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Sir Elton John in Concert

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Sir Elton John bei seinem phantastischen Konzert in Salzburg. (Foto: Kewitsch)

Ich gebe es offen zu. Ich gebe zu, geglaubt zu haben, Elton John, der Old-Star, kommt nach Salzburg, spielt mehr oder weniger lustlos sein Kurzprogramm und zieht dann wie ein Feldherr mit konsequenten Schritten von dannen, ohne sich noch einmal umzusehen. Wie man sich doch täuschen kann.


Es kommt also, um es vorweg zu nehmen, völlig anders. Elton John betritt die Bühne, in edler glitzernder Robe. Das Bühnenbild selbst ist unaufgeregt, zwei Videoleinwände links und rechts, mittig eine große Leinwand, deren Leuchtpunkte die Animation vorantreiben. Insgesamt fünf weitere Musiker betreten die Szenerie, man weiß es nicht, aber irgendwie spürt man: allesamt alte Hasen, Haudegen, mit allen Noten gewaschen. Die vier Ladys vom Chor halten sich dezent im Hintergrund und doch sind sie präsent.

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»Bitch is back« als Auftaktsong lässt keinen Zweifel daran, dass das Tempo gerne auch mal hoch sein darf. Das Motto der Tour ist »Greatest Hits« und es sollte ein wahrer Hitregen werden. »Bennie«und weitere mehr oder weniger bekannte Hits folgen in einem wahrhaft fulminanten Tempo, dass es eine schiere Freude wird. Die Band ist eine Bank, spielfreudig, temperamentvoll, souverän. Die Halle ist fast ausverkauft, das Publikum jedoch wohlerzogen. Nach jeder Nummer stehen zwar alle kurz auf, um sich unmittelbar darauf wieder hinzusetzen.

Sir Elton zieht seine Spur, ab und an moderiert er kurz seine Songs an, um sich dann wieder dem Klavierspiel und dem Gesang hinzugeben. Stichwort Gesang: Elton John seit Jahrzehnten auf der Bühne hat kein Quäntchen an Faszination eingebüßt. Seine Stimme, kraftvoll und voller Volumen, der Umgang mit den Klaviertasten natürlich über jeden Tadel erhaben. Er ist nicht groß, aber doch ein ganz Großer seines Fachs. »Holiday Inn« der Song, den er in einem Hotelzimmer schrieb, gefolgt von der Diana-Hymne »Candle« oder der temporeiche »Rocket Man« oder später der traurig balladige »Sad Song«: man kann es drehen und wenden wie man will: Es hört sich einfach gut an.

Nach gut einer Stunde erhebt sich Sir Elton von seinem Klavierhocker, ohne dabei sichtlich größer zu werden, winkt dem begeisterten Publikum zu und es scheint, als sei es das gewesen. Doch mitnichten, ein Stück jagt weiterhin das andere, die Band treibt ebenso wie der 1947 geborene Elton John weiter nach vorn. Die Musiker sind Profis durch und durch. Der charismatische Nigel Olsson, der auch schon bei Uriah Heep und der Spencer Davis Group tätig war, an den Drums ist ein Sympathieträger ersten Ranges. Mit dabei sind auch John Mahon (Percussion), Kim Bullard (Keyboard), Matt Bissonette (Bass) und Davey Johnstone (Gitarre), stets lächelnd, so souverän wie nur eine seit Jahrzehnten eingespielte Band eben sein kann.

Die Show selbst ist unaufgeregt, die Lichteffekte aber stehen der musikalischen Präzision in nichts nach. So bleibt es kurzweilig bis zum Schluss. Mit »Sorry seems to be the hardest Word«, »Standing« und »Crocodile Rock« ist das Ende noch lange nicht erreicht. »Saturday« und »Your Song« markieren den Schlussakkord eines langen und perfekten Konzertabends. Ein Abend, von dem ich doch tatsächlich dachte, er endet früh und »unspektakulär«. Das Gegenteil war der Fall. Wie man sich doch täuschen kann. Udo Kewitsch,