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Silvia Klöde und Libuscha Neuhaus stellen gemeinsam ihre Werke im Kulturhaus Holzapfel aus

Repräsentativ für die künstlerische Verbundenheit der beiden Künstlerinnen war vor allem das Gemälde »Meissner Vase mit kobaltblauen Fischen«, direkt neben der Skulptur aus Porzellan, die auch Mittelpunkt des Gemäldes ist. (Foto: Benekam)

Wie dafür geschaffen zeigte sich das Kulturhaus Holzapfel bei Tacherting für die Vernissage von Silvia Klöde und Libuscha Neuhaus, zu der sich zahlreiche Kunstliebhaber eingefunden hatten. Auch das Motto »Flügelschlag der Erinnerung«, unter dem die ausgestellten Skulpturen und Gemälde bis zum 16. Oktober zu bestaunen sind, hätte nicht treffender gewählt werden können. In besonders reizvollem Ambiente wirkten die ausgestellten Werke in symbiotischem Einklang.


Bevor die kunstbegeisterten Besucher in intensive Betrachtung der ausgestellten Werke versanken, schickte Wilhelm Großmann, Gründungsdirektor des Franz-Marc-Musems in Kochel am See, ein paar einleitende Worte voraus. Dabei ging er nicht nur auf die Vita der beiden Künstlerinnen und ihre Arbeitsweise ein, sondern erläuterte in für jedermann verständlichem Vortrag den tieferen Sinn und den schöpferischen Hintergrund, vor dem ihre Werke geschaffen wurden.

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Die Künstlerinnen kennen und bewundern sich

Das symbiotische Wirken der Werke ist sicherlich auch durch jahrelange Bekanntschaft und gegenseitige Bewunderung der beiden Künstlerinnen erklärbar, zudem sind sie heute nicht weit voneinander entfernt in Dresden und Meißen ansässig. Beide haben zeitgleich in den siebziger Jahren in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen eine Ausbildung absolviert. Die gemeinsamen Wurzeln auf künstlerischem Sektor tragen nun zum ersten Mal in einer gemeinsamen Ausstellung kunstvolle Früchte.

Silvia Klöde arbeitet fast ausschließlich mit Porzellan als Ausgangsmaterial ihrer Skulpturen und ist damit eine der ganz wenigen zeitgenössischen Künstlerinnen im internationalen Kunstbetrieb, die dieses besondere Material anwenden. Anziehend und von bestechender Ästhetik sind ihre Werke nicht nur durch ihre schmeichelnden Formen von Gliedmaßen, weiblicher Brust und Schwanenhälsen, sondern auch durch ihre graziösen Körperstellungen und Haltungen. Sie scheinen allesamt ein Geheimnis in sich zu bergen, dem ihr Betrachter unbedingt auf die Spur kommen möchte. Gen Himmel gerichtete Gesichter, ausdrucksstarke Augen, die einem scheinbar in die Seele schauen wollen, kleine aber wohlgeformte Münder. Fast alle Figuren sind weiblich und oft findet man auf ihnen filigran gezeichnete schneckenförmige Ammoniten, Muscheln und immer wieder einen Fisch, oft als merkwürdig pittoreske Kopfbedeckung.

Ob die »Muschelfrau mit Butt« oder die »Chansonnette«, sie alle strahlen innere Gelassenheit, Ruhe und – durch das nach oben gereckte Kinn – einen an Hochmut grenzenden Stolz aus. Egal aus welchem Blickwinkel gesehen, reizen sie den Betrachter dazu, mit ihnen in intensiven Austausch zu gehen, ihrer ganz eigenen Sprache zu lauschen oder in sich zu gehen, um so die durch sie ausgelöste Emotion hochkommen zu lassen. Genau das ist die Sprache der Kunst.

Die Werke sind in keiner Hinsicht »festgelegt«

Ähnlich verhält es sich mit den Gemälden von Libuscha Neuhaus: satte Farben, intensiver Ausdruck und kraftvolle Formen. Allerdings sucht der Betrachter hier eher die Distanz, damit die »Bildsprache« wirken kann. Die Werke sind in keinerlei Hinsicht »festgelegt«. Mit dem Hintergrund ihrer in der DDR verbrachten Kindheit intendieren ihre Werke eher Befreiung aus Zwangssituationen und Aufschrei gegen Ungerechtigkeit. Ihre Malerei ist durchdrungen von symbiotischen Artefakten, meist religiöser Natur, wie die »Madonna Altötting«.

Außerdem ist die Künstlerin außerordentlich vielseitig: Neben schillernd-schreiender Farbpracht in ihren Stillleben sind in der Ausstellung auch Hinterglasmalerei, Malerei auf Porzellan und ansprechende Landschaftsstimmungen in Tusche auf Papier, wie »Waldeiche bei Dresden« zu sehen.

Besonders große Wirkung entfalten die Werke der beiden Künstlerinnen in ihrer Positionierung zueinander. So scheint das eine im Hintergrund des anderen besonderen Ausdruck zu entwickeln, an Strahlkraft zu gewinnen, sodass sich auf diese Weise wahrscheinlich diese kunstvollen Ausblicke und Eindrücke selbst zu einem Flügelschlag der Erinnerung bei den Besuchern der Ausstellung festsetzten werden. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Oktober immer am Freitag von 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 16 bis 20 Uhr zu sehen. Kirsten Benekam