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Shakespeare in Comedy

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Romeo (Maximilian Berger) und Julia (Maria Albu) schaffen das auch ohne Balkon – zum Brüllen komisch. (Foto: Benekam)

Die Besucher der Premiere der wiederaufgenommenen Komödie »Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt« im Kulturhaus Chiemgau sind aus dem Lachen gar nicht mehr herausgekommen. Nicht nur für den großen Shakespeare war die ganze Welt Bühne, auf der ein jeder in seinem Leben seine Rolle zu spielen hat. Ebenso verhält es sich bei den drei spielwütig-leidenschaftlichen Schauspielern Maria Albu, Maximilian Berger und Patrick Brenner, denen ein schauspielerischer Hochseilakt gelang: In nur 120 Minuten brachten sie nicht nur alle 37 Werke des britischen Dramatikers auf die Bühne, sondern übernahmen auch noch sämtliche Rollen.


Es versteht sich von selbst, dass da zum einen kräftig gekürzt, Sinn ergreifend destilliert und vor allem schnell gespielt werden muss. Kostüme und Bühnenbild waren auf ein Minimum beschränkt: In Romeo und Julias Balkonszene ersetzte ein Stuhl den Balkon, Otello wurde in einem Rap abgehandelt, der mit dem Schlussakkord »No woman, no crime« alles auf den Punkt brachte, »Titus Andronicus« wurde in ein Kochstudio verlegt, in dem nach genossener Menschenkopfpastete ein Ratatouille aus den »Lustigen Weibern von Windsor« angekündigt wurde. Bei der genialen Zusammenfassung aller Shakespearekomödien wurde klar, dass diese nicht halb so lustig wie seine Tragödien sind.

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Den kreativen Ideen, Shakespeares Werke aus ihrer Verstaubtheit durch irrwitzige Adaptationen in die Moderne zu neuem Glanz zu verhelfen, waren keine Grenzen gesetzt. »Anpfiff« hieß es, als die drei Mimen als König Lear, König Johann und König Heinrich zu einem verbitterten Machtkampf in einem Fußballspiel nicht um den Pokal, sondern um die Krone antraten. Auch sonst kam die Umsetzung der Shakespeare-Persiflage einem Marathonlauf nah, den die drei Schauspieler mit kindhafter Spielfreude und einem Höchstmaß an Improvisationsfreude, Textsicherheit, ganz ohne Erschöpfungsanzeichen – trotz gleichbleibend hohen Spieltempos – meisterten.

Zwar wurde immer wieder trickreich geschummelt und abgekürzt – Shakespeares 154 Sonette wollten die Schauspieler lieber auf Kärtchen im Publikum verteilen und auch Hamlet hatte »entschieden zu viele Worte« –, aber schlussendlich schafften sie, wenn auch in abstrus abstrahierter Reduktion, verblüffend treffende Stilisierungen.

Trotz großer Gegenwehr der einzig weiblichen Besetzung (Maria Albu), doch abschließend auch noch den Hamlet zu geben (»Schwachheit dein Name ist Weib«, lästerte Patrick Brenner), die in völliger Überreiztheit lieber »Wer bin ich?« spielen wollte, zogen die Darsteller das Shakespeare-Experiment konsequent durch: Hamlets völlig überbewerteter und viel zu emotionsgeladener Monolog wurde übersprungen, Ophelias Schrei wurde von einer Nachwuchsschauspielerin aus dem Publikum erledigt und überhaupt erinnerte das ganze Hamlet-Spektakel eher an die Rocky-Horror-Picture-Show.

»Dabei sein oder nicht dabei sein?«, fragten sich wohl nach kräftigem Applaus die müde gelachten Zuschauer. Für den Lachwilligen, der nicht immer den tiefen Sinn hinter den Worten sucht, heißt es unbedingt anschauen und ausgiebiges Lachmuskeltraining absolvieren. Weitere Spieltermine sind am 15., 16. und 23. Juni, jeweils um 20 Uhr. Kirsten Benekam