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Shooting the Mafia

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Letizia Battaglia
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Die italienische Fotografin Letizia Battaglia 2007 in der Akademie der Künste in Berlin. Foto: Stephanie Pilick Foto: dpa

Morde, Attentate, Bombenanschläge: Eine mutige Frau zeigt der Welt die Verbrechen der Cosa Nostra. Sie heißt Letizia Battaglia und drückt dafür immer wieder auf den Auslöser ihrer Kamera.


Berlin (dpa) - In Sizilien herrschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Teil bürgerkriegsähnliche Zustände. Zeitweise werden beinahe täglich Menschen auf offener Straße ermordet. Die Verantwortung dafür trägt die Mafiaorganisation Cosa Nostra, deren Killer auf der italienischen Insel für Angst und Schrecken sorgen. Eine Frau wehrt sich - ihre Waffe ist eine einfache Analogkamera.

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Letizia Battaglia, in Palermo geboren, begann in den 1970er Jahren als erste Fotojournalistin, die grausamen Morde im Bild zu dokumentieren. Dadurch machte sie die Verbrechen der Mafia für die ganze Welt sichtbar. Das würdigt die britische Filmemacherin Kim Longinotto in der Dokumentation »Shooting the Mafia«, die am Mittwoch (7. August) um 22.45 Uhr im Ersten zu sehen ist. Der Film widmet sich den wichtigsten Lebensphasen der heute 84-Jährigen und erzählt ihren langen Weg als Emanzipationsgeschichte.

Die Sizilianerin bricht bereits früh mit gesellschaftlichen Konventionen, indem sie sich scheiden lässt und zahlreiche Liebesaffären mit jüngeren Männern beginnt. Das ist ihr erster Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Der zweite folgt, als Battaglia mit 40 die Fotografie entdeckt.

»Die Kamera hat mein Leben verändert. Indem ich sie einsetzte, wurde ich erst eigentlich zu einer Person«, sagt sie in einem der Interviews. Wenig später fährt Battaglia für die kommunistische Tageszeitung »L'Ora« regelmäßig zu den vielen Tatorten, an denen sie erschossene Mafia-Opfer, weinende Witwen und Beerdigungen ablichtet. Den Effekt dieser Fotos steigert die Regisseurin, indem sie zunächst die farbigen Fernsehaufnahmen einblendet und diese dann mit Battaglias Bildern kontrastiert, die die gleiche Szene in grobkörnigem Schwarzweiß darstellen.

Schnell wird auch die Mafia auf die Fotojournalistin aufmerksam und versucht, sie mit Morddrohungen zum Schweigen zu bringen. Doch Battaglia lässt sich nicht einschüchtern. In der Zeit der spektakulären Anti-Mafia-Prozesse geht sie für die Grünen sogar in die Politik.

Der Schwerpunkt der Dokumentation liegt allerdings auf Battaglias Privatleben und ihrer Arbeit als Fotografin. Weil aber auch diesen beiden Themen die ganz großen dramatischen Momente fehlen, greift Kim Longinotto in ihren Film ein weiteres auf - den Kampf zwischen Staat und Cosa Nostra in den Jahren 1986 bis 1996.

Inszeniert wird er anhand von vier Hauptfiguren: Auf der einen Seite die beiden Bosse Salvatore »Totò« Riina und Bernardo Provenzano, die über Jahre unbesiegbar wirken und am Ende doch für den Rest ihres Lebens ins Gefängnis wandern. Auf der anderen Seite die beiden Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die zunächst Hunderte Mafiosi hinter Gitter bringen, kurz darauf aber jeweils einem Bombenanschlag zum Opfer fallen.

Die Regisseurin bedient sich dabei nicht nur des reichlich vorhanden Archivmaterials, sondern greift auch zu Symbolbildern und Ausschnitten aus italienischen Filmen. Auf diese Weise ist eine sehenswerte Dokumentation entstanden, die es trotz der thematischen Breite immer wieder schafft, zu ihrer eindrucksvollen Protagonistin zurückzukehren.

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