weather-image

Seele erquickendes Labsal

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die vier internationalen Meisterkursdozenten Aiko Mizushima-Komori (Violine), Clemens Weigel (Violoncello), Dietrich Cramer (Viola) und Masaaki Hirasawa (Klavier) erfreuten zum Auftakt eines Kammermusikkurses der Sawallisch-Stiftung mit einem grandiosen Kammerkonzert im Sawallisch-Haus. (Foto: Benekam)

Bei hochsommerlichen Temperaturen wird die Sehnsucht nach Erfrischung immer größer, ob am Wasser oder im Biergarten. Für die Gäste des Kammerkonzerts im Sawallisch-Haus, das anlässlich des dort stattfindenden Kammermusikkurses stattfand, waren drei Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert und Johannes Brahms ein die Seele erquickendes Labsal.


Aiko Mizushima-Komori (Violine), Clemens Weigel (Violoncello), Dietrich Cramer (Viola) und Masaaki Hirasawa (Klavier) lieferten den lebenden Beweis dafür, dass Musik belebt, erfrischt und wirksames Mittel gegen das Sommertief sein kann. Mendelssohns Klaviertrio in d-Moll op. 49 rezensierte Robert Schumann seinerzeit »als Meistertrio der Gegenwart. Eine gar schöne Komposition, die nach Jahren noch Enkel und Urenkel erfreuen wird«. Volltreffer. Wie man im Sawallisch-Haus erleben konnte, erfreut sein 1840 uraufgeführtes Klaviertrio bis heute nachfolgende Generationen.

Anzeige

Der erste Satz ist ein stürmisches Molto Allegro agitato, dessen Thema in sprudelnde Arpeggios des Klaviers gehüllt wird: Ein klar konturiertes Hauptthema, das von romantischer Färbung durchdrungen ist. Andante und Scherzo tragen die für Mendelssohn typischen Charaktere »Lied ohne Worte« und Elfenreigen. Dass die Welt der Waldgeister im Scherzo nicht zur Konvention erstarrt, hängt mit dem quicklebendigen Kontrapunkt zusammen. Der letzte Satz zeigt die Unbefangenheit, mit der Mendelssohn das romantische »Finalproblem« löste.

Im Anschluss kam der Streichtriosatz in B-Dur D 471 von Franz Schubert zu Gehör, der sicherlich zu den reizvollsten Miniaturen in Schuberts Kammermusik gehört. Warum Schubert sein Werk unvollendet ließ, bleibt rätselhaft: An seinen vollständigen ersten Satz, Allegro, schließen sich 39 Takte eines unvollendeten Andantes an. Für die Zuhörer aber wirkte der Triosatz gar nicht unvollendet, denn sie dankten den großartigen Musikern für die ausdruckstarke Interpretation mit jubelndem Applaus.

Drittes und damit letztes Werk des Kammerkonzerts war das Quartett in g-Moll op. 25 von Johannes Brahms. In seinem viersätzigen Werk brachte er seine Liebe zur ungarischen Zigeunermusik zum Klingen: Von dem »Zingarese-Charakter« des Finales ausgehend, lassen sich auch die ersten drei Sätze des Werkes deuten. Als Brahms 1861 seinem ungarischen Freund Joseph Joachim die Partitur seines g-Moll-Klavierquartetts mit dem Rondo alla Zingarese übersandte, gestand der Magyar dem Hanseaten neidlos zu, ihm auf seinem eigenen Territorium »eine ganz tüchtige Schlappe versetzt« zu haben. Riesenapplaus für dieses Werk gab es auch im Sawallisch-Haus. Die jungen Talente, die über die Sawallisch-Stiftung in den Genuss des Unterrichts dieser vier internationalen Meisterkursdozenten kamen, sind wirklich zu beneiden. Kirsten Benekam