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Hollywood-Sexskandal

Skandal um Weinstein beschäftigt Oscar-Akademie und Polizei

Mehr als 80 Oscars gingen an Filme, die von Harvey Weinstein mitproduziert wurden. Nach den massiven Vorwürfen gegen den Filmmogul muss die Academy über eines ihrer mächtigsten Mitglieder entscheiden. Und auch die Polizei ermittelt - und das gleich in zwei Städten.

Harvey Weinstein
Der Druck auf Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wird immer größer. Foto: Paul Buck Foto: dpanitf3

Los Angeles (dpa) - Die Sex-Vorwürfe gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein beschäftigen nun auch die Polizei in New York und London sowie die Oscar-Akademie.

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Eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 solle neu aufgerollt werden, sagte eine Sprecherin der New Yorker Polizei der Deutschen Presse-Agentur. Es werde untersucht, ob es zusätzliche Beschwerden und Hinweise zu dem Fall gebe. Einzelheiten wollte die Polizei zunächst nicht nennen.

Auch die Polizei in London erwägt britischen Medien zufolge ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den 80er Jahren, teilte die Polizei in Liverpool mit. Details veröffentlichte die Polizei jedoch zunächst nicht.

Die Oscar-Akademie in Los Angeles hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einer Dringlichkeitssitzung am Samstag über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten werden solle. Das in Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei «widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht», zitierte der «Hollywood Reporter» aus einem Statement der Academy.

Weinstein ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des mächtigsten Verbands der US-Filmindustrie. Seine mit den Miramax-Studios und der Weinstein Company produzierten Filme wurden von der Academy mit insgesamt 81 Oscars ausgezeichnet. Fünf davon gewannen den Oscar als bester Film, für «Shakespeare in Love» gewann Weinstein persönlich den Oscar als bester Produzent. Der US-Frauenverband NOW rief dazu auf, Weinstein die Mitgliedschaft zu entziehen.

Am Mittwoch hatte bereits der britische Filmverband BAFTA Weinsteins Mitgliedschaft ausgesetzt. Das Filmfestival Cannes, wo Weinstein seit Jahren zu den bekanntesten Gästen zählt, zeigte sich in einer Mitteilung «bestürzt» über die Vorwürfe.

Die «New York Times» berichtete unterdessen, dass Mitarbeiter der von Weinstein mitgegründeten Produktionsfirma seit mindestens zwei Jahren von den Vorwürfen gegen den Produzenten wussten. Der Vorstand sei über Einigungen mit drei oder vier Frauen informiert worden, sagte Anwalt David Boies der «New York Times» (Donnerstag) zufolge - er vertrat Weinstein im Jahr 2015. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe erst als «totale Überraschung» bezeichnet.

Die Anschuldigungen scheinen auch innerhalb Weinsteins Familie hohe Wellen zu schlagen. Am Mittwoch wurde die Polizei wegen «häuslicher Unruhe» zum Haus von Weinsteins 22-jähriger Tochter Remy in West Hollywood gerufen, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ihr Vater habe «Suizidgedanken» und sei «depressiv», habe Remy Weinstein der Polizei gesagt, wie das Portal «TMZ.com» unter Berufung auf Strafverfolger berichtete. Seine Ehefrau Georgina Chapman (41) hatte angekündigt, sich von Weinstein zu trennen.

New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance war am Mittwoch bereits unter Druck geraten, weil sein Büro Weinstein 2015 nach Ermittlungen nicht angeklagt hatte. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang eine Tonaufnahme der verdeckten Ermittlungen von 2015. Weinstein ist beim Versuch zu hören, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er sie tags zuvor mutmaßlich begrapscht hatte.

In einem Beitrag des «New Yorker» berichten die italienische Schauspielerin Asia Argento sowie zwei weitere Frauen, dass Weinstein an ihnen Oralsex ausgeübt oder sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Insgesamt hätten 13 Frauen behauptet, zwischen den 90er Jahren und 2015 von ihm sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs geworden zu sein.

Die französische Schauspielerin Léa Seydoux («James Bond 007: Spectre») beschrieb im britischen «Guardian», wie Weinstein in seinem Hotelzimmer auf sie gesprungen sei, um sie zu küssen. «Ich musste mich verteidigen. Er ist so groß und dick, dass ich viel Kraft brauchte, um mich zu widersetzen.» Alle Mädchen hätten Angst vor Weinstein gehabt.

New Yorker

"People" zur Trennung Chapmans

Schilderung von Léa Seydoux im "Guardian"

New York Times

NOW-Mitteilung

BAFTA-Mitteilung

Mitteilung Cannes Film Festival

Das Schweigen der Männer: Machokultur in Hollywood wankt