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Seeoner »Mozart-Orgel« muss gereinigt werden

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Andrea Wittmann an ihrem »Arbeitsplatz« an der Mozart-Orgel in der Klosterkirche Seeon. (Foto: Benekam)

Nicht der Zahn der Zeit, sondern eher der Staub der Jahrzehnte setzt derzeit der »Mozart-Orgel« in der Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei Seeon zu.


Die 1994 in enger Anlehnung an die Vorgängerorgel aus dem 18. Jahrhundert (von Dieter Schingnitz aus Iffeldorf erbaut) erbaute Kirchenorgel ist also im besten Wortsinn »verstimmt« oder, besser ausgedrückt, entspricht nicht mehr dem Klangerlebnis, wie es sein könnte und sollte. Die Seeoner Kirchenmusikerin Andrea Wittmann weiß, wovon sie spricht. Hat sie doch über die Jahrzehnte zahlreiche Gottesdienste und Konzerte an dieser Orgel gespielt.

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Wie ihre Vorgängerin (1753 von dem Salzburger Orgelbauer Rochus Egedacher gebaut), auf der Mozart selbst zwischen 1766 und 1780 mehrere Male gespielt hat, verfügt die Seeoner »Mozart-Orgel« über 18 klingende Register, verteilt auf ein Manualwerk (12 Register) und ein selbstständiges Pedalwerk (6 Register). Vor 25 Jahren wurde die Disposition der »Mozart-Orgel« auf zwei Manuale verteilt und geringfügig erweitert. Erhaltene Originalpfeifen aus dem 18. Jahrhundert wurden wiederverwendet sowie auch der wunderschöne Orgelprospekt.

Die Orgel wurde in traditionell künstlerisch-handwerklicher Bauweise gefertigt. Fichten- und Eichenholz von Hand gehobelt, Metallpfeifen mit Bleikernen, historische Mensuren und Legierungen, atmende Windversorgung mit Keilbälgen und ungleichstufige Temperierung. Nach inzwischen 25 Jahren hat sich viel Staub und Schmutz angesammelt, von dem die Orgel jetzt wieder befreit werden muss. Kein unerheblicher Aufwand, weiß Wittmann, denn es müssen sämtliche Pfeifen ausgebaut werden, um das Orgelinnere und die Pfeifen selbst gründlich reinigen zu können.

Nach dieser Prozedur muss die Orgel wieder intoniert und gestimmt werden. So ist mit Kosten von über 15 000 Euro zu rechnen. Die Pfarrei hofft nun auf Spenden. Anlässlich des Rotary Treffens München-Schwabing, Wien-Süd und Bozen fand bereits ein Auftaktkonzert mit Kirchenmusikerin Andrea Wittmann und Tochter Viviana Wittmann (Klarinette und Saxofon) statt. Die imposanten Orgelklänge klangen wohl in den Ohren eines Laien so gar nicht »unsauber«, was nichts an der Tatsache ändert, dass die anstehende professionelle Reinigung finanziert werden muss. Der Rotary Club München war zu einer Spende von 500 Euro bereit, wobei der Präsident Bülent Tulay aus eigener Tasche noch einmal denselben Wert als Spende bereitstellte. Außerdem wurden weitere Spenden seitens Rotary zugesichert.

Die Besucher des Benefizkonzerts – Andrea und Viviana Wittmann verzichteten zugunsten der Orgelreinigung auf Gagen – bekamen in Kurzform einen Vortrag über die Historie der ehemaligen Klosterkirche und durften sich über wunderschöne Kirchenmusik freuen: Ein Gregorianischer Choral (Esto mihi) von Andrea Wittmann in hingebungsvollem Gesang dargeboten, die triumphale Fanfare in D-Dur von Nicolas Jaques Lemmens (Orgel), Mozarts berühmtes Adagio aus dem Klarinettenkonzert KV 622 (Orgel und Klarinette), das Ave Maria von Giulo Caccini, zu dem sich Wittmann selbst an der Orgel begleitete, eine Aria für Saxofon und Orgel sowie die Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565 von Johann Sebastian Bach. Für die schönen Gesten und Klänge zum Erhalt eines in jeder Hinsicht belebenden Kircheninstruments spendeten die Zuhörer begeisterten Applaus.

Die Pfarrei freut sich über jeden Spendeneingang auf das Konto Kirchenstiftung Seeon Zweck »Orgel« bei der Raiba Seeon: IBAN DE 74 7016 9165 0000 1413 99. Wer bei der Überweisung seine Adresse angibt, erhält eine Spendenquittung. Kirsten Benekam