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»So etwas hatte ich nicht vermutet«

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Landgericht Traunstein: 23-jähriger Äthiopier muss in die Psychiatrie – Frauen und Kinder sexuell belästigt
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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Traunstein – Der 22 Jahre alte Geschäftsführer einer Internetfirma hatte keine Ahnung, dass einer seiner beiden Partner dem zweiten bei der Beseitigung von dessen toter Mutter geholfen hatte. Das schilderte der Zeuge im Prozess der Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht gegen einen 21-jährigen, der seine Mutter (53) in Altenmarkt ermordet haben soll und mit Hilfe des dritten Geschäftspartners (20) in einem Wald bei Schnaitsee vergraben hatte. Der 20-Jährige hatte vor Gericht seinen Tatbeitrag gestanden und war Anfang Dezember freigesprochen worden (wir berichteten).


Laut Staatsanwalt Markus Andrä soll der Sohn seine Mutter am 15. September 2017 nach einem Biss in den Mund massiv gewürgt und später mit einem Zimmererhammer erschlagen haben. Zwischendurch soll er versucht haben, der 53-Jährigen das Genick zu brechen. Nach den todbringenden Schlägen soll er der Sterbenden eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt haben. Beim Verpacken der Leiche mit Kunststofffolien, beim Transport mit einem Auto und beim Vergraben der Toten nachts im Wald half der 20-jährige Trostberger. Der 21-Jährige meldete seine Mama damals als vermisst. Die Leiche fanden im Wald spielende Kinder zufällig am 22. November 2017.

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Etwa Mitte 2017 hatten die drei jungen Männer ein Internetunternehmen gegründet. Das Studio lief träge an. Seit eineinhalb Jahren entwickelte es sich etwas »produktiver«, wie der 22-Jährige am gestrigen elften Verhandlungstag in der nach wie vor nichtöffentlichen Sitzung informierte. Derzeit sei er Geschäftsführer und habe ein Team von Mitarbeitern aufgebaut: »Der Angeklagte macht natürlich nicht mehr mit.« Der Zeuge hatte den 21-jährigen Geschäftspartner zu Lebzeiten der 53-Jährigen mehrfach zu Hause besucht, war der Mutter dabei selten begegnet. Sie sei »eine nette Frau« gewesen, habe sie einmal zu einem gemeinsamen Urlaub gefahren, habe sie aber auch gelegentlich angeschnauzt. Das Verhältnis des 21-Jährigen zu der Mutter habe »normal« gewirkt: »Dass sich das Verhältnis geändert hätte, ist an mir vorbei gegangen.« Dass die 53-Jährige ab Mitte September 2017 vermisst wurde, habe er aus den Medien erfahren, betonte der Zeuge. Anfangs habe man sich weniger Sorgen gemacht. Auf die Frage, ob die Mutter wieder aufgetaucht sei, habe der Angeklagte lapidar erwidert: »Ich weiß es nicht. Ja, wo bleibt sie denn?« Wie nebenbei habe er erwähnt, sie habe Geld abgehoben und sei damit »abgehauen«. Das Thema sei jedoch schnell »abgehakt« worden, so der junge Geschäftsführer gestern.

In der Zeit zwischen dem Verschwinden der 53-Jährigen und dem Entdecken ihres Leichnams verhielt sich der Sohn »ganz normal«, fuhr der 22-Jährige fort. Vom Bruder des 20-Jährigen habe er gehört, dass die Polizei den Angeklagten abgeholt habe. »Dann kam immer mehr heraus. So etwas hatte ich nicht vermutet. Keiner hatte mir etwas gesagt«, hob der 22-Jährige heraus. Er und seine Umgebung hätten das Geschehen zunächst »nicht wahrhaben wollen«: »Wir dachten, er ist nicht der Typ dazu, so etwas zu machen. Ich war geschockt, als mir der 20-Jährige alles bestätigte. Mit der Zeit hat er mich aufgeklärt.« Wie genau die 53-Jährige zu Tode kam – darüber habe man nicht gesprochen, beteuerte der Geschäftsführer.

Der Vater des mutmaßlichen Täters reagierte nach Worten des 22-Jährigen »kühl und abgeklärt«: »Er sagte, es stimmt schon so … Ja, das hat er gemacht. Er muss ins Gefängnis … Er ist sowohl Opfer, wie er Täter ist. Dafür muss er gerade stehen.«

Der Vater selbst tritt am nächsten Prozesstag, 15. Februar, in den Zeugenstand. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und ein psychiatrischer Sachverständiger kommen am 19. Februar zu Wort. Das Programm für den 20. Februar steht noch nicht fest. Nach aktuellem Stand sind für 22. Februar die Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger sowie das Urteil vorgesehen. kd