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»Sonne, Mond und Sterne« in der Abtskapelle

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Andrea Wittmann und Daniel Hinterberger verwöhnten mit großartiger Kirchenmusik im Rokoko-Juwel des Klosters Seeon. (Foto: Benekam)

Unter dem Motto »Sonne, Mond und Sterne« füllte nach einer Sommerpause die Kirchenmusikerin Andrea Wittmann (Cembalo, Gesang und Moderation) die Abtskapelle St. Nikolaus im Kultur- und Bildungszentrum Seeon wieder mit anspruchsvoller Kirchenmusik zum Träumen.


Zusammen mit Daniel Hinterberger (Bariton) hatte sie ein kurzweiliges Programm aus Werken von Bach bis Wagner zusammengestellt und einmal mehr bewiesen, wie berührend einfühlsam dargebotene Musik genialer Komponisten an dazu passendem Ort bis heute auf die Menschen wirkt. Hat sich auch seit der Zeit, in der die Werke komponiert wurden, auf unserer Erde vieles grundlegend gewandelt, so blieben doch andere Dinge nahezu unverändert: Zum Beispiel der Stand von Sonne, Mond und Sternen sowie ihre Wirkung auf Mensch und Tier sowie – das war den beseelten Zuhörern in der Abtskapelle deutlich anzumerken – die Wirkung niveauvoller Musik auf die Stimmung des Menschen.

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Wenn auch nicht jeder Mensch für die gleiche Art von Kunst zugänglich sein mag, so sprechen doch die über Jahrhunderte hinweg überlieferte Musik und die Tatsache, dass sie bis zur heutigen Zeit ihre Bewunderer findet, für sich. Nach ein paar Worten zum historischen Hintergrund der 1757 und 1758 neu geschaffenen Abtskapelle eröffneten die beiden Musiker die Sonntagssoiree mit drei Werken von Johann Sebastian Bach: »Du bist bei mir«, »Wohl mir, dass ich Jesum habe« und einem »Ave Maria«, zu dem sich Andrea Wittmann selbst mit eingestelltem Lautenregister des zweimanualigen Cembalo begleitete.

Ein im Anschluss im Duett vorgetragenes »Ave Maria« von Guilo Caccini begeisterte und erzeugte Gänsehautgefühl in der Abtskapelle. Drei Werke von Georg Friedrich Händel, »Ombra mai fu«, »Dank sei dir Herr« und »Verdi prati« fügten sich wunderbar ins Programm ein. Nach einem Werk von Giovanni Battista Pergolesi, »Se tu m’ami, se sospiri« und Tommaso Giordani »Caro mio ben« hatten die Konzertbesucher Zeit, die gehörten, musikalischen Perlen in sich nachwirken zu lassen und die geschichtsträchtigen und kunstvollen Kirchenmalereien und Fresken in der ehemaligen Abtwohnung zu betrachten.

Die inzwischen eingetretene Abenddämmerung ließ nach der Pause Mond und Sterne durch die kleinen Fenster der Kapelle funkeln und lieferte die passende Kulisse für Gustav Mahlers Lied »Liebst du um Schönheit«. Nicht nur das bekannte Lied mit Hinterbergers großartigem Bariton bestach, sondern auch das innig-freundliche Lächeln während des Singens erreichte die Herzen der Konzertbesucher. Ähnlich innig im Ausdruck kam dann Felix Mendelssohn-Bartholdys »Scheidend« zu Gehör. Mit »Ich bete an die Macht der Liebe« von Dimitri Bortnjansky und Josef Gabriel Rheinbergers »Ave Maria« kamen die Zuhörer in den Genuss etwas weniger bekannter Werke, die nicht minder große Begeisterung auslösten.

Viel zu schnell neigte sich die genussvolle musikalische Abendstunde ihrem Ende zu: Das letzte Werk »O du, mein holder Abendstern« von Wilhelm Richard Wagner brachte noch einmal die Spiegel und Goldfresken sowie die Augen der Zuhörer zum Funkeln. Mit einem kräftigen Applaus bedankten sich die Konzertbesucher bei den beiden Musikern, die sich gerne noch zu einer Zugabe überreden ließen. Kirsten Benekam