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Slomka: Oben macht mehr Spaß - Andreasen-Ausfall

Hannover (dpa) - Ein Kreuzbandriss von Bundesliga-Pechvogel Leon Andreasen hat die Freude bei Hannover 96 über das imponierende 4:1 gegen den 1. FC Nürnberg erheblich getrübt. «Pech, Pech, Pech», haderte Andreasen nach der MRT-Untersuchung.

Spitzenspieler
Hannover ist auch dank des starken Rückkehrers Szabolcs Huszti derzeit oben mit dabei. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

«Es ist gerade so gut gelaufen. Dass richtig was kaputt ist, habe ich schon geahnt. Der Schmerz war schon schlimm», berichtete der dänische Fußball-Profi. Nach einer mehr als zweijährigen Verletzungspause wegen Leistenproblemen muss er nun erneut mehrere Monate aussetzen.

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Andreasen war am Vortag nach zehn Minuten mit schmerzverzerrten Gesicht vom frisch verlegten Rasen gehumpelt. Wenige Tage zuvor hatte die Rock-Band Coldplay ein Konzert im Stadion gegeben. «Vielleicht bin ich auf eine Kante getreten. Es war kein natürliches Gefühl», berichtete der Mittelfeldmann über das Missgeschick. «Diese Diagnose ist schlimm für Leon, der eine ewig lange Verletzungsgeschichte hinter sich hat», sagte Trainer Mirko Slomka. «Aber sie trifft uns auch als Mannschaft hart, weil wir einen richtig starken Spieler ersetzen müssen.»

«Das ist bitter für Leon, aber wie ich ihn kenne, wird er leidenschaftlich für sein Comeback arbeiten», sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. «Ich gucke nach vorne und bin überzeugt davon, dass ich ein zweites Mal zurückkommen kann», betonte Andreasen. Nach einer Untersuchung in Augsburg soll der Operations-Termin festgelegt werden, seine Kollegen wollen am Samstag den dritten Platz im brisanten Nord-Duell beim Hamburger SV ohne ihn verteidigen.

«Wir haben uns oben festgesetzt, da wollen wir auch bleiben», kündigte Offensivspieler Jan Schlaudraff dem einstmals «großen HSV» einen heißen Tanz an. Hannover 96, früher oft als «kleiner HSV» abgestempelt, braucht sich vor keinem Gegner mehr zu verstecken. «Zehn Punkte aus fünf Spielen, mit dem Zwei-Punkte-Schnitt sind wir gut gestartet. Wir haben nur ein Streichergebnis in Hoffenheim dabei», bewertete Slomka den gelungenen Saisonauftakt. «Es macht mehr Spaß, wenn man oben steht.»

Die 96-Profis haben ebenfalls null Bock auf Mittelmaß. Die Mannschaft, die in den Vorjahren als Siebter und Vierter überraschte, entwickelt sich auch dank des überragenden Rückkehrers Szabolcs Huszti zu einem dauerhaften Spitzenteam. Gegen Nürnberg nutzte 96 eiskalt die haarsträubenden Patzer der indisponierten Club-Spieler aus. Bei den Toren von Lars Stindl (21. Minute), Huszti (29.) und Torjäger Didier Ya Konan (52./64.) per Doppelpack leisteten die Gäste vor 36 200 Fans unerwartete Hilfestellung.

Scorerkönig Huszti baute mit seinem dritten Saisontor und sieben Tor-Vorlagen die Führung in dieser speziellen Wertung aus. «Szabi bringt viel Tempo und Kreativität nach vorne. Außerdem kommt durch ihn eine gewisse Unberechenbarkeit in unser Spiel», lobte der 96-Coach den ungarischen Mittelfeld-Regisseur.

Die Nürnberger konnten vom frühen Andreasen-Ausfall nicht profitieren. «Wir haben das als Mannschaft komplett verbockt. 14 Leute, die einen miserablen Tag hatten», bilanzierte Torwart Raphael Schäfer. Nur weil sein Gegenüber Ron-Robert Zieler im 96-Tor einmal patzte, gelang Timothy Chandler (73.) das Gegentor.

Club-Trainer Dieter Hecking hatte sich die Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte ganz anders vorgestellt. «Wir haben drei Geschenke verteilt und waren keine Einheit», sagte er zu dem unerklärlich schwachen Auftritt der Franken nach vier ordentlichen Partien. «Das hat jeder gesehen. Was soll ich sagen, das wäre doch Alibi-Gequatsche», fügte er hinzu. Er bewertete das Spiel in Hannover als Ausrutscher: «Gegen Stuttgart wird eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen.»