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Seit 60 Jahren Kirchenputzerin

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60 Jahre war Maria Blösl Kirchenputzerin in Unterwössen, jetzt hört sie auf. Pfarrer Martin Straßer überreichte ihr einen Geschenkkorb. (Foto: Flug)

Unterwössen – Ein ungewöhnliches Jubiläum feierten 14 Damen und Pfarrer Martin Straßer an einer großen Tafel im Pfarrheim St. Martin: Maria Blösl verrichtet seit 60 Jahren den Dienst als Kirchenputzerin von St. Martin. Sie ist die stille Vorsitzende der übrigen Mitstreiterinnen.


Pfarrer Martin Straßer ist stolz »auf eine allzeit bestens bereitete Kirche«, wie er sagt. Er weiß, welche Arbeit dahintersteckt: Gerade das vergangene Jahr mit dem Umbau des Gotteshauses habe die Damen gefordert, auch wenn ein Unternehmen die Reinigung des Altarraums übernahm. Manchmal seien sie »wie ein Wirbelwind« in der Kirche. »Die Generalreinigung nach dem jetzigen Umbau habt ihr schnell geschafft. Euch ist es zu danken, dass die Kirche jetzt sauber dasteht.«

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Maria Blösl entschied für sich, mit der Fertigstellung der Kirche kürzer zu treten. Mit ihr hören Maria Hampl nach 16 Jahren und Gisela Kurfer nach 15 Jahren als Kirchenputzerinnen – dazu 36 Jahre in der Kirchenverwaltung und ehemals Leiterin des Frauenbundes – auf. Pfarrer Straßer hielt entgegen, dass die Kirche nicht fertig sei. »So ganz einfach gehen dürft ihr nicht. Es ist eine Ehrung, kein Abschied. Wenn ihr mögt und euch gut fühlt, kommt einfach wieder und seid dabei.«

Maria Blösl wandte sich an ihre Kolleginnen: »Ein bisschen arg war es im letzten Jahr schon. Da war nicht nur die Kirche. Für die Gottesdienste mussten wir das Pfarrheim und das Hallenbad sauber halten. Ich danke herzlich allen, die geholfen haben. Und besonders sage ich euch Dank für die vielen Jahre. Wir waren ein gutes Team und haben nie gestritten.« Für Mathilde Minisini hatte Maria Blösl eine Überraschung. Unter Beifall übergab sie ihr den Kirchenschlüssel, auch Zeichen, dass in ihr die Kirchenputzerinnen eine neue Leiterin haben.

Zwei Kirchenputzerinnen treffen sich jeden Montag, um in der Kirche nach dem Rechten zu sehen. Alle vier Wochen kommen alle zusammen, um die Kirche zu putzen.

Wie sie in das Amt gekommen sei, fragten wir Maria Blösl. Vor 60 Jahren gewann die damalige Leiterin der Kirchenputzerinnen ihre Nichte, eine Klassenkameradin und Freundin von Maria Blösl, für den Kirchendienst. Sie musste einfach, fand Maria Blösl. Sie unterstützte ihre Freundin. Dabei ist das dann 60 Jahre geblieben.

Was vor 60 Jahren anders als heute? Maria Blösl erinnert sich: Damals gab es in der Karwoche immer ein Großreinemachen in der Kirche. Schon am Vorabend erhitzten Helfer das Wasser im Waschkessel vor dem Kirchenportal über dem Holzfeuer. Mit Aschenlauge und Steinsoda wienerten die Kirchenputzerinnen die Pfarrkirche. Maria Blösl erlebte als Kirchenputzerin den großen Anbau an die Pfarrkirche und drei Kirchenrenovierungen. Sie habe nicht nur eine ganze Reihe von Putzfrauen »verschlissen«, wie sie sagt, sondern insgesamt sechs Pfarrer, lacht sie. Anekdoten aus den 60 Jahren Dienst habe sie nicht. Lustig war die Gemeinschaft aber allzeit, vor allem zu Feiern wie den Namenstagen.

In Anerkennung ihrer Verdienste überreichte Pfarrer Martin Straßer den drei scheidenden Damen ein Geschenk. lukk

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