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Die Kabarettistin Lizzy Aumeier zu Gast in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Sexgöttin am Kontrabass

Sie hat’s einfach drauf. Und damit meine ich nicht die Fettpölsterchen an ihrem Körper, die sie offensiv zur Schau trägt und als bestes Mittel gegen Faltenbildung anpreist. Nein, diese Frau aus der Oberpfalz hat mit ihrer Mischung aus Stand-Up-Comedy, Kabarett und Musikshow wirklich etwas zu bieten.

Lizzy Aumeiers Mischung aus Stand-Up-Comedy, Kabarett und Musikshow begeisterte das Publikum in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Nicht immer ganz jugendfrei, aber immer unterhaltsam. Mit viel Selbstironie, Wortwitz und abgründigem Sex-Appeal haut sie im Geschlechterkampf ordentlich auf den Putz und macht sich über vieles lustig; besonders über die eigene Körperfülle, lautet eines ihrer prägnantesten Zitate doch: »Mein Körper ist mein Kapital«. Aber auch musikalisch hat sie ihren Spaß. Denn ihren geliebten Kontrabass hat die studierte Musikerin und vielfach preisgekrönte Kabarettistin immer dabei, zum Spielen und zum Verwöhnen. So auch kürzlich in der vollbesetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie eine Art »Best of« ihrer bisherigen Solo-Programme präsentierte, begleitet von der Violinistin und Pianistin Svetlana Klimova (»der Russ ist überall«).

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Anfangs ganz in Weiß gehüllt, eröffnete sie die Vorstellung mit der Klage, dass es zwar für Autos eine Rückrufaktion gebe, aber nicht für Ehemänner. Für Männer, die gerne zu ihren Frauen heldenhaft sagen: »Ich tue alles für dich«, aber nie putzen oder den Müll hinuntertragen. Oder ihnen etwas zum Valentinstag schenken. »Aber wir Frauen vergessen nicht – wir archivieren.« Nur logisch also, dass zwei Männer, die das Pech hatten, in der ersten Reihe zu sitzen, die Aufmerksamkeit der Kabarettistin auf sich zogen und mehrmals ins Programm einbezogen wurden. Auf recht humorvolle Weise nahm sie sich auch der Flüchtlinge an, von denen man ja erwarte, dass sie möglichst schnell Deutsch lernen. Aber was, wenn sie dann nach Franken kommen? »Dann sind sie verloren.« Ihr Mann sei auch Flüchtling, sagt die Kabarettistin. »Der kommt aus Leipzig, spricht aber Deutsch.« Und die Deutschen? »Die fahren gern an den Ballermann, saufen dort aus Eimern, bis sie kotzen, und daheim wählen sie dann AfD, weil sich die Ausländer bei uns nicht benehmen können.«

Dazu gab es ein paar politisch unkorrekte Witze: »Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Polen? Der Pole weiß sofort, was dir fehlt«, und eine Anekdote aus ihrer Rekonvaleszenz (sie hatte vor einigen Jahren einen schweren Autounfall), als sie zeitweise im Rollstuhl saß und jemand fragte »Wie schnell fährt das Ding? – 6 Stundenkilometer – Da kannst du ja gleich zu Fuß gehen«. Und wer jetzt glaubt, die (anderen) Frauen hätten nicht ihr Fett abbekommen, täuscht sich. Die wurden von der Kabarettistin u. a. als »verhungerte Blondinen« bezeichnet, diese »veganen Gemüseflitscherl, die Kopfsalat-Smoothies trinken«.

Aufgelockert und aufs Schönste bereichert wurde die Show durch diverse Musikeinlagen, bei denen neben Auszügen aus klassischen Violinkonzerten auch Rock- und Filmmusik zu hören war, von Lizzy Aumeier wie auch Svetlana Klimova so eigenwillig wie virtuos interpretiert. Zum Abschluss erschien dann noch Ehemann Andreas auf der Bühne, um mit seiner Angetrauten ein Tänzchen zu wagen. Und ein Stück des kräftigen Beifalls einzuheimsen. Wolfgang Schweiger