Silbermedaillen-Gewinnerin Tina Lutz aus Holzhausen am Flughafen empfangen

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Die Eltern holten ihre Tochter zusammen mit einer kleinen Delegation vom Münchner Flughafen ab: Rita und Reinhold Lutz feierten mit Tina Lutz ihre Silbermedaille. (Foto: Lutz)

Bergen – Wenn es um olympische Medaillen bei Winterspielen geht, dann sind Sportler aus dem Landkreis Traunstein immer dabei. Bei den Spielen im Sommer ist die Ausbeute bisher bei Null gelegen – das hat sich nun bei Olympia in Tokio dank der Seglerin Tina Lutz aus Holzhausen bei Bergen geändert. »Es war der emotionalste Tag in unserem Leben«, berichtete Lutz nach dem Gewinn der Silbermedaille.


Die 30-Jährige lag vor der letzten Wettfahrt mit ihrer Vorschoterin Susann Beucke vom Norddeutschen Regattaverein auf dem dritten Platz. So war für das Duo vor dem entscheidenden Medal Race sogar Gold in Reichweite. Am Ende wurde es im Yachtgelände von Enoshima der zweite Platz in der 49erFX-Klasse.

»Es ist immer noch so unwirklich und ganz frisch«, erzählte Tina Lutz, die für den Chiemsee Yachtclub startet, nach ihrer Rückkehr aus Tokio. 16 Stunden dauerte der Heimflug. Am Münchner Flughafen nahmen die erfolgreiche Sportlerin dann ihre Eltern Rita und Reinhold Lutz und ihr Verlobter Marco Grasse in Empfang. Auch eine Abordnung der Segler vom CYC war gekommen, um Tina Lutz gebührend zu empfangen.

Dabei sah es zunächst überhaupt nicht nach einer Medaille für Lutz/Beucke aus. »Wir sind nur schwer in die Gänge gekommen, erst unsere Mentaltrainerin Anett Szigeti hat uns aufgebaut und geraten, mutiger zu werden. Zu allem Überfluss wurde ihr Boot noch von den Norwegerinnen gerammt. Der Schaden konnte allerdings über Nacht behoben werden. »Es ist im Laufe der Wettfahrten ein schleichender Prozess entstanden. Wir sind am Start aggressiver geworden und haben uns mehr zugetraut. Dass es eine Medaille werden könnte, wurde erst ganz am Schluss der Rennen klar«, sagte Lutz. So musste das für Montag angesetzte Finale wegen einer Flaute um einen Tag verschoben werden. »Ein großer Nachteil war die Verschiebung nicht. Wichtig war, auf keinen Fall an eine Medaille zu denken, das wollten wir völlig ausblenden«, so die Seglerin, die auch vor den Spielen das Wort Medaille nicht in den Mund nehmen wollte.

Letztendlich brachte das Duo ihr Boot bei der dreizehnten und letzten Wettfahrt über die Ziellinie. Die beiden wussten zunächst nichts über ihre Platzierung. »Erst ein Fotograf hat uns informiert, dass wir Silber haben«, schilderte die 30-Jährige die Situation. Nur die Brasilianerinnen Grael/Kunze setzten sich vor die beiden Deutschen und holten Gold.

Zu verdanken haben die beiden Seglerinnen ihren Erfolg ihrer Hartnäckigkeit, einen eigenen Weg zu gehen. Mit Ian Barker holten sie sich einen erfahrenen Trainer an die Seite, der bei den Spielen 2000 in Sydney Silber in einer 49er Jolle gewonnen hat. Schwedens Biathlon-Cheftrainer Johannes Lukas sorgte mit ausgeklügelten Trainingsplänen für die Fitness der beiden Sportlerinnen. »Es freut mich gewaltig! Das war ein steiniger Weg für die beiden und am Ende ist es eine Medaille geworden. Für mich als Trainer ist es die erste Medaille bei Sommerspielen. Ich habe ihnen geraten, entspannt und mental zu sein«, sagte Johannes Lukas.

Einen Wermutstropfen hatte das Duo Lutz/Beucke dennoch zu verkraften. Die sportliche Führung der deutschen Segler erlaubte den Sportlern wegen der Corona-Pandemie nicht, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. »Das war sehr enttäuschend für mich, davon träume ich, seit ich im Segeln unterwegs bin«, sagte Tina Lutz. Für sie und Susann Beucke wird es nun eine längere Wettkampfpause geben. Geplant ist im November ein Start bei der Weltmeisterschaft im Oman.

SHu