weather-image
29°
Starkbierfest in der Kritischen Akademie: Fastenprediger Hubsi von Sulzbach nahm das Geschehen in der Gemeinde aufs Korn

Soll sich Inzell bis 3042 für die Olympischen Spiele bewerben?

Inzell – Die Fastenpredigt von euer Merkwürden Hubsi von Sulzbach (Gerhard Huber) und die Reise durch Inzell von Moni Schleich waren die humorigen Höhepunkte des ersten überparteilichen Starkbieranstichs in Inzell. Musikalisch umrahmt wurde die gut besuchte Veranstaltung von der Inzeller »Herzbluad Musi« mit Magdalena Buchner, Quirin Scheurl und Martin Wellinger. Inzells Bürgermeister Hans Egger zapfte das frisch gebraute Starkbierfass mit zwei Schlägen an.

Die Fastenpredigt von euer Merkwürden Hubsi von Sulzbach (Gerhard Huber) sorgte für viel Gelächter bei den vielen Gästen in der Kritischen Akademie. (Foto: Wegscheider)

Hubsi von Sulzbach nahm in seiner Fastenpredigt das Gemeindegeschehen aufs Korn. Dabei bewies er immer wieder, dass er nicht nur der bairischen Sprache, sondern auch des Lateinischen mächtig ist. Das bekam als Erstes der aus Inzell stammende Landrat Siggi Walch zu spüren. Ihm attestierte er mit den Worten »qui nescit dissimulare nescit regnare« (»Wer nicht zu heucheln weiß, der weiß auch nicht zu herrschen«), dass er in seinen ersten vier Amtsjahren schon viel gelernt, aber auch erreicht hat. Sein Nichtliebensbrief an die Bundeskanzlerin wegen der vielen Flüchtlinge »hod nix geholfn«. Aber alle seien mit ihm zufrieden gewesen.

Anzeige

Der Landrat und seine Vorzimmerdamen

Nicht zufrieden seien die Dienstwagen mit dem Landrat. Ermahnend schrieb Hubsi von Sulzbach Walch ins Stammbuch, dass solche Autos zum Reisen und nicht zum Rasen gedacht sind. Da sei es lobenswert, dass er »grod mit de Autos so grob umgeht und ned mit seine Vorzimmerdamen«. Um jegliche Gefahr zu bannen, sei deshalb ein neues Vorzimmerdamenstellenprofil für den gesamten Landkreis erforderlich: gebildet, perfekt organisiert, höflich. Die wichtigste Anforderung aber sei, dass sie mindestens 15 Jahre älter ist als ihr Vorgesetzter.

»De gustibus non est disputandum – über Geschmack kann man nicht streiten«, so leitete der Fastenprediger zu den »Inzeller Golan Höhen, die Nordgschwal« über. Er sei da mal durchspaziert, was für Fußgänger sehr angenehm sei, da die Straßen so schmal sind, dass Autos nicht schneller durchkommen als Fußgänger. Auch die Modellvielfalt bei den Häusern sei bemerkenswert. Zum Beispiel das Modell für die Justizvollzugsbeamten mit dem Namen »Berliner Mauer« – ein Grundstück mit drei Meter hoher Betonmauer und Sichtschutz nach allen Seiten außer oben. Oder das Modell »Aquarium«, das rundum verglast ist. Bei, durch den Klimawandel verursachten steigenden Meeresspiegel, schafft das die Möglichkeit, die um das Haus schwimmenden Fische zu sehen.

Erfreulich sei es, dass in der Dorfmitte die Brandruine verschwunden ist. Und für alle, die es nicht wüssten, erklärte der Fastenprediger, was es mit dem davor aufgestellten Steinhaufen auf sich hat. Dies sei die Inzeller Klagemauer, die funktioniert wie in Jerusalem: hinstellen, anschauen und einen Zettel mit seiner Klage hinterlassen. Nur schimpfen und sonstige Geräusche seien verboten.

Der ganze Stolz von Bürgermeister Egger sei das Blockheizkraftwerk an der Max-Aicher-Arena. Da würden ein paar 100 000 Euro im Jahr eingespart und »wenn ma unten gscheid eihoazt, dann machts nix, wenns oben noss eigeht, des verdampft dann aa glei wieder«. Und dazu hatte Hubsi von Sulzbach gleich eine revolutionäre Neuerung parat: Da eine einzige Kuh genauso klimaschädlich sei, wie ein Kleinwagen mit 18 000 gefahrenen Kilometern pro Jahr, schlug er vor, ein Inzeller Kraftwerk mit den Abgasen der Inzeller Kühe zu betreiben. Am Ortseingang könne man dann neben dem »Gentechnikfrei-Plakat« eines mit dem Inhalt »Milchkuhemissionsverwertende Gemeinde« aufhängen. Da wäre Inzell dann wirklich einzigartig.

Olympia in Inzell – wird das noch was?

