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28-jähriger vor Gericht – 400 Euro Geldstrafe

»Sieg Heil«-Rufe am Bahnhof

Freilassing/Laufen – Es war fast drei Uhr morgens, als »Sieg Heil«-Rufe über den Freilassinger Bahnhofsvorplatz hallten. Der Rufer: Ein 28-jähriger Bischofswieser. Der war von einem Begleiter aus diesem Grund geohrfeigt worden und hatte selbst die Polizei gerufen. Zwei Polizeiobermeister machten den inzwischen arbeitslosen Mann darauf aufmerksam, dass diese Grußformel der verbotenen NSDAP strafrechtliche Relevanz habe. Der Bischofswieser allerdings meinte, für ihn spiele das nach 70 Jahren keine Rolle mehr und schrie lautstark noch drei weitere Male »Sieg Heil«.

»Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen« lautete daher der Strafbefehl in Höhe von 1 000 Euro. Der Bischofswieser erhob Einspruch gegen den Strafbefehl, beschränkte den Einspruch jedoch auf die Tagessatzhöhe von 25 Euro. Den Tatbestand bestritt er nicht, erklärte sein Handeln an diesem 24. Juli letzten Jahres einfach mit zu viel Alkohol.

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Sein Einkommen war von der Staatsanwaltschaft geschätzt worden. Inzwischen aber ist der Mann arbeitslos und sitzt auf einem Schuldenberg von etwa 17 000 Euro. Bereits im November 2011 hatte er Privat-Insolvenz anmelden müssen. Im Dezember 2012 war er schon einmal am Laufener Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt worden, damals wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Staatsanwalt Dr. Robert Tischer war bereit, die Tagessatzhöhe aus dem Strafbefehl auf 15 Euro zu mindern, der Regelsatz bei Hartz-IV-Empfängern. Strafrichter Thomas Hippler ging angesichts der Schulden des Mannes auf zehn Euro herunter, sodass nun 400 Euro fällig sind.

»Mei, was soll i no sagn«, bemerkte der 28-Jährige in seinem Schlusswort. Er nahm das Urteil an. Hannes Höfer