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Berauschendes Klangerlebnis mit dem Armida Quartett in der Traunsteiner Klosterkirche

Sensationelle Hörerlebnisse mit Extravaganz

Mit dem Armida Quartett aus Berlin und einer voll besetzten Klosterkirche starteten die Traunsteiner Sommerkonzerte mit Werken von Mozart, Dvorak und dem ungarischen Komponisten Bela Bartok in ihr drittes Konzert.

Das Armida Quartett erfreute mit kontrastreicher Musik und einem Höchstmaß an Virtuosität beim dritten Konzert des Traunsteiner Musiksommers. (Foto: Benekam)

Die Tatsache, dass dieses Quartett 2012 Gewinner des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD war und zudem auch noch den Publikumspreis mit nach Hause genommen hat, lässt keinen Zweifel an dem grandiosen musikalischen Potenzial, aus dem es schöpft und höchst anspruchsvolle Werke unterschiedlichster Komponisten umsetzt. Voller Elan, miteinander im Fluss sogar oft in synchroner, fast tänzerischer Bewegung während des Musizierens, setzen sich die vier jungen Musiker selbst ein Denkmal.

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Dem Zuhörer gönnten sie mit ihrer Art des Musizierens einen Ohren- wie Augenschmaus und luden ihn mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen ein, am musikalischen Hochgenuss teilzuhaben. Das Streichquartett D-Dur KV 499 von Mozart begrüßte die Konzertbesucher: Heiter-verspielt im Ausdruck verbreitet das viersätzige Werk Frohmut und Lebensfreude. Zwar lässt die Komposition im dritten Satz in ruhigen, getragenen Melodien ansatzweise Schwermut erahnen, aber wer Mozart kennt, der weiß, dass er sich, im Leben wie auch in seiner Musik, nie zu lange ernst nehmen konnte. Im vierten, temporeichen Satz war das Stimmungsbarometer wieder auf heiter.

Ästhetisch anzusehen waren neben dem perfekt aufeinander eingespielten Musizieren auch die akzentuierten Bewegungen der Musiker: Ausladende Bogenführung an den Streichinstrumenten und expressive Bewegungen der Musiker machten die Pflicht zur Kür und nahmen die Zuhörer mit im Rhythmus der variationsreichen Melodien.

Mit einem Werk des ungarischen Komponisten und Musikethnologen Bela Bartok erlebten die Zuhörer im Anschluss mit großer Verblüffung, wie unterschiedlich im Klang und Ausdruck sich die vier Streichinstrumente anhören können. Hatten die beiden Violinen (Martin Funda, Johanna Staemmler), die Viola (Teresa Schwamm) und das Violoncello (Peter-Philipp Staemmler) zuvor heitere Romantik und beruhigende Harmonie versprüht, so zog mit Bartoks Streichquartett Nr. IV in fünf Sätzen eine völlig konträre Stimmung auf.

Schräge Disharmonien lieferten zum zuvor Gehörten ein echtes Kontrastprogramm und waren für den Harmonie-verwöhnten Zuhörer zunächst eine herbe Herausforderung. Einmal eingehört hatte das Werk etwas Sensationelles, Außergewöhnliches, fast sogar Hypnotisierendes: Der zweite Satz beginnt wie ein sich langsam steigernder Wirbelwind in Noten, erzeugt Spannung durch schnelles, dann wieder langsameres Streichen der Saiten.

Im dritten Satz spielt das Cello ein trauriges, fast sorgenvolles Lied, das in kaum vernehmbarem Streichen von Violinen und Viola untermalt einen elegischen Charakter aufweist. Keine leichte Kost – weder für den Zuhörer noch für den Musiker, dem bei diesem Werk ein Höchstmaß von Virtuosität abverlangt wird. Das Armida Quartett meisterte es mit Bravour. Der vierte Satz – Allegretto pizzicato – gewährte den Bögen der Streicher eine Auszeit: Wie Regentropfen hörte sich das rhythmisch aufeinander abgestimmte Zupfen der Saiten an und verlangte mit seinen fast humoresken Klängen den amüsierten Zuhören ein Schmunzeln ab.

Der fünfte und letzte Satz griff das im ersten Satz gehörte Thema in hörbar gesteigerter Intensität auf. Nun, da die Konzertbesucher eingehört waren, schien die schräge Dissonanz gar nicht mehr so disharmonisch, sondern wies eine Sogwirkung auf, der man sich gerne hingab. Ein Hörerlebnis mit Extravaganz und von allergrößter kompositorischer Kreativität.

Nach der Pause kam in ebenso temperament- wie hingebungsvollem Vorspiel Antonin Dvoraks Streichquartett Nr. 14 in as-Dur zu Gehör – ein Labsal für jeden Freund der klassischen Musik. Leider viel zu früh näherte sich das Konzert mit harmonischen Klängen dem Ende zu. Mit einer Zugabe von Mozart verabschiedete sich das Armida Quartett von den restlos begeisterten Konzertbesuchern in der Klosterkirche. Tosender Applaus, kräftiges Füßestampfen und lautstarke Bravorufe ließen keinen Zweifel an der großartigen Leistung des Quartetts, das sich sichtlich wohl gefühlt hat im stilvollen Ambiente der Traunsteiner Klosterkirche. Kirsten Benekam