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Skulpturen aus und fantastische Motive auf Holz

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Die Malerin Elvira Schmidt und der Holzbildhauer Mathias Schneider stellen gemeinsam im Holzknechtmuseum in Ruhpolding aus. Im Bild mit der Skulptur »Vita« und – im Hintergrund – ein fantasievoll bemalter Truhendeckel. (Foto: H. Eder)

Die Malerin Elvira Schmidt und der Holzbildhauer Mathias Schneider stellen bis 30. September gemeinsam im Holzknechtmuseum in Ruhpolding aus.


Gerade in dieser Umgebung, die von der Geschichte der Holzbeschaffung geprägt ist, fügen die beiden Künstler eine schillernde Facette hinzu: Holz bekommt hier durch kreative Malerei und bildhauerisches Können, gepaart mit viel Fantasie, einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter. Die beiden teilen die Leidenschaft am Holz, sagen sie, und das glaubt man ihnen gern, wenn sie einen bei einem Rundgang durch die Ausstellung begleiten und man ihre Begeisterung spürt. Der Titel lautet übrigens »Expedition Hoiz«, »Expedition« deswegen, weil die Ausstellung später auf Wanderschaft gehen soll.

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Der aus Traunwalchen stammende Mathias Schneider arbeitet seit 2009 als selbstständiger Bildhauer; seine Werkstatt hat er in Pertenstein. Schon eine seiner ersten Ausstellungen zeigte er seinerzeit im Holzknechtmuseum. Seither folgten zahlreiche weitere Ausstellungen und Projekte. Seine Arbeiten sind an die klassische, zeitlose Bildhauerei angelehnt.

In der aktuellen Ausstellung im Holzknechtmuseum zeigt er eine reiche Vielfalt an Skulpturen und Motiven. Zu sehen sind unter anderem Szenen, in denen sich kleine, aus Holz geschnitzte Figuren in Abgründe stürzen und waghalsige »Flugversuche« unternehmen, und Wasserwesen sich anschicken, aus Untiefen aufzutauchen. Sein in vielen Jahren künstlerischer Tätigkeit gereiftes Können kommt in diesen ganz unterschiedlichen Arbeiten bestens zum Ausdruck.

Eines der auffallendsten Stücke ist die Skulptur »Vita«, ein Mischwesen aus Mensch und Pflanze, das von der Fantasiewelt des Hieronymus Bosch inspiriert ist. Mit den filigran gearbeiteten Wurzeln, die dieses Wesen sozusagen erden, ist Schneider auch vor der technisch schwierigen Herausforderung nicht zurückgeschreckt, die mit dem Herausarbeiten dieser feinen Holzteile verbunden ist. Drei Büsten in verschiedenen Holzarten zeigen ausdrucksstarke Gesichter. Da ist etwa ein »Deife«, der, aus dunklem Eichenholz gefertigt, den Betrachter nachdenklich anschaut, und auf weiteren Podesten finden sich die Figuren eines Schreibers beziehungsweise eines Denkers, die beide stille Konzentration ausstrahlen.

Der Sensenmann als »Tödlein«

Offenbar hat es dem Künstler Schneider der Tod angetan. Sein kleinformatiges »Tödlein« ist eine eindrucksvolle Studie des Sensenmannes, wie man ihn sich landläufig vorstellt, und nachgerade makaber wirkt eine Personenreihe, in der Menschen – in unterschiedlichen Abständen – dem Tod hinterhergehen, der, mit der Sense in der Hand, ihnen vorausgeht: hin zum letzten Ziel eines jeden Menschen. Weitere Infos auf seinem Blog www.mathiasschneider.wordpress.com.

Elvira Schmidt ist in der Nähe von Amerang zu Hause. Die gelernte Kultur- und Diplom-Sozialpädagogin arbeitet seit 2012 auf Holz(-Fundstücken) und stellt diese in Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Sie malt bewusst auf Holz, das sonst übersehen worden wäre und dem man seine Vergangenheit ansieht. Und man darf staunen, was sie mit archäologischem Spürsinn und Stirnlampe auf dunklen Dachböden und in alten Stadeln so alles gefunden hat. Diese vergessenen und verstaubten Bretter, Truhendeckel, Türen und Möbelteile erweckt sie mit Acrylmalerei, Collage-Elementen und manchmal auch weiteren Fundstücken zu neuem Leben.

Dabei ist das Holz immer Impulsgeber. »Man muss zuvor lange auf das Holz schauen und sich fragen, was es einem sagt«, erklärt Elvira Schmidt ihre Vorgehensweise. Und dann wird ein von Mäusen genagtes Loch zum Auge eines Vogels, aus Maserungen erheben sich plötzlich Gespenster, die wahrscheinlich schon lange im Holz verborgen spukten, Lackreste ergeben eine höfische Frisur, im Holz verbliebene Metallteile werden in die Bildmotive mit einbezogen und erhalten eine ganz neue »Aufgabe«, auf Regalböden zurückgebliebene uralte Zeitungsschnipsel werden aufgepeppt und freudig in die künstlerische Szene mit einbezogen.

Auf einem rustikalen Truhendeckel oder auf alten Schranktüren tummeln sich skurrile oder auch poetisch anmutende Gestalten – Menschen und Tiere, die in ihrer fantasievollen, mit leichter Hand in Acryl gemalter Ausführung an afrikanische Malereien erinnern. Nicht umsonst heißen zwei dieser Bilder »Wimpernschlag«, meint man doch beim Hinschauen unwillkürlich, dass man eine flüchtige Traumszene erblickt hat.

Skurrile Gestalten auf altem Holz

So wird aus fast vergessenem Gerümpel ein wunderbares Wandbild, eine alte Munitionsschachtel wird unversehens zu einer amüsanten »Wolperkiste«, in der sich allerlei seltsame Wesen dieser nur in Bayern bekannten »Tierart« aufhalten. Oder eine Skibindung aus Uromas Zeiten wird zu einem gehörnten Waldtier: Der dazu notierte Kommentar »Was guckst du?!« hat da durchaus seine Berechtigung.

Ein Besuch in dieser Ausstellung lohnt sich. Wer einen Sinn dafür hat, kann dabei im Holz verborgene, bisher unentdeckte Welten entdecken. Ergänzt wird die Ausstellung durch Blätter aus Skizzenbüchern, die seit über 20 Jahren den Fundus der künstlerischen Arbeit von Elvira Schmidt bilden.

Der Besuch der Ausstellung und des Holzknechtmuseums und seines Außengeländes sind ein Erlebnis für Groß und Klein. Der Eintritt ins Museum beinhaltet den Besuch der Sonderausstellung »Expedition Hoiz«. Die Öffnungszeiten des Museums sind von Mai bis Oktober von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Vom 18. Juli bis 5. September ist auch montags geöffnet. he