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»Skulpturen und Strukturen« bei »Kunst im Amt«

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Herbert Stahl (links), der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein, führte in das Werk von Franz Xaver Angerer (Mitte) ein. Die Arbeiten des Künstlers aus Hammer sind in den kommenden Monaten im Traunsteiner Landratsamt zu sehen, worüber sich Hausherr Landrat Siegi Walch (rechts) in seinen Begrüßungsworten sehr freute. Rechts und im Hintergrund sind einige der Arbeiten Angerers zu sehen. (Foto: Huber)

Werke des Hammerer Künstlers Franz Xaver Angerer sind bei der zweiten Ausstellung »Kunst im Amt« bis zum 2. Dezember in den Treppenhäusern und Gängen des Landratsamtes Traunstein zu sehen.


Mit diesem Angebot wolle man Kunst auch Menschen näher bringen, die sonst eher nicht in eine Kunstausstellung gehen würden, sagte Landrat Siegi Walch bei der Vernissage im Casino des Landratsamts in seinen Begrüßungsworten. Walch kennt den Künstler schon seit seiner Kindheit und meinte: »In Angerers Werken kommt sein Charakter heraus, er hat uns etwas zu sagen.« Gerade in seinen Skulpturen spüre man die Kraft – auch die ungezügelte –, die in seinen Arbeiten stecke. Das Künstlerische und Handwerkliche gehe bei Angerer eine eindrucksvolle Symbiose ein, sein bevorzugter Werkstoff Holz bei den Skulpturen passe gut zu unserer Region.

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Herbert Stahl, der Vorsitzende des Kunstvereins Traunstein, sagte in der Einführung in das Werk des Künstlers, dass man in seinen Arbeiten die Auseinandersetzung mit Raum und Zeit, das Wechselspiel von Innen und Außen erkennen könne. Er ging auf den Werdegang des Künstlers ein, der 1953 in Hammer geboren wurde und zunächst eine Lehre als Maschinenbauer absolviert hat. Schon damals entstanden seine ersten Materialbilder.

Ab 1985 fand eine intensive Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk Thomas Bernhards statt. 1986 nahm er an der internationalen Sommerakademie in Salzburg mit dem Schwerpunkt Bronzeguss teil. Seit 1988 ist er als freischaffender Künstler tätig. Er lebt und arbeitet in Inzell und betreibt seine Atelier Galerie »Kunstgetriebe« in Hammer.

Der Redner stellte heraus, dass von Anfang an Angerers enge Verbundenheit zur Natur sein künstlerisches Schaffen bestimmte. Natürliche Materialien, allen voran das Holz, wurden zu seinen bevorzugten Arbeitsmitteln. Sein Großvater und Onkel waren Holzknechte, sein Vater arbeitete ebenfalls zeitweise im Wald und Franz Angerer war als Jugendlicher oft mit dabei, woraus sich wohl seine große Vorliebe zum Material Holz ergeben habe. Die großen Skulpturen »Feldzeichen« im Eingangsbereich zum unteren Halbgeschoss sind nach den Worten des Kunstvereinsvorsitzenden markante Beispiele dafür, dass Strukturen eine besondere Rolle in seinen Skulpturen spielen.

Viele der Arbeiten von Franz Angerer seien von längs oder quer verlaufenden Strukturen bestimmt. Die Inspiration für diese Struktur komme von uralten Handwerkszeugen, den Haarbrechteln, Haarriffeln, die zur Flachsernte verwendet wurden. Mit ihnen habe Franz Angerer als Kind gespielt.

Stahl sagte weiter: »Die gewachsenen Strukturen in der Natur, in einem Holzstamm, den er für eine Skulptur verwendet, in einem Brett, das er für einen Holzschnitt benutzt, bestimmen seine Arbeiten. Er erzeugt die Strukturen durch horizontale und vertikale Gliederung und die Anordnung der einzelnen Teile zu einem System.« Außerdem ging Stahl auf die neuesten druckgrafischen Arbeiten aus den letzten beiden Jahren ein: »Windzeit«, »Watt« und »Segel« seien auffallend filigran und die pastellartige Farbigkeit trage zur Transparenz und Leichtigkeit der Wirkung dieser Holzschnitte bei.

Eine von Angerer speziell erfundene und entwickelte Drucktechnik sind Aquadrucke. Die ausgestellten Blätter im 2. Stockwerksgang gehören zur Serie »Hommage an Galileo Galilei«. Über mehrere Wochen lagert er eingespannte Blätter zwischen geätzten Kupferplatten und ständig rostenden Stahlplatten im Wasser ein; er lässt das Wasser in den flachen Becken auch gefrieren und wieder auftauen. So entstehen im Laufe der Zeit elektro-chemische, physikalische Reaktionen, die sehr eigenwillige Strukturen mit Erdtönen und Reaktionen von Rost und Grünspan auf den Kupferplatten freisetzen. Die dabei sich niederschlagenden Eis-Strukturen treten in einen gestalterischen Dialog zu den von der Natur geschaffenen grafischen Prozessen und den bewusst vom Künstler eingesetzten Tuscheschattierungen.

Außerdem können sich die Besucher im Landratsamt einen guten Eindruck über das fotografische Werk des Hammerer Künstlers verschaffen. Herbert Stahl nannte einerseits dokumentarische Arbeiten zu seinen Skulpturen und andererseits Fotoarbeiten wie »Wasserzeichen« oder die Eisfotografien. Im dritten Stockwerksgang zeigt Franz Angerer auch eine Reihe von Zeichnungen, die er mit sehr feiner Zeichenkohle oder mit Bleistiften angefertigt hat. Sie stammen meist aus seinen frühen Jahren.

Nach der Einführung machte der Künstler mit den Gästen einen Rundgang durch das Haus und erläuterte das Entstehen von einigen der über 80 Werke, die dort bis Dezember besichtigt werden können. Übrigens: Auch das Anfassen der Skulpturen – das Holz wurde geflammt und gewachst, eine uralte Konservierungstechnik – ist ausdrücklich erlaubt. Das galt auch für die kunstvollen Kanapees und Fingerfoods, mit denen die Hauswirtschaftsschülerinnen der Berufsschule II die Besucher der Vernissage verwöhnten. Agnes Huber