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Sind die Tage der Güterhalle gezählt?

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Sind die Tage der Güterhalle gezählt? Kann der Landkreis das Grundstück zu einem vernünftigen Preis kaufen, wird an Stelle der Halle ein Jugendwohnheim mit Doppelnutzung als »Boardinghouse« entstehen. (Foto: Hohler)

Traunstein – Sind die Tage der Güterhalle gezählt? Lassen sich die Pläne des Landkreises Traunstein verwirklichen, schaut es ganz danach aus. Denn der Landkreis Traunstein plant an der Stelle ein Jugendwohnheim für Berufsschüler, die aus ganz Bayern kommen und in Traunstein unterrichtet werden.


»Die Idee gibt es schon länger, das Gelände würde sich dafür anbieten«, erklärte dazu auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts Lothar Wagner, geschäftsleitender Beamter des Landkreises Traunstein. »Traunstein ist ja Berufsschulstandort. Dabei kommen die Schüler teilweise aus ganz Bayern. Für ihre Unterbringung ist der Landkreis zuständig.« Teilweise würden die jungen Leute bisher in der Jugendsiedlung in Traunreut, teilweise im Kolpingheim in Teisendorf oder in Pensionen und Gaststätten untergebracht. »Die sind zum Teil ja erst 16, 17, 18 Jahre alt, die müssen wir vernünftig unterbringen.«

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»Güterhalle müsste abgerissen werden«

Deshalb erwäge der Landkreis, die Güterhalle zu kaufen und statt ihrer ein »vier-, fünf- oder sechsstöckiges neues Haus zu bauen« mit 80 bis 120 Zimmern. Da gebe es aber noch Abstimmungsbedarf mit der Bahn. Um das Haus auch in den Zeiten auslasten zu können, in denen keine Berufsschüler es brauchen, beispielsweise in den Ferien, sei man auf die Idee der Doppelnutzung als »Boardinghouse« (»vorübergehendes Zuhause«) gekommen, etwa für Tagesgäste, Geschäftsreisende oder auch Touristen, so Wagner. »Die Güterhalle müsste natürlich abgerissen werden«, bestätige Wagner.

Die Verhandlungen mit der Stadt Traunstein liefen noch. Im Grundsatz sei man sich aber einig: »Der Landkreis möchte es gerne kaufen, die Stadt möchte es verkaufen.« Nur der Preis müsse erst ermittelt werden von einem Planungsbüro, »das aber vom Eisenbahnbundesamt zugelassen sein muss.« Der Wert des Grundstücks hänge nicht zuletzt von der Frage ab, was die Versetzung des Oberleitungsmasten der Bahn kosten werde.

Weder sei die Güterhalle übrigens in dem Bebauungsplangebiet Bahnhofsareal West der Stadt enthalten, noch sei sie ein Denkmal, stellte Wagner klar. »Das war sie nie.« Das Projekt stecke unterm Strich betrachtet noch in den Kinderschuhen. Die Planung werde sicher noch einige Zeit dauern.

Bebauungsplanaufstellung und Urbanes Gebiet

Um das besagte Bebauungsplangebiet Bahnhof West und seine Entwicklung ging es zuvor in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses der Stadt Traunstein. »Uns ist es allen wichtig, dass da möglichst schnell gebaut werden kann«, brachte es Karl Schulz (CSU) auf den Punkt. Immerhin beschloss der Ausschuss – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats in seiner Sitzung am Donnerstag kommender Woche –, einen Bebauungsplan aufzustellen und als Gebietstyp ein Urbanes Gebiet festzusetzen.

Laut Baunutzungsverordnung sind in derartigen Gebieten per Definition »Wohngebäude, Geschäfts- und Bürogebäude, Einzelhandelsbetriebe, Schank- und Speisewirtschaften sowie Betriebe des Beherbergungsgewerbes, sonstige Gewerbebetriebe, Anlagen für Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke zulässig« – auf bis zu sieben Geschoßen.

Folgt auch der Stadtrat dem Beschluss des Planungsausschusses, wird Oberbürgermeister Christian Kegel ermächtigt, das Architekturbüro bgsm München mit der Bauleitplanung zu beauftragen. Auch die vorläufigen Kosten für Gutachten soll das Büro erarbeiten. Die Rechtsanwaltskanzlei Glock Liphart & Partner wird demnach beauftragt, die Verteilung der Kosten (Planungs-, Gutachten- und Anwaltskosten) mit den beteiligten Grundstückseigentümern zu verhandeln. Bestandteil dieser Vereinbarung soll auch die Absicht der Stadt zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums sein, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Planungsbüro muss erst den Wert ermitteln

Laut Verwaltung hat inzwischen auch die Bahn erklärt, auf Grundlage der Planung der Stadt Traunstein sei ein Wertgutachten für das Bieterverfahren einzuholen. Parallel dazu solle der Boden untersucht werden. Das Grundstück könne deshalb voraussichtlich erst zum Jahreswechsel angeboten werden. Mit Blick darauf sagte Bernhard Glaßl von der Stadtverwaltung: »Wir wissen ja noch gar nicht, was kommt da in welcher Höhe, und wir haben das Risiko, dass die endgültigen Eigentumsverhältnisse noch gar nicht bekannt sind.«

Der Ausschuss stimmte letztlich auch dem Vorschlag der Verwaltung zu, dass sowohl das Planungsbüro als auch die notwendigen Gutachter von der Stadt beauftragt werden sollten, um die Planungshoheit und Neutralität unter den Eigentümern darzustellen. coho

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