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Spanien trauert um Erfolgstrainer Aragonés

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Fußball-Legende
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Luis Aragonés starb im Alter von 75 Jahren. Foto: Juan Carlos Cardenas Foto: dpa

Madrid (dpa) - Für die einen galt er als Rabauke, für die anderen als Kauz - geliebt haben sie ihn fast alle in Spanien: Die gesamte Fußball-Nation trauert um ihren Erfolgstrainer Luis Aragonés.


Der Coach, der die spanische Nationalelf 2008 im Finale gegen Deutschland zum Gewinn der Europameisterschaft geführt hatte, ist in einer Madrider Klinik im Alter von 75 Jahren gestorben. Nach Angaben der Krankenhausärzte erlag er einem Leukämie-Leiden, das sich in den vergangenen Wochen verschlimmert hatte.

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Mit dem Triumph bei der EM in Österreich und der Schweiz hatte Aragonés den Beginn einer neuen Ära im spanischen Fußball eingeleitet. Der 1:0-Sieg im Finale von Wien über die DFB-Elf von Trainer Joachim Löw verhalf der Selección erstmals seit 44 Jahren zu einem bedeutenden internationalen Titel. Das von Aragonés aufgebaute Team bildete den Grundstein für die Elf, die unter dem Nachfolger Vicente del Bosque den Weltfußball dominierte und 2010 die Welt- sowie 2012 erneut die Europameisterschaft gewann.

«Luis war eine Schlüsselfigur in der Geschichte des spanischen Sports», sagte Del Bosque seinen Vorgänger. «Er war es, der den Weg zur Erfolgs-Ära der Nationalelf eingeschlagen hatte.» König Juan Carlos, Königin Sofía, Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia würdigten die Verdienste des weißhaarigen Mannes um den Sport.

Vor den Spielen am Wochenende in der Primera Division wurde ihm zu Ehren eine Gedenkminute eingelegt. Barcelonas Nationalspieler Xavi standen Tränen in den Augen vor der Partie gegen den FC Valencia. Sein Nationalmannschafts-Kollege Fernando Torres, Sieg-Torschütze im EM-Finale 2008 gegen Deutschland, twitterte: «Danke Trainer, ich kann Ihnen nicht genug danken für das, was Sie für mich taten.»

Nach dem EM-Gewinn 2008 war der Vertrag von