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Shakespeare im Trash-Format

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Patrick Brenner (von links), Svetlana Teterja-Pater und Maximilian Berger führten »Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt« auf. (Foto: Heigl)

Mit dem Stück »Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt« von den Autoren Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield, eröffneten Maximilian Berger und sein Ensemble das neu gegründete Traunsteiner Chiemgau Theater im alten Vereinshaus.


Die hehre Kunst der traditionellen Aufführungsweise von Klassikern der Weltliteratur wurde an diesem Abend vor etwa 250 Besuchern sehr vergnüglich und respektlos durch den Kakao gezogen und der eigene Berufsstand gleich mit dazu. Natürlich nicht zum Vergnügen Aller. Nicht wenigen ging der Klamauk zu weit, wie leere Stühle nach der Pause zeigten. Die drei »Jungen Wilden« auf der Bühne nahmen auf die etwas konservative Bevölkerungsstruktur der Stadt Traunstein und ihrer Umgebung keine Rücksicht, was einerseits mutig, andererseits vielleicht aber auch ein wenig ungeschickt war.

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Zwei Stunden Shakespeare im Trash-Format mag halt nicht jeder. Aber: Wenn Erwartungen enttäuscht werden, setzt man sich automatisch mit der Situation auseinander, diskutiert mit anderen über das Ereignis. Also ist das neue Theater von Maximilian Berger auf alle Fälle erst einmal Gesprächsstoff in der Stadt. Natürlich auch im positiven Sinn, denn was nicht zu übersehen war an diesem Abend, war die quicklebendige Lust am Spiel und die große, mit Talent gesegnete Professionalität der drei Berufsschauspieler.

Der schnelle Wechsel vom guten alten Sprechtheater zur prolligen Sprachkultur faszinierte allemal. Wenn Svetlana Teterja-Pater mit Punk-Schnute »Verpiss dich« schreit und kurz darauf mit feinstem »Theatersprech« der alten Schule den Text deklamiert und zur störrischen Mimin wird, die empört ausruft »Ich will das nicht machen, das hat so viele Wörter!« dann hat das schon eine umwerfende Komik.

Maximilian Berger spielte den Romeo leicht trottelig und machte sich liebeskrank wie er war, so richtig schön zum Deppen. Sein komisches Talent, mit denen er seine vielen Figuren an diesem Abend ausstattete, hat aber einen emotional warmen Kern und man mochte seine Bühnenfiguren durchwegs gut leiden.

Patrick Brenner trat als Experte des umfangreichen Werkes von William Shakespeare mit ernster Miene, braunem Buchhalter-Anzug und dickem Buch bewaffnet auf und bot einen ruhigen Gegenpol zu den im wilden Galopp gespielten Szenen. Er sorgte immer wieder für Lacher im Publikum, denn das Werk des großen Meisters überforderte auch ihn, was lustig mit anzusehen war.

Der erste Teil der Aufführung zog sich dann aber trotzdem ein ganz kleines Bisschen in die Länge. Das ganz große Schauspielfeuerwerk wurde erst nach der Pause gezündet. Eigentlich waren bis zur Pause ja alle Stücke Shakespeares gespielt worden inclusive einiger Sonette, nur eines fehlte noch. Hamlet! Ihm gönnte die so herrlich durchgeknallte Truppe nun den Rest des Abends.

Mit nichts anderem als einem Paravent, hinter dem man sich den ganzen Abend schon flugs verwandelte oder versteckte, einer super Lichttechnik und witzigen Kostümierungen verwandelte sich die Bühne in einen unheimlichen Wald mit den düsteren übelwollenden Gestalten aus den drei Erzählsträngen des sonst abendfüllenden Epos. Und dann kam das Publikum aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus, denn der Hamlet wurde dann noch dreimal aufgeführt, jedes Mal noch schneller, was dann wie aberwitziges schnelles Daumenkino war. Aber das Beste kam zum Schluss: Hamlet rückwärts gespielt und gesprochen. Eine unglaubliche Leistung! Sehr vergnüglich das Alles!

Aus dem Applaus war Anerkennung für die schauspielerische Leistung heraus zu hören, ein wenig Unschlüssigkeit darüber, wie man das Gesehene einordnen soll und die Freude darüber, dass man sich durchaus Hoffnung machen kann auf weitere interessante Darbietungen, auch wenn die Erwartungen an einen Abend mit Shakespeare an diesem Abend bei manch einem nicht erfüllt wurden. Aber genau das macht es spannend! Barbara Heigl