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»Sorgensteine« für zwei Landtagskandidaten

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Die »Sorgensteine« wurden an die beiden Landtagskandidaten Michael Koller (5.v.l.) und Markus Fröschl (6.v.l.) übergeben. Kreisbäuerin Maria Krammer (2.v.r.) und ihre Stellvertreterin Maria Walch (4.v.l.) hatten die Veranstaltung vorbreitet. Mit dabei auch BBV-Geschäftsführer der Geschäftsstelle Traunstein Matthäus Michlbauer (hinten) und Marktbürgermeister Franz Rasp (3.v.r.). (Foto: Horn)

Berchtesgaden – Wo die regionale Landwirtschaft des Berchtesgadener Landes derzeit der »Schuh am meisten drückt«, das wurde kürzlich bei einem Bäuerinnenfrühstück in der Oberau auf den Tisch gebracht. Die Kreis- und Ortsbäuerinnen des Berchtesgadener Landes tauschten sich dabei mit Kommunalpolitikern und Landtagskandidaten aus.


Kreisbäuerin Maria Krammer und die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Walch luden gemeinsam mit der Bauernverbandsgeschäftsstelle Traunstein in das Berneggerlehen von Walch in die Oberau ein. Die Frauen des Kreisverbandes hatten »Sorgensteine« vorbereitet, die sie den Landtagskandidaten Michael Koller (FWG) aus Berchtesgaden und Markus Fröschl (CSU) aus Trostberg überreichten.

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Neben den beiden Kreisbäuerinnen und den Landtagskandidaten waren Ortsbäuerinnen aus den einzelnen Ortsverbänden des Berchtesgadener Landes, Berchtesgadens Marktbürgermeister Franz Rasp, die dritte Bürgermeisterin der Gemeinde Schönau am Königssee Elisabeth Rasp und Bauernverbandsgeschäftsführer Matthäus Michlbauer gekommen.

Als Erstes wurden die Einschränkungen der regionalen Landwirtschaft durch die neue Düngeverordnung angesprochen. Die Frauen fordern eine Derogation, also eine Vereinfachung und individuelle Anpassung für das Berchtesgadener Land. Durch die Reglementierung, dass pro Kalenderjahr und Hektar nur noch 170 Kilogramm Stickstoff ausgebracht werden dürfen, sehen sie massive Einschränkungen in der Entwicklung der Milchviehbetriebe.

Ihr Vorschlag: mittels Nachweis sollte ein Mehrverbrauch gerechtfertigt werden. Weiters fordern die Bäuerinnen, dass die Technik der Ausbringung auch künftig erhalten bleiben soll. Denn an Steilhängen wie im Bergbauerngebiet des Landkreises die Schleppschlauchtechnik anzuwenden, sei schlichtweg nicht möglich. Sorgenstein Nummer zwei war dem Thema »Alltagskompetenz und Lebensökonomie« gewidmet. Schon seit längerer Zeit wünschen sich die Bäuerinnen, dass dieser Themenkomplex als Schulfach implementiert wird. »Es ist uns wichtig, Kindern und Jugendlichen aufzuzeigen, wo unsere Nahrungsmittel herkommen und ihnen eine gesunde Lebensweise zu vermitteln«, sagte Kreisbäuerin Maria Krammer.

Beispielhaft war dazu die Erzählung einer der Ortsbäuerinnen. Sie berichtete von einem Schulklassenbesuch auf ihrem Hof. »Es waren Kinder der ersten Klasse und als ich ihnen gekochte Eier zum Probieren gegeben habe, haben einige von ihnen nicht gewusst, wie man ein Ei schält und was da drin ist.«

Die Bäuerinnen wünschen sich weiter, dass es für Lehrkräfte zur Pflicht wird, an Lehrerfortbildungen zu diesem Thema teilzunehmen und dass alle Klassen in allen Schularten dieses Schulfach bekommen sollten. »Es wäre auch dringend nötig, die Schulbücher zu überarbeiten. Denn die Landwirtschaft wird hier noch als sehr altbacken und konservativ dargestellt, was mit einer modernen Landwirtschaft von heute wenig zu tun hat«, schiebt die Kreisbäuerin nach.

Das Thema »Wolf« und andere Beutegreifer war ein weiterer Punkt, der diskutiert wurde. Hierzu ist die klare Aussage der Bäuerinnen: »Der Wolf hat bei uns nichts zu suchen.« Der vierte Sorgenstein war mit dem Schriftzug »Förderungen« versehen. Die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Walch unterstrich dazu: »Wir geben den Landtagskandidaten mit, dass sie sich dafür einsetzen, dass die Förderungen in den benachteiligen Gebieten hier bei uns gleich bleiben.«

Es sollte auch Jungbauern durch finanzielle Anreize eine Chance gegeben werden, wenn diese wieder in die Landwirtschaft einsteigen wollen. Durch die neuen EU-Kriterien zur Abgrenzung von benachteiligten Gebieten befürchtet man im Berchtesgadener Land eine Kürzung der Zuwendungen. Maria Horn