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Songs »bunt gemischt« von der Seebühne

Schönau am Königssee – Kein Sitzplatz war mehr frei, als die akustische Coverband »Ragtag« am Freitagabend beim Seefest-Auftakt zu den Instrumenten griff. Und die Berchtesgadener Band, deren Name übersetzt etwa »bunt gemischt« heißt, begeisterte mit ihrer fetzigen Musik bis spät in die Nacht hinein die vielen Besucher rund um die Seebühne an der Seelände.

Starke Gruppe vor dankbarem Publikum: die fünf »Ragtag«-Musiker mit Seefest-Organisator Hannes Schneider (r.). Foto: Anzeiger/Wechslinger

Das Quintett spielt seit sechs Jahren zusammen und ist recht bunt zusammengewürfelt. Daher kommt auch der Name »Ragtag«, weil den Musikern nichts anderes eingefallen ist. Zunächst spielten alle in anderen Bands und fanden durch einen reinen Zufall zusammen.

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Peter Schweiger (Bass), Christoph Reithmeier (Percussion), Thomas Reichenwallner (Gesang), Florian Koll (Gitarre) und Bernd Moderegger (Gitarre) bilden das Ensemble mit seiner nicht weniger »bunt gemischten« Musikausrichtung. Akustik-Coverbands gibt es viele und so nahmen sich »Ragtag« vor, Titel von unbekannteren Bands zu spielen. So haben die Berchtesgadener Musiker Hardrocksongs ebenso im Repertoire wie Rock-'n'-Roll-Titel. Aber natürlich sorgt »Ragtag« auch mit so manchem Gassenhauer für Stimmung.

Weil nicht alle Bandmitglieder in Berchtesgaden ihren Arbeitsplatz haben, gibt es wenig Zeit zum Proben. Und so machen sich die fünf auch etwas rar in der Gegend und treten im Jahr nur zwei- bis viermal in Berchtesgaden und Umgebung auf. Dafür spielt die Band auch regelmäßig im Ausland, so schon viermal in der Schweiz und mehrmals in Österreich.

Bei den Ski-Weltmeisterschaften vor zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen trat »Ragtag« sogar im Deutschen Haus auf. Ein großes Erlebnis für das Quintett war auch das Konzert vor zwei Wochen beim Diskussionstag mit Kardinal Reinhard Marx am Ponnzenzenbichl in Berchtesgaden. Ferner gab es im letzten Jahr zusammen mit der Dürrnberger Bergknappenkapelle ein Benefiz-Konzert, was für die Musiker eine völlig neue Erfahrung bedeutete. Denn anders als bei Freiluftkonzerten, bei denen sich das Publikum in der Regel lautstark vergnügt, war es im Kongresshaus mucksmäuschenstill. »Da kam schon etwas Nervosität auf«, räumt Leadsänger Thomas Reichenwallner ein.

Am Königssee gefiel den Berchtesgadener Musikern die gute Vorbereitung vonseiten der Seefest-Organisatoren. Auf einer Seebühne zu spielen sei ja auch keine Selbstverständlichkeit. Musik-Profis wollen die Bandmitglieder nicht werden, vielmehr gehen all fünf Freizeit-Musiker ordentlichen Berufen nach, vom Anästhesie-Spezialisten über Bautechniker und Schreiner bis hin zum Holzbautechnik-Ingenieur. Freilich würden die fünf »Ragtags« gerne etwas mehr spielen, aber Beruf und Familie machen es nicht möglich.

Das größte Kompliment für die fünf Musiker sind die positiven Rückmeldungen ihrer Fans, die es schätzen, dass das Quintett seine Songs nicht einfach von der Bühne drischt, sondern mit viel Herzblut bei der Sache ist. So war es auch am Freitag, als es viel Applaus für die Coversongs von Chuck Ragan, Creedence Clearwater Revival, Bon Jovi oder Whitesnake gab. Christian Wechslinger