hingelegt wie keine der UVA-Initiativen bisher, bekräftigt Vorstandsmitglied Gisa Pauli. In der Sondersitzung in Trostberg haben die UVA-Mitglieder nicht nur Toni Mayer zum Sprecher, Hans Heistracher zum zweiten Sprecher und Hannelore Ebeling zur dritten Sprecherin der neuen Initiative gewählt, die drei haben außerdem knapp 70 Anträge auf eine Mitgliedschaft im UVA mitgebracht. »Das Bürgerforum hat sich übertroffen. So viele Anträge auf einmal hatten wir bisher noch nicht«, bekräftigt Pauli. Mit den neuen Anträgen habe der UVA die 500-Mitglieder-Marke erreicht.

Anzeige

Der Seebrucker Toni Mayer sagte dem Traunsteiner Tagblatt, dass das Bürgerforum in den vergangenen Wochen ein Eigenleben entwickelt habe. Immer mehr Seebrucker hätten sich der Vereinigung angeschlossen, um deutlich zu machen, dass sie gegen die Brückenpläne von Freistaat und Gemeinde sind.

Und um diese Pläne, um die Forderungen des »Bürgerforums« und ihre Argumente gegen den Bau, ging es auch in der Sondersitzung. Bürgermeister Bernd Ruth und einige Gemeinderatsmitglieder, Kreisräte und später auch Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) waren gekommen, um den Brücken-Gegnern zuzuhören.

Die Brückenpläne blockierten für viele Jahre Bauland, das Seebruck dringend brauche, führte Mayer als Argument ins Feld. »Der Bedarf an Wohnungen ist akut.« Klar sei für ihn auch, »dass der Verkehr dadurch mehr wird«. Zum Argument, dass man mit der Entlastungsspange eine schöne Uferpromenade schaffen könne, sagte er: »Die Uferpromenade ist jetzt schon ein Highlight.« Man sollte damit anfangen, sie instand zu setzen und nicht auf die Entlastungsspange zu warten. Der Straßenverlauf in Form einer S-Kurve wirke derzeit verkehrsberuhigend. Wird die Straße begradigt, werde schneller gefahren und mehr Verkehrsteilnehmer würden den Weg durch Seebruck wählen.

Das Staatliche Bauamt Traunstein hatte in einer Infoveranstaltung Ende Mai die Pläne zu Alzbrücke und Entlastungsspange der Bevölkerung erläutert. Demnach soll die bestehende Brücke so schnell wie möglich hergerichtet werden. In etwa 15 Jahren – so lange dauern die Planungen – könne dann eine Entlastungsspange, eine zweite Brücke, gebaut werden. Diese zweite Brücke würde durch ein FFH-Gebiet verlaufen, der Bau würde viel Natur zerstören.

Ortskern soll verkehrsberuhigt werden

Mayer widerstrebt allerdings auch die Sanierung der Alzbrücke, weniger die Tatsache an sich, sondern das »wie«. Die Brücke werde nur provisorisch hergerichtet. Es seien keine Extra-Spuren für Fahrradfahrer vorgesehen. Stattdessen dürfe sie nach der Sanierung wieder von 40-Tonnern befahren werden – was es für Radfahrer und Fußgänger höchst gefährlich mache.

Mayer und sein Bürgerforum wollen, dass die bestehende Brücke »ordentlich« saniert wird, mit Fußgänger- und Radfahrerspuren. Die Tonnage-Beschränkung solle beibehalten werden. Der Ortskern von Seebruck soll verkehrsberuhigt werden, und ein Verkehrsableitungskonzept auf umliegende Bundesstraßen sollte erstellt werden.

Mehrere Mitglieder des Bürgerforums meldeten sich anschließend zu Wort und sagten, was ihnen besonders wichtig ist. »Man ertüchtigt eine Brücke, die dann nur 15 Jahre lang hält. Das ist doch nicht normal, die Alzbrücke muss gescheit renoviert werden«, hieß es. »Für mich ist es unverständlich, dass Bürgermeister und Gemeinderat den Schwerlastverkehr in den Ort ziehen.

Der Bürgermeister wird in den Geschichtsbüchern als der auftauchen, der den Ort verschandelt hat«, so eine weitere Wortmeldung.

Auf die Antwort Ruths, dass eine sanierte Staatsstraße für 40-Tonner befahrbar sein müsse, sagte jemand: »Sie müssen nicht alles glauben, was ihnen die Regierung sagt.« Einig waren sich die Gegner auch, dass die Planungen der Entlastungsspange »völlig überdimensioniert« seien. »Neuerdings werden Orte in Österreich für den Autoverkehr gesperrt, warum geht das nicht auch in Seebruck?«, hieß es weiter.

»Planung kommt mir sonderbar vor«

Auch Gerd Raepple meldete sich zu Wort. Der Seeoner ist federführend für die siebte Bürgerinitiative des UVA zuständig, er kämpft gegen den Kiesabbau in Seeon. »Mir kommt die gesamte Planung zusammengeschustert und höchst sonderbar vor«, sagte er. Er machte deutlich, dass Kiesabbau und Brückenbau eng zusammenhängen. Schließlich würden zahlreiche Kieslaster durch Seebruck fahren, wenn in Seeon die geplanten Kiesabbauflächen Wirklichkeit werden. Gisela Sengl sagte: »Das Wort Entlastungsspange ist eine beschönende Sache. Wir müssen es schaffen, den Verkehr anders zu leiten.«

Und schließlich sagte auch Pauli, dass es sie freue, dass sich die Seebrucker an den UVA gewandt haben. »Die Hilferufe mehren sich. Nicht nur aus dem Landkreis Traunstein, sondern auch aus Altötting und Rosenheim. Die Politik arbeitet mehr und mehr gegen die Bürger.« An das Bürgerforum gewandt, erklärte sie: »Man darf nicht nur die rosarote Brille aufhaben. Es macht viel Arbeit, für etwas zu kämpfen.« jor