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Sehnsucht nach Autorität

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WEr ist hier der Chef? Foto: Bernd Thissen Foto: dpa

Sind die Deutschen immer noch oder schon wieder autoritätsgläubig? Oder sind heute starke Persönlichkeiten gefragt, die sich Autoritäten nicht gleich unterwerfen? Solchen Fragen geht eine TV-Dokumentation auf 3sat nach.


Berlin (dpa) - Zu wenig oder zu viel davon ist nicht gut, doch wie viel Autorität ist genau richtig? Die Frage stellt sich insbesondere in der Politik und in der Wirtschaft, aber auch im Alltag. Eine TV-Doku mit dem Titel »Sehnsucht nach Autorität«, die am Donnerstag (14. Dezember, 20.15 Uhr) auf 3sat zu sehen ist, sucht nach Antworten.

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Der Begriff Autorität steht für Einfluss, Würde, Ansehen und wird meist bei Personen in bestimmten Positionen angewendet oder dann, wenn sie für bestimmte Ansichten und Verhaltensweisen offen einstehen. Einer der führenden Denker der Autoritätsforschung, Paul Verhaeghe von der Universität Genf, behauptet im Film, dass Autorität in unserer Gesellschaft »absolut nötig« sei und führt aus: »Autorität dient dazu, die Beziehungen zwischen den Menschen zu regulieren, basierend auf freiwilliger Unterwerfung. Wir folgen freiwillig bestimmten Regeln, weil wir dieselben Überzeugungen teilen, die über allem stehen.«

Hans-Jürgen Abt leitet seinen traditionellen auf Auto-Tuning spezialisierten Familienbetrieb alleine und verkörpert einen Führungsstil, den man fürsorglich-autoritär nennen könnte. Er sitzt im Unternehmen im größten Büro ganz oben und sagt im Film: »Autorität bedeutet klare Ansagen, damit auch genau das umgesetzt wird, was man will«. Die Führungsebene hat vom Schreibtisch aus alles im Blick.

Der Chef instruiert fünf Hauptabteilungsleiter, und die wiederum zwölf Bereichsleiter. Es scheint so, dass diese Art von Führungsstil ankommt - die Mitarbeiter duzen sich und akzeptieren die Anordnungen von oben nach unten. Sie sollen laut Hans-Jürgen Abt »verinnerlichen, dass sie dort nicht arbeiten müssen, sondern dürfen«. Werden die erklärten Geschäftsziele erreicht, winkt am Jahresende ein Bonus.

Autorität können auch Väter, Lehrer oder Professoren nach wie vor Autorität ausstrahlen. Doch der Verfall dieser traditionellen und oft verkrusteten Autoritätsstrukturen wird beschleunigt durch Globalisierung und Digitalisierung. Nahezu jeder kann heutzutage sein Wissen vergrößern und verbreiten - welche Rolle spielen dabei gewohnte Hierarchien oder gegenseitige Kontrolle überhaupt noch?

Der Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg hält Autorität für etwas sehr Wichtiges, »das man nicht schlecht reden sollte« - wenn sie denn legitim sei. Doch wer stellt das fest - und kann jeder der Gemeinschaft noch vertrauen und die ordnende Struktur akzeptieren? Zumal eine aktuelle Krise der Autoritäten und ihrer Akzeptanz offensichtlich ist.

Die Filmautoren Tim Hamelberg und Torsten Berg führen sozialwissenschaftliche Experimente durch und gehen nicht nur unterschiedlichen Organisationsstrukturen nach, sondern auch Autoritätsverhaltensmustern in der Tierwelt, etwa bei Pavianen. Der Neurobiologe Robert Sapolsky meint, dass »eine Hierarchie dafür sorgt, dass Tiere mit Ungleichheiten umgehen können, ohne dass sie gleich in einen Kampf geraten.«

Das wäre den Menschen auch zu wünschen. Doch wie gut ein Arbeitnehmer mit mehr oder weniger Autorität und Verantwortung klarkommt, bleibt eine Frage, die die Autoren nicht beantworten können. Ähnliches gilt für die spannende Frage, ob zu viel Kontrolle die Kreativität ausbremst oder ob es nicht mehr Führungspositionen in Teilzeit geben sollte. Der Wunsch nach neuen Formen von Autorität, die mehr Vertrauen und Sicherheit verheißt, ist verbreitet. Da heißt es dann: einfach ausprobieren.

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