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Silber und Bronze für das Berchtesgadener Land

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Stark unterwegs: Johannes Berndl vom RSV Traunstein, Deutscher Vizemeister der U23-Junioren. Fotos: Anzeiger/Bittner
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Geballte heimische Kraft (v.l.): Schirmherr Landrat Georg Grabner, Organisator Alexander Kastenhuber, Andi Ortner und Tom Brengartner
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Flotter Radler: Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp.
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Explosiver Zielsprint mit den U19-Junioren Christian Koch (r.) und Sven Reutter.
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Eindrucksvolle Kulisse kurz vor dem Roßfeld-Ziel mit dem Hohen Göll im Hintergrund.

Berchtesgaden – Die »Rad-Oldies« aus dem Berchtesgadener Land haben es mal wieder fast allen gezeigt: Thomas Brengartner (49) und Andreas Ortner (38) holten bei der Deutschen Bergradmeisterschaft auf das Roßfeld Silber und Bronze in ihren Klassen. Bei Traumwetter legte Alexander Kastenhuber, der Vorsitzende des ausrichtenden Radsportvereins Freilassing, mit einem rund 70-köpfigen Organisationsteam einen Wettkampftag der Extraklasse auf den heißen Asphalt.


Während Skeleton-Pilotin Anja Huber Snowboard-Trainer David Selbach im Markt unter den Augen vieler Gäste und Schaulustiger heiratete, maßen sich Deutschlands beste Bergrad-Sportler mit ihren teuren Rennmaschinen auf einer höchst anspruchsvollen Strecke: Drei bis zu 24 Prozent steile Rampen und 13 Kilometer Strecke insgesamt verlangten den rund 400 Teilnehmern bei Temperaturen um die 30 Grad alles ab. Durchschnittlich betrug die Steigung 9,3 Prozent. Als Veranstalter fungierte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

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»Absolut würdig«

»Das ist einer Bergmeisterschaft absolut würdig«, lobte der Angerer Andi Ortner, auf den als favorisierten Lokalmatador fast alle Augen gerichtet waren. In 41:26 Minuten überzeugte der für den Veranstalter RSV Freilassing startende Ex-Profi dann auch auf der ganzen Linie und sicherte sich mit einer Topvorstellung Elite-Bronze hinter Sebastian Baldauf (41:15/MLP-Team Bergstraße) und Sascha Starker (41:18/SSG Bensheim), die sich einen packenden Zielsprint lieferten. Der zweite heimische Fahrer in dieser Kategorie war Hans Hogger vom RSV Freilassing auf Rang 19.

Um den Hals des unermüdlichen Thomas Brengartner (42:38/RSV Berchtesgadener Land) baumelte am Ende sogar Silber, weil er sich in der Senioren-Kategorie II lediglich Christoph Fuhrbach (42:12) vom RSC Neustadt geschlagen geben musste, der letztlich 26 Sekunden schneller war. Auf Rang 3 sprintete Friedrich Hofmann (42:59) vom Rottaler RSV.

Als Brengartners Puls langsam wieder Normalwerte erreichte, moderierte Zielsprecher Tilmann Rieger die letzten Meter Andi Ortners auf der höchsten Passstraße Deutschlands. Seine Renntaktik ging nicht ganz auf: »Bis zur Mautstelle war das Loch zum Führenden schon zu groß, weil ich unten an den steilen Rampen, heute nicht mithalten konnte«. Ortner verließ sich auf seine hohe Ausdauer, fuhr ein beständig hohes Tempo und konnte zum Ende hin sogar zu den beiden Führenden aufschließen. »Da haben sie mich aber dann gnadenlos abgesprintet, das muss ich neidlos anerkennen. Mit Platz 3 bin ich aber absolut zufrieden«.

Johannes Berndl Vizemeister

In der U23-Konkurrenz konnte ein weiterer heimischer Fahrer überzeugen: Johannes Berndl vom RSV Traunstein. In 40:23 Minuten lag der Youngster am Ende lediglich acht Sekunden hinter dem neuen Deutschen Meister Emanuel Buchmann (rad-net Rose-Team), der in 40:15 die Tagesbestzeit aller Gestarteten hinlegte. Viel Lob erntete der Ravensburger auch von Bundestrainer Ralf Grabsch: »Eine ganz starke Leistung. Er ist verdient Deutscher Bergmeister.« Über Rang 3 freute sich Mario Vogt aus dem Team des Siegers mit bereits 1:49 Minuten Rückstand. Lennard Kämna (41:38) vom LV Brandenburg holte sich den deutlichen Juniorensieg der U 19 vor seinem Teamkollegen Christian Koch (44:10) und dem zeitgleichen Württemberger Sven Reutter. Lennard Kämna, Profi aus Bremen, gewann jüngst auch die Deutsche Zeitfahr-Meisterschaft seiner Altersklasse sowie den EM-Titel in dieser Kategorie am Genfer See.

Der radelnde Rathaus-Chef

Im Jedermann-Bewerb startete auch Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, der den Rennauftakt der Seniorenklassen am Morgen mit einem Pistolenschuss eröffnet hatte: In beeindruckenden 55:23 Minuten landete er auf Rang 23. Platz 1 sicherte sich Thomas Trainer (44:17) von Martins Bike-Shop. Einen deutlichen Damensieg erzielte Martina Höllige vom SV Lauffen in 57:03 Minuten vor den Lokalgrößen Maria Hochfilzer (59:13/WSV Bischofswiesen) und Christina Höller (59:49) vom RSV Freilassing.

Schirmherr Landrat Georg Grabner, strahlte übers ganze Gesicht: »Was für ein herrlicher Tag«. Er war froh, den besten deutschen Bergrad-Sportlern »seinen« Landkreis in einem perfekten Licht präsentieren zu können. Von Minute zu Minute fiel dann auch bei Alex Kastenhuber, Bayern-Rundfahrt-Sieger 1993, die Anspannung ab. In viermonatiger Vorbereitungszeit hatte er mit seinem Vorstandskollegen Gunter Schmiel sowie Arthur Maier als Kernteam am Gelingen der Meisterschaft gearbeitet und viele lange Gespräche geführt.

Noch während sich die Letzten auf der Strecke befanden, wurde der Ruf nach einer Wiederholung der »Deutschen« 2015 am gleichen Ort laut: »Darüber können wir in ein paar Wochen oder Monaten reden. Heute kann und will ich dazu nichts sagen«, so Kastenhuber, selbst 1995 Deutscher Bergmeister.

»Diese Meisterschaft machte ihrem Namen alle Ehre. Großartige Strecke, perfekte Organisation«, lobte BDR-Vizepräsident Günter Schabel die Veranstaltung des RSV Freilassing. Polizei, Freiwillige Feuerwehr, Bauhof und BRK und viele andere sorgten für einen guten Ablauf der Meisterschaft. Bei der Siegerehrung gab es Trophäen, die unter anderem der Markt Berchtesgaden zur Verfügung stellte. Alle Deutschen Meister erhielten schwere Pokale in Form von Rad-Silhouetten, Medaillen, Blumen und Siegerschleppen in Schwarz-Rot-Gold, zu Ehren der Champions wurde die deutsche Hymne gespielt. Internationales Flair verlieh James Wright vom englischen Rad-Club VC Walcot dem Rennen. Im Jedermann-Bewerb wurde er Gesamt-38. Hans-Joachim Bittner