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Der Mannschaftsarzt der deutschen Rennrodel-Nationalmannschaft, Dr. Lutz Kistenmacher, beruhigt besorgte Gemüter im Hinblick auf die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Schönau am Königssee – Wer nach Sotschi fährt, kann offensichtlich etwas erleben. Die Region um den Olympiaort dürfte derzeit eine der sichersten Regionen auf der Welt sein. Denn nicht nur wegen der letzten Anschläge in Wolgograd und Pjatigorsk ist Sotschi bewacht wie Fort Knox. Davon konnte sich Dr. Lutz Kistenmacher, der Mannschaftsarzt der deutschen Rodler, persönlich überzeugen.


Die deutsche Rennrodel-Nationalmannschaft erlebte während der internationalen Trainingswoche nach einem totalen Stromausfall tiefe Dunkelheit am Olympiaort. Mit dabei in Sotschi war auch Mannschaftsarzt Dr. Lutz Kistenmacher, der anlässlich des Rodelweltcups am Königssee von interessanten Dingen aus Sotschi berichtete.

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An der Kunsteisbahn sei alles in Ordnung gewesen, weniger jedoch im Mannschaftshotel, in dem noch weitere fünf Nationen abgestiegen waren, erzählte Dr. Kistenmacher. Ein Bagger soll ein Hauptstromkabel durchtrennt haben, woraufhin im ansonsten perfekten Hotel vieles zusammenbrach. Die Notstromaggregate sprangen nicht an und so war es auf einmal zappenduster.

Nichts ging mehr und so war Improvisationskunst angesagt. Flugs waren Kerzen besorgt und auch viele Flaschen mit Trinkbarem. Denn auch die Schankanlagen funktionierten nicht mehr.

Mit dem fließenden Wasser war es ebenfalls vorbei. Weil auch die Essensversorgung nicht mehr klappte, gab es nur noch Gegrilltes. Was das Hotelpersonal allerdings gut hinbekommen habe. Das Essen wurde auf Papptellern serviert. Denn auch die Spülmaschinen haben ihren Dienst versagt. »Überall im Hotel brannten Kerzen, es war richtig weihnachtlich«, erinnert sich der Mannschaftsarzt.

»Wir haben versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten. Die Sportler haben Karten gespielt und Würfelspiele gemacht. Alle haben prächtig auf die Situation reagiert und nicht mit ihrem Schicksal gehadert«, freut sich der Mannschaftsarzt. Gerade in unerwarteten Situationen sei es wichtig, dass eine Mannschaft gut betreut sei, weiß Dr. Kistenmacher, der auch für das Krisenmanagement verantwortlich zeichnet.

»Die dunklen Stunden in Sotschi haben gezeigt, dass die deutsche Rodel-Nationalmannschaft gut in Schuss ist«, so der Mediziner.

Trotz des Durcheinanders im Hotel ist sich Dr. Kistenmacher sicher, dass in Sotschi alles vorbereitet wird, um sichere Spiele zu feiern. »Jeder kann mit ruhigem Gewissen anreisen«, sagt der ehemalige Handball-Bundesligaspieler.

Gleichwohl sei man gegen einen terroristischen Anschlag in keinem Winkel der Erde gefeit. Christian Wechslinger