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Sonaten von Beethoven und moderne Klänge

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Das Duo Felix (links) und Simon Nagl bei der Interpretation der beiden Beethoven-Sonaten. (Foto: Janoschka)

Werke des 20. und 21. Jahrhunderts wurden beim Eröffnungskonzert der Ruhpoldinger Konzerttage von den beiden letzten Beethoven-Sonaten für Cello und Klavier umrahmt.


Die ersten drei Sonaten hatten die Brüder Simon und Felix Nagl in vorangegangen Konzertzyklen aufgeführt. Spontan hatten sich die beiden Musiker dazu entschlossen – »weil es spannend ist, Musik aus der Zeit zu spielen, in der wir leben,« wie Pianist Felix Nagl in seiner Moderation sagte – moderne Werke mit in das Programm aufzunehmen. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Cellisten Simon Nagl, erzählte er informativ – fast wie in einem Gesprächskonzert – Wissenswertes über die Werke, die auf dem Programm standen. Und da war durchaus Herausforderndes zu hören, das den Besuchern Offenheit für neue Klänge abverlangte. Im großen Wohnzimmer der Familie Nagl mit großformatigen Bildern ihrer Mutter, der Künstlerin Monika Nagl-E, fand das sprichwörtliche Kammerkonzert statt.

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Die Sonate Nr. 4 in C-Dur für Violoncello und Klavier, op. 102,1 lebt ebenso wie die 5. Sonate in D-Dur, op. 102,2 von der Gleichberechtigung der beiden Instrumente, aber auch vom Gegensatz der Stimmungen von feierlich bis verträumt, von melancholisch bis temperamentvoll-furios. Zärtlich verspielt kommunizieren die beiden Instrumente miteinander, um in den schnellen Passagen spritzig-virtuos zu wetteifern.

Raum – Stille – Ruhe

Der Komponist Tomás Pálka (*1978), Gründungsmitglied des Komponistenverbandes »Konvergence«, lebt mit seiner Familie seit 2012 in Ruhpolding. Aus seinem Zyklus der stillen Kompositionen wählte Felix Nagl »Silent Light« (2012) aus, ein Stück für Klavier solo, dessen Intention von Pálka kurz erklärt wurde: »Meine Themen sind der Raum – das Universum – , die Stille und die Ruhe.« In mehrfacher Wiederholung wanderten die Klänge in unterschiedlichen Intervallen vom tiefsten Ton der Klaviatur langsam hinauf bis zum höchsten Ton, dann ein Pralltriller, ein lauter Akkord, die Ruhe wird unterbrochen, eine Abwärtsbewegung in ähnlicher Art – so stellt der Komponist Pálka den Raum musikalisch dar, von ganz unten, der Erde, bis hinauf zum Himmel, zum Licht, das als kristallen-leuchtend mit den höchsten Tönen charakterisiert wird.

Durch die Anwendung des Pedals setzt sich der Klang ins Unendliche fort. Aber es gibt auch stumpfe Klänge, wenn der Pianist durch den geöffneten Deckel des Flügels die Saiten mit den Fingern dämpft. Die Stille setzt danach früher ein – »Silent Light«, diese beiden Wörter sprechen zwei verschiedene Sinne an, das Ohr und das Auge. »Sehen und Hören, beides gehört zusammen,« erklärt Pálka im Pausengespräch, »auch in der Stille hören wir innere Klänge, oder wir sehen Farben bei geschlossenen Augen.« Die meditative Musik endet damit, dass Felix Nagl das Pedal arretiert und eine Klangschale streicht, so dass der Klang nahtlos auf die Klangschale übergreift.

Das Violoncello nimmt ihn auf und beginnt unvermittelt mit der Suite Nr. 1 in G-Dur für Violoncello von Johann Sebastian Bach, BWV 1007. Das ist Kunst auf höchster Ebene – die Musik in einen neuen künstlerischen Rahmen zu setzen, den bildende Künstler vielleicht »Installation« nennen würden. »Die Stücke sind seelenverwandt. Ich spürte eine Einladung, diese beiden Werke – von Pálka und von Bach – miteinander zu verbinden,« erklärte Felix Nagl.

Simon Nagl bot diese Suite für Cello solo virtuos-tänzerisch dar und arbeitete die jeweilige Besonderheit der Sätze Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Menuett 1/2 und Gigue hervorragend heraus.

Das zweite Werk mit moderner Klangsprache – energetisch geladen und daher als Gegenstück zu Palkas ruhig-meditativem Stück – war »Grave – Metamorphosen für Violoncello und Klavier« von Witold Lutoslawski (1913 bis 1994), der als Wegbereiter der Moderne gilt. Der Name »Metamorphose« bezieht sich auf den Rhythmus und die Tonsprache, die sich einem ständigen Wandel unterziehen. Der Komponist verbindet eine 12-Ton-Reihe in der Cellostimme mit einem freien Klavierpart. Alles steigert sich bis zu einem Kumulationspunkt und löst sich in einer Art Explosion auf – das ruhige Cellosolo des Anfangs beendet auch das Stück.

Das Publikum war begeistert und durfte sich über eine Zugabe freuen: Allegro fugato, der letzte Satz der Sonate Nr. 5 von Ludwig van Beethoven mit seiner kunstvollen Verflechtung der musikalischen Linien und der intellektuellen Virtuosität von Beethovens Musik rief auch bei der Wiederholung Bravorufe und herzlichen Applaus hervor.

Chansons und Gossenlieder am Sonntag

Das nächste Konzert der Ruhpoldinger Konzerttage findet am Sonntag um 20 Uhr im Kulturhaus Nagl an der Hauptstraße 26a statt: Chansons – Gossenlieder – Stimmen aus dem Volk mit Chansons von Kurt Weill und Texten von Bertolt Brecht, aber auch noch einmal mit Klaviermusik der tschechischen Komponisten Tomás und Michaela Pálka. Brigitte Janoschka