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»Singendes und klingendes Klassentreffen«

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Die Söhne Traunreuts mit Sängerin Alexandra Sieber feierten ihr 13. klingendes Klassentreffen im Traunreuter k1. (Foto: Benekam)

Nur kein Aberglaube. Aber dennoch zitterten die »Söhne Traunreuts« dem alljährlichen Auftritt in ihrer Heimatstadt, der fest im Jahresprogramm des Traunreuter k1 verankert ist, entgegen: Es sollte der 13. sein.


Wie sich zeigte, stellte sich aber die 13 als Glückszahl heraus, denn zu Corona-Zeiten und bei derzeitig steigenden Infektionszahlen war zu befürchten, dass das heurige »singende und klingende Klassentreffen« dem Virus zum Opfer fällt. Bastian Pusch blinzelte durchs Rampenlicht in den k1-Saal – und da saßen sie alle: Ausverkauft. Natürlich nach der neuen Corona-Sitzordnung. Aber ausverkauft. Offenbar war die Wiedersehensfreude der Traunreuter zu diesen großartigen Musikern, die allesamt von Traunreut aus in ihre Profikarriere gestartet sind, größer als die Angst vor Covid-19.

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»Schön, dass Sie da sind!«, bedankte sich Pusch zu Beginn. Es sei dieser Zeit alles andere als selbstverständlich, dass sich Musikfreunde kommen trauen. Mit dabei war Jazz- und Pop-Sängerin Alexandra Sieber – als »Tochter Traunreuts« und ihre immer noch »kindlich« verspielten »Brüder«: Martin Auer (Trompete), Christoph Zoelch (Saxofon), Bastian Pusch (Klavier), Knud Mensing (Gitarre), Michael Vochezer (Gitarre), Hans Baltin (Bass) und Wolfgang »Woody« Klausner (Schlagzeug). »Frisch gemischt« lautete das Motto, bei dem die Jazz-Musiker Altes und Neues aus ihrem Repertoire verquicken oder »Altes« mal ganz anders servieren wollten.

»Put it where you want it« von »The Crusaders« war dann gleich zum Reinkommen der perfekte Stimmungsmacher, weckte die »funky und groovy« Sinneszellen der Zuhörer, die sich trotz (oder gerade mit) Mund-Nase-Schutz genüsslich auf Jazz einstellten. Famose Saxofon- und Trompeten-Soloeinsätze ließen die Herzen höherschlagen. Mit »I will survive« von Gloria Gaynor gesellte sich Alexandra Sieber dazu: Stimmlich in allen Tonlagen on Top, entspannt und kraftvoll interpretierte sie die Nummer mit genau dem rechten stimmlichen Anstrich – immer »im engen Gespräch« mit den »Brüdern«, die ihr lässig die rhythmischen Bälle zuspielten. Rockiger und flockiger kam im Anschluss »No Roots« von Alice Merton daher.

Und damit man sich beim Mischen mit allzu viel Neuem nicht zu guter Letzt noch vermischt, war es an der Zeit, eine Eigenkomposition der Söhne zu bringen: »Marie’s Blues« von Michael Vochezer ließ die »Söhne« zur Hochform auflaufen. Der Nostalgie noch eins draufgesetzt fügte sich die Soul-Nummer »I can see clearly now« von Johnny Nash trefflich ein, zu der Sieber eine Hawaiianische Gitarre zur Hand nahm und dadurch ein wenig Bluegrass-Stimmung erzeugte.

Leider näherte sich das Konzert, das Corona-bedingt ohne Pause stattfinden musste, viel zu schnell dem Ende zu: Die Soul-Nummer »What’s going on« von Marvin Gaye passt textlich mit ihren gesellschaftskritischen Aspekten erschreckend gut in diese Zeit. Fetzig und voller Temperament servierten die längst erwachsen gewordenen »Kinder Traunreuts« mit »Blame it on the Boogie« (Jackson Five) am Ende ihren Fans zum Abschied eine satte Ladung musikalisch mitreißender Energie: Wegzehrung für das kommende Jahr, vielleicht, nachdem man sich hoffentlich wieder, wie sich Sieber ausdrückte, von der »Neuen Normalität« verabschieden darf.

Nach frenetischem Applaus kam, und auch das hätte textlich kaum besser passen können, »I’ll be there«, ein Hit, der durch den 12-jährigen Michael Jackson zu Weltruhm gelangt ist. In deutscher Übersetzung »Ich werde da sein«, im Duett mit Bastian Pusch, mit viel Schmelz und stimmlicher Brillanz, weckten Alexandra Sieber und ihre Mitmusiker eben diese Hoffnung: Sich in einem Jahr unter weniger belastenden Umständen im k1 wiederzusehen. Kirsten Benekam