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»Sherlock Gnomes«: Neues Gartenzwerg-Abenteuer

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Einige Jahre ist es her, dass die Gartenzwerge Gnomeo und Julia in Shakespeare-Manier durchs Kino wirbelten. Nun leben sie in London, und dort lauert das Verbrechen. Doch Meisterdetektiv »Sherlock Gnomes« eilt zur Rettung. Ob er auch die Zuschauer retten kann?


Berlin (dpa) - Vor sieben Jahren eroberten die animierten Gartenzwerge Gnomeo und Julia nicht nur gegenseitig ihre Herzen, sondern auch die der Kinozuschauer.

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Die Liebesgeschichte frei nach William Shakespeares »Romeo und Julia« war einfach so plastisch animiert und hatte solch anarchisch-schöne Einfälle, dass Kinder wie Erwachsene entzückt waren. Nun legen die Macher um Mit-Produzent Elton John nach: Als Vorlage dient erneut Weltliteratur - diesmal wird Meisterdetektiv »Sherlock Holmes« zu »Sherlock Gnomes« verballhornt; und erneut ist die Animation sehr gut. Doch irgendwie fehlt Teil zwei gerade das, was den ersten Part so unwiderstehlich gemacht hat.

Es war damals die glaubwürdig-bekannte Geschichte von »Gnomeo und Julia«, an die die Zuschauer anknüpfen konnten: In Shakespeares Heimatstadt Stratford-upon-Avon (wo auch sonst) leben die zerstrittenen Nachbarn Mrs. Montague und Mr. Capulet Reihenhaus an Reihenhaus mit ihren nicht minder verfeindeten Gartenzwerg-Kolonien. Doch dann verlieben sich ausgerechnet die Stammhalter der Gartenzwerg-Clans - eben Gnomeo und Julia - und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Die literarische Vorlage ist so hinlänglich bekannt, dass die Macher sich viele kleine Frechheiten und Spielereien erlauben konnten; der rasante Elton-John-Soundtrack tat sein Übriges.

Das gelingt nun mit der Vorlage Sherlock Holmes kaum. Zwar stehen die Keramikfiguren Gnomes und Watson ihren großen Vorbildern von Sir Arthur Conan Doyle in nichts nach - der eine ist so genial-arrogant wie der andere leutselig-tapsig. Doch es geht eben nicht um einen weltbekannten Fall, mit dessen Verästelungen man locker spielen könnte. Stattdessen wird ein hanebüchener Fall konstruiert, an dem sich der Film entlang hangeln muss.

Da darf dann auch Sherlocks Erzfeind Moriarty nicht fehlen, allerdings hier in der albernen Darstellung eines Kuchenhersteller-Maskottchens. Der entführt alle Gartenzwerge Londons und droht mit deren Vernichtung - darunter natürlich auch Gnomeo und Julia samt ihren Familien, denn die Zwergenbesitzer Montague und Capulet - mittlerweile ebenfalls versöhnt - sind gemeinsam nach London gezogen.

Zugegeben, es gibt einige nette Einfälle in dem Film des britischen Regisseurs John Stevenson, der als Co-Regisseur von »Kung Fu Panda« für einen Oscar nominiert war: Die gesamte Geschichte spielt in der Welt der Keramik- und Deko-Figuren, Menschen kommen höchstens mal als Stimmen vor. So lernt man herumfliegende Gargoyles und in Chinatown bedrohliche Winke-Katzen kennen. Alles sehr putzig. Sherlock und Watson liefern sich etliche amüsant-sarkastische Wortduelle. Und dass die Liebe zwischen Gnomeo und Julia mittlerweile ähnlich viele Risse hat wie ein alter Gartenzwerg, und beide an ihrer Beziehung arbeiten müssen, ist ein schöner Schwenk in die Realität. Aber im Ganzen fehlt es der Geschichte an Tiefe. Das Spiel mit der literarischen Vorlage funktioniert hier nicht so recht.

Auch die Musik von Elton John, der über seine Firma Rocket Pictures an der Produktion beteiligt ist, wird diesmal zu sparsam eingesetzt, um dem Film wirklich Drive zu verleihen. So bleibt »Sherlock Gnomes« ein nett gemachtes Animationsabenteuer vor allem für Kinder. Erwachsene, die etwas mehr Hintersinn erhoffen und die vielleicht noch vom ersten Teil begeistert waren, werden diesmal wohl eher enttäuscht sein.

Sherlock Gnomes, USA/Großbritannien 2018, 86 Min., FSK ab 0, von John Stevenson, mit den deutschen Stimmen von David Nathan, Johannes Raspe, Maren Rainer

Sherlock Gnomes