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Beim Gesprächstermin in der Werkstatt in Fisching stehen (von links) Leonhard Mader, sein Sohn Andreas und Elmar Schwarz hinter einem fast fertiggestellten Tempestboot für einen französischen Geschäftsmann. (Fotos: Oberkandler).
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Das ganze Firmengelände der Mader-Werft vollgestellt mit Finn-Dinghy-Booten für die Olympischen Segelwettbewerbe 1972 in der Kieler Förde. 70 Boote wurden geliefert, Segler aus 35 Nationen bestritten damit die Regatten um Gold, Silber und Bronze.

Segelboote aus Waging bei Olympia 1972

Die Mader-Werft in Fisching bei Waging war eng in die Olympischen Sommerspiele 1972 eingebunden. Sie hat sich zu einem Unternehmen entwickelt, das weltweit mit führend im Bau von Segelbooten für den Rennsport ist. Die Bootswerft Mader baute Boote für Olympiasieger und Weltmeister. Der Familienbetrieb wird heute von Leonhard Mader (72) und dessen Sohn Andreas (50) geführt. An dem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt nahm auch Elmar Schwarz teil, der von Kindheit an ein enger Freund der Familie Mader ist und viele Jahre Vorsitzender des Waginger Segelclubs war.


Um die hundert Weltmeisterschaften und Olympiamedaillen haben Boote aus Fisching gewonnen. Die genaue Zahl sei schwer zu ermitteln, sagt Andreas Mader. Das liegt an einem Hackerangriff, bei dem der Firma im Jahr 2016 alle Computerdaten gestohlen bzw. zerstört wurden. Und damit auch das über lange Zeit aufgebaute digitale Archiv.

Ehefrau Monika Mader durchforstete stundenlang die Unterlagen und lieferte das Ergebnis ihrer Recherchen per E-Mail: »Mit unseren Booten wurden bis jetzt bei Olympischen Spielen 8 x Gold, 7 x Silber und 8 x Bronzemedaillen gewonnen; davon 1972 bei den Olympischen Spielen 2 x Gold, 1 x Silber und 1 x Bronze in den Klassen Finn Dinghy und Tempest.« Außerdem, so schreibt sie, haben Mader-Boote in den Klassen Flying Dutchman, Star, Tempest und Yngling rund 100 Weltmeisterschaften gewonnen.

Aber bleiben wir zunächst bei den Sommerspielen 1972, bei denen die Olympischen Segelregatten in der Kieler Förde ausgetragen wurden. Neben Firmen aus den Niederlanden und Großbritannien bewarben sich die Maders darum, die Finn-Dinghy-Boote für die Rennen liefern zu dürfen. Eine Kommission begutachtete die Bewerber und erteilte den Wagingern schließlich den Zuschlag: 70 Boote zu je 8000 Mark – ein Großauftrag, von dem man zuvor nur hatte träumen können. Doch der vermeintliche Glücksfall erwies sich zumindest in finanzieller Hinsicht schon bald als Flop. Als schon fast die Hälfte der Boote so gut wie fertig war, nahmen die Auftraggeber Änderungen an ihren ursprünglich vorgegebenen Plänen vor. Die Mitarbeiter in der Fischinger Werft setzten diese Änderungen in wochenlanger Arbeit um; auf den Mehrkosten blieb man sitzen.

Aber für das Ansehen der Firma war der Auftrag nützlich. Das schlug sich zwar zunächst nicht in zusätzlichen Aufträgen nieder, zahlte sich aber vier Jahre später bei den Spielen in Montreal aus. Für die dortigen Segelwettbewerbe im Atlantik vor Kingston segelten alle Teilnehmer der Tempest-Klasse mit Mader-Booten. Einzig der große Favorit aus England kam mit seinem eigenen Boot, landete auf einem der letzten Plätze und zündete sein Sportgerät nach dem Zieldurchgang der letzten Wettfahrt auf offenem Wasser an: Ein ungewöhnliches Begräbnis für ein Boot – der Engländer war von Beruf Leichenbestatter.

»Mader ist die weltweit erfolgreichste Werft, was Titel bei Welt-, Europa- und nationalen Meisterschaften betrifft«, berichtet Elmar Schwarz, der schon beim Bau der Boote für Olympia 72 in der Werkstatt als Ferienarbeiter mitgeholfen hatte. Er berichtet auch über das traurige Ende vieler Finn Dinghys für die Spiele in der Kieler Förde: 70 Stück wurden auftragsgemäß geliefert, aber nur 35 Teams aus ebenso vielen Nationen nahmen vom 29. August bis 8. September 1972 an den Regatten in dieser Bootsklasse teil. Ein Jahr später war Schwarz, noch heute ein leidenschaftlicher Segler, in Kiel und im dortigen Olympia-Segelzentrum Schilksee. Zahlreiche Boote aus Waging seien da noch herumgestanden und dieser Zustand änderte sich auch in den kommenden Jahren kaum. »Man hätte sie Vereinen für die Jugendarbeit zur Verfügung stellen können«, ärgert sich Schwarz und kritisiert, wie Verband und Organisatoren hier vorgegangen sind.

20 Mitarbeiter bauten Boote für die Spiele

Ausgerechnet in der Zeit, als der Großauftrag für die Spiele 72 an Land gezogen wurde, war der heutige Leonhard Mader bei der Bundeswehr und fehlte seinem gleichnamigen Vater (1926 - 2003) als Arbeitskraft. Die Werft war aber schon damals mit rund 20 Mitarbeitern gut aufgestellt und lieferte die Boote termingerecht. Der Senior hatte die Schreinerei 1952 gegründet und baute 1956 den ersten formverleimten Flying Dutchman. 1960 fertigte man den ersten Korsar, rund 3800 Boote dieser Klasse folgten bis heute.

Zu dieser Zeit begann auch die Revolutionierung des Bootsbaus durch Kunststoff. Kevlar, Carbonfasern, Epoxyharz und andere neue Werkstoffe. In Fisching ging man mit der Zeit. Man baute ab 1962 die Flying Dutchman und zwei Jahre später die Korsare aus Kunststoff. Über die Rolle der Mader-Werft bei den Spielen 72 und 76 haben wir gerade berichtet. Weitere Meilensteine waren im Jahr 1977 der Gewinn der Weltmeisterschaft bei den Starbooten in Kiel und bei den Olympischen Spielen 1980 in Tallin der Gewinn der Gold- und Silbermedaille auf Mader-Starbooten sowie die Bronzemedaille bei den Flying Dutchman. Und so ging es in den folgenden Jahrzehnten ununterbrochen weiter. Neben dem Titelsammeln stand aber in all den Jahren die Leidenschaft im Mittelpunkt, in der Werft in Fisching Boote höchster Qualität zu bauen.

Die Voraussetzungen dafür hatte der Firmengründer geschaffen, der sich schon bald auf den Bootsbau spezialisierte. Sein Sohn lernte ab 1964 als Lehrling bei ihm alle Tricks und Feinheiten. Er besuchte die Berufsschule in Freilassing und wurde jahrgangsbester Schreiner. Sein Gesellenstück war allerdings nichts, das mit dem Bootsbau zusammenhing, sondern ein ganz normales Möbelstück, 1979 legte Leonhard Mader dann die Meisterprüfung als Bootsbauer in München bei der Bayerischen Boots- und Schiffsbauerinnung ab.

Sohn Andreas ist sechsmaliger Weltmeister

Sohn Andreas, nebenbei bemerkt sechsmaliger Segel-Weltmeister in der Tempestklasse, lernte von 1989 bis 1992 im elterlichen Betrieb. Der Weg zur Berufsschule war für ihn allerdings deutlich weiter als 25 Jahre zuvor für seinen Vater. Andreas musste 1000 Kilometer weit nach Travemünde fahren, was nur möglich war, weil es Blockunterricht gab. Er beendete seine Ausbildung als Meister im Boots- und Schiffsbau.

Dieses komplexe Berufsfeld berechtigt ihn dazu, sowohl Schreiner als auch Schlosser und Kunststoffverarbeiter ausbilden zu dürfen. Und auch was sein Wissen und Können betrifft, steht er seinem Vater nicht nach. Der Vater war Innungssieger, Andreas Landessieger und 2. Bundessieger. Weil unser Besuch an einem Sonntag stattfand, herrschte Ruhe in der Werkstatt. Zwei große Boote stehen darin, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: ein 50 Jahre altes edles Holzboot aus der Region, das hier gerade restauriert wird und ein Tempestboot aus Kunststoff mit bunt bemaltem Rumpf. Das ist ein Spezialauftrag eines französischen Geschäftsmannes, erzählt Leonhard Mader. Dazu hat er gleich einen Spezialanhänger als Sonderanfertigung bestellt. Auch der wird in Waging gebaut, nämlich bei der Firma Harbeck. Boot und Hänger zusammen kosten etwa 50 000 Euro.

Sowohl Leonhard Mader als auch Elmar Schwarz waren damals bei der Bundeswehr, Mader vor den Spielen, Schwarz während der Wettbewerbe. Und beide hatten als Soldaten die Aufgabe, bei Radrennen für Ordnung zu sorgen. Elmar Schwarz erzählt: »Beim 100-Kilometer-Mannschafts-Zeitfahren musste ich an einer Autobahnbrücke zwischen München und Garmisch aufpassen, dass niemand etwas runter auf die Fahrbahn wirft. Und beim 100-Kilometer-Straßenrennen war ich in Grünwald als Posten eingesetzt.« Und was blieb nachhaltig in Erinnerung?: »Dass es viel zu essen gab.«

Bei allem Ruhm und aller Ehre, welche der Familie Mader und ihren Mitarbeitern zuteil wurden, gab es natürlich auch immer wieder einmal negative Erfahrungen, die man machen musste. Als Beispiel nennt Andreas Mader eine Veranstaltung am Gardasee im Jahr 1996. Da ging es um die Ausschreibung einer neuen Olympischen Bootsklasse für die Spiele 2000 in Australien. 14 Werften beteiligten sich, die besten Segler der Welt waren als Testfahrer angereist. Am Ende siegte eine australische Werft. Während der Testfahrten zog eine englische Werft ihr Boot zurück. Später stellte sich heraus, dass sie zu diesem Zeitpunkt den Auftrag für den Bau der Boote der Australier bekommen hatte. Es war also ein abgekartetes Spiel, bei dem der Sieger schon vorab feststand.

-K.O.-