weather-image
23°
Berchtesgadener Wasserwacht 99 Mal gefordert – Fortbestand der Ortsgruppe durch Weiterbetrieb der Watzmann-Therme gesichert

So viele Einsätze wie nie zuvor für die Berchtesgadener Wasserretter

Berchtesgaden – Die BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Berchtesgaden war 2017 bei insgesamt 99 Einsätzen gefordert – so viele wie nie zuvor in ihrer Geschichte.

Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer (3.v.r.) und Ortsgruppenvorsitzende Elke Schneider (r.) zeichneten insgesamt zehn langjährige fördernde und aktive Mitglieder aus (v.l.): Dr. Robert Oberpeilsteiner (35 Jahre), Herbert Birkner (20), Silvia Angerer (35), Josephine Schulze (15), Knut Meixner (40), Berni Zauner (30), Mechthild Däuber (45), Christl Wagner (35), Rosi Breu (40) und Richard Auer (45). (Foto: BRK BGL)

Der Großteil davon sind Rettungsboot-Einsätze am Königssee. Grund dafür ist mitunter, dass seit Jahren immer mehr Urlauber den Tourismus-Hotspot besuchen. In Kombination mit schönem Wetter sind die ehrenamtlichen Wasserretter oft mehrmals pro Tag gefordert und mittlerweile organisiert wie ein kleines mittelständisches Unternehmen. Bei der Jahreshauptversammlung blickte die Vorsitzende Elke Schneider, der Technische Leiter Franz Kurz und Jugendleiterin Maria Planegger auf das extrem arbeits-, aber auch abwechslungsreiche Jahr zurück und zeichneten verdiente Mitglieder aus.

Anzeige

Seit Ende des Jahres steht fest: Mit der Watzmann-Therme geht es auch nach 20 Jahren weiter und damit auch mit der Wasserwacht, die monatelang um ihre Zukunft bangte. »Wir freuen uns riesig und können nun gemeinsam dem bayernweiten Trend entgegenwirken, dass der Schwimmunterricht in der Krise ist. Unsere Schwimmkurse sind bis 2020 ausgebucht, und jeden Donnerstag kocht das Wasser in der Therme«, freut sich Schneider. 1 046 Mitglieder gehören aktuell zur Berchtesgadener Wasserwacht, 39 von ihnen sind aktiv im Wasserrettungsdienst tätig, die anderen fördern die Arbeit finanziell.

2017 war von Extremen und Kontrasten geprägt: Eine tödlich abgestürzte, im Königssee treibende Wanderin am 21. April, insgesamt fünf Eiseinbrüche an nur einem Wochenende Ende Januar und Anfang Februar am Königssee und Hintersee und ein Rafting-Unfall am 27. Juli mit acht Mädchen in der hochwasserführenden Ache bei Marktschellenberg – die Nerven der ehrenamtlichen Wasserretter wurden dabei mehr als nur einmal grenzwertig strapaziert. Unwissende Touristen, die die Eigenheiten des Sees nicht kennen können und besserwisserische Einheimische, die trotz aller Warnungen der Retter das Eis nicht verlassen wollten und die Einsatzkräfte schwach anredeten, und ein Outdoor-Veranstalter, der den betroffenen Minderjährigen die Schuld am Unfall zusprach. Damit müssen sich die Ehrenamtlichen beschäftigen.

»Jeder, der in diesen Tagen auf dem Eis war, hat sich und andere in Gefahr gebracht. Wir kamen uns vor wie in einem schlechten amerikanischen Krimi und verstanden die Welt nicht mehr«, erinnert sich Schneider. Auch Polizeichef Willi Handke machte dieselbe Erfahrung, als er persönlich Leute ansprach, die auf dem brüchigen Eis unterwegs waren und sogar per Lautsprecher-Durchsagen vom Hubschrauber aus aufgefordert werden mussten.

Zudem wurde unter anderem die Wasserwacht in einem Leserbrief von einer ruhesuchenden Touristin wegen ihrer Motorbootfahrten bei Einsätzen und Schulungsfahrten am Königssee kritisiert. Der Technische Leiter, Franz Kurz, betont: »Wir sind aber kein Motorboot-Taxi. Jede Fahrt, bei der es nicht um Leben und Tod geht, ist zugleich eine Übungsfahrt für unsere 20 dafür ausgebildeten Einsatzkräfte, die das Boot auch bei Dunkelheit und hohem Wellengang sicher führen und anlegen müssen.« Wenn E-Bikes an Bord sind, dann nicht wie manchmal vermutet für abenteuerlustige Downhill-Fahrer, sondern für die Bergwacht, die damit rascher zum Notfallort im alpinen Gelände gelangt. Schneider fügte hinzu: »Wir haben zum Glück gute Hilfsmittel, die solche Frusterlebnisse völlig kompensieren: Fröhliche Kinder in der Schwimmausbildung und dankbare Patienten.«

Fast die Hunderter-Marke geknackt

Unter den 99 Einsätzen für die ehrenamtlichen Wasserretter des Berchtesgadener Roten Kreuzes waren zehn alarmierte Lebensrettungen, eine Totenbergung, zwei Canyon-Einsätze in Schluchten und Klammen, 83 Bootseinsätze, darunter 28 mit der Bergwacht, 16 mit dem Landrettungsdienst und einer mit der Feuerwehr (Brandmeldealarm in Sankt Bartholomä), 41 medizinische Notfälle, 18 Rettungen aus einer Gefahrenlage, drei Taucheinsätze, drei Sucheinsätze und zehn Einsätze, die vorzeitig abgebrochen werden konnten.

Hinzu kommen mehrere Erstversorgungen, weil die Wasserwacht gerade in der Nähe war oder der reguläre Landrettungsdienst bereits mit allen Fahrzeugen unterwegs war. Aufgrund der vielen internationalen Patienten ist am Boot mittlerweile ein Giro- und Kreditkarten-Lesegerät installiert, um nachträgliche Probleme bei der Abrechnung von Einsätzen zu vermeiden.

Unternehmen mit familiärem Flair

Allein bei den Einsätzen leisteten sie 720 Stunden, darüber hinaus über 2 000 Stunden bei Aus- und Fortbildungen. Bei der Katastrophenschutzübung im Oktober am Königssee mit 30 Verletzten nach einem Felssturz aus der Watzmann-Ostwand in den Eisbach übte die BRK-Wasserwacht ihr Konzept einer eigenen Bootseinsatzleitung. Die Aktiven haben teils mehrere Spezialausbildungen, sind Sanitäter, Ärzte, Wasserretter, Bootsführer, Taucher, Canyon-Retter, Krisenberater oder Einsatzleiter – aktuell werden seit September vier neue Wasserretter ausgebildet.

Die Vorstandschaft führt die Ortsgruppe dabei mit viel Arbeitsaufwand wie ein mittelständisches Unternehmen mit familiärem Klima. Allein die beiden Vorsitzenden Elke Schneider und Gerhard Däuber und die drei Technischen Leiter Franz Kurz, Martin Planegger und Erhard Laube haben 2017 rund 1 600 Stunden geleistet.

Durchschnittlich 80 Kinder im Schwimmtraining

Ohne die Watzmann-Therme ginge nichts mehr, und die Ortsgruppe würde aussterben: Grundlage für die Präventionsarbeit der Wasserwacht gegen den Ertrinkungstod ist das wöchentliche Schwimmtraining am Donnerstag mit durchschnittlich 80 Kindern. Dazu kommt dreimal jährlich ein Schwimmkurs, der bis 2020 ausgebucht ist, die regelmäßige Abnahme diverser Schwimmabzeichen und die Unterstützung der Schulen im Schwimmunterricht, beispielsweise mit der Organisation des Schulschwimmwettbewerbs.

Jugendleiterin Maria Planegger äußerte sich bei ihrem Jahresrückblick stolz über den Wasserwacht-Nachwuchs. »Wir versuchen, den Jugendlichen möglichst viel zu bieten, damit sie der Wasserwacht auch als Erwachsene treu bleiben«, erklärt Planegger. Höhepunkte waren unter anderem Fließwasser-Ausbildungen, Canyon-Übungen im Lattengebirge oder auch ein großes Zeltlager mit den Reichenhallern zusammen am Waginger See.

Aktuell werden acht Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren zum Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst ausgebildet, die Vorstufe zum eigentlichen Wasserretter. Sie werden dabei in Knotenkunde, Erster Hilfe, Sanitätsausbildung mit Wiederbelebung und Frühfefi, Ertrinkungsunfall, Einsatztaktik, Digitalfunk, Grundlagen der Wasserwacht, Basisnotfallnachsorge und psychosozialer Notfallversorgung geschult und legen das Rettungsschwimmabzeichen in Silber ab.

Berchtesgadens Bürgermeister-Stellvertreter Bartl Mittner, Berchtesgadens Polizeichef Willi Handke, Schellenbergs Feuerwehrkommandant Christian Wagner, Michael Brandner von der Königssee-Schifffahrt und Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer lobten die Wasserwacht in ihren Grußworten für ihren ehrenamtlichen Einsatz und die gute Zusammenarbeit. »Dass es mit der Therme weitergeht war nur möglich, da alle fünf Gemeinden an einem Strang gezogen haben«, freut sich Mittner.

Markus Leitner, BRK-Kreisverband BGL