»Inzell geht immer«, sei die Lösung für Olympische Spiele. Zuerst mit München, dann mit Innsbruck und jetzt mit Graz und Schladming. Inzell ist für jede Olympia-Bewerbung bereit! Um das alles zu vereinfachen, schlug der Fastenprediger vor, dass sich Inzell mit seiner Eisschnelllaufhalle selbst für die Olympischen Spiele von 2030 bis 3042 bewirbt. Wer sich für die anderen Wettbewerbe interessiert, sei dann für Inzell nicht wichtig.

Da es Inzell finanziell wieder besser gehe, dürfe natürlich auch wieder ein bisschen was ausgegeben werden. Am besten für die Feuerwehr ein Sonderfahrzeug ohne Leiter. Denn wenn die Landratsmitarbeiter in ihren Räumen schon baden und grillen dürften, dann möchten die Feuerwehrler natürlich auch einen Entspannungspool mit Biertank, Rüscherlspender und Grillstation in ihren Räumen.

Für das Rathaus schlug er einen weißen Trennstrich vom Eingang bis zu den Amtsstuben vor. Die Angestellten, die zu spät kommen, müssten links davon laufen und die zu früh gehen, rechts davon. So könnten Betriebsunfälle durch Zusammenstoß stark vermindert werden.

Einen Lösungsvorschlag für das Inzeller Biberproblem hatte der Fastenprediger auch parat. Als Vorbild nahm er die Biberfänger an der Elbe, die die Biber fangen und nach Holland exportieren. Nur der Transport sei dort sehr schwierig und umständlich. Dies ginge in Inzell wesentlich einfacher. Die Biber sollen gefangen und in dem unbenutzten Schwimmbad der Sanitas-Klinik eingesperrt werden. Immer dann, wenn ein Holländer dann seinen zehnten Aufenthalt in Inzell feiert, kriegt er statt einem Quadratmeter Inzell einen Biber mit nach Hause.

Wohlfühlatmosphäre im Inzeller Gemeinderat

Anders als im Bundes- und Landtag geht es im Inzeller Gemeinderat zu. Hier herrscht Friede, Freude, Eierkuchen – nahezu jeder Beschluss wird einstimmig verabschiedet. Das beginnt schon bei den Bürgermeisterdienstbesprechungen, wo sich die drei Bürgermeister sowas von einig sind. Da weiß jeder, wie der andere denkt, und das, schon bevor sie zusammenkommen. Dies setze sich im Gemeinderat aus unterschiedlichen Gründen fort. Amelie Gromoll würde nicht mehr – wie in der Vergangenheit – dauernd dagegen stimmen und sich mit dem Bürgermeister anlegen. Dem Fastenprediger sei erzählt worden, dass das daran liege, dass sie sich ein Tablet gekauft habe und damit während der Sitzungen sehr beschäftigt sei. Da das Tablet nur zehn Zoll hat, ist nicht die gesamte Tagesordnung zu sehen, sodass sie mit dem Suchen der Tagesordnungspunkte beschäftigt ist.

Die viel beschäftigte Claudia Doppler mischt den Bürgermeister in den Sitzungen schon ab und zu mal auf – und sei es nur dadurch, dass sie Hans Egger am Ende der Sitzungen aufgeregt fragt: »Also Hans, ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig verstanden habe.« Sie soll sich ein Beispiel an Annette Schneider nehmen: Die sitzt entspannt im Sitzungsstuhl und lächelt so vor sich hin. Dies liege sicher daran, dass sie täglich mit den Alpakas in ihrer Nachbarschaft zu tun hat und die würden ja bekanntlich sehr beruhigend und entspannend wirken.

Mit dem »Zimmermoasta Bäda« sei die New-Age-Generation im Gemeinderat vertreten und wie sich es für solche gehört, ist er ständig online – auch während der Sitzungen. Da wird sekündlich sein Facebook-Bergwachtnotfall-Musik-Urlaubs-Skitouren-Bergradl- Profil gecheckt. Der lange Michi (Kötzinger) und der Willi (Hess) fallen wie Waldorf und Statler von der Muppets-Show auf. Das sind die zwei, die vom Balkon herunter frotzeln. Der eine von oben herab und der andere wechselt auffällig oft in den Schwaben-Badenser-Dialekt, aber nur dann, wenn er gerade nicht verstanden werden will.

Der Ramsei (Stefan Steinbacher), der als einziger für die junge Liste in den Gemeinderat eingezogen ist, sei sofort der CSU-Fraktion beigetreten und wartet mit den Jugendthemen und dem frischen Wind, bis er genug Gemeinderatsjahre auf dem Buckel hat. Der Chef der SPD, der Rieder Sepp, ist nach Angaben »von am gscheerten CSUler« dann am gefährlichsten, wenn er sich mal wieder über sich selbst ärgert. Dann zerreißt es ihn fast. Das verfliegt aber spätestens, wenn er beim Wirt Sascha die »nach 22 Uhr Karte« in den Händen hält und ein schönes Bürgermeistersteak auf Toast mit Schwammerl serviert bekommt. hw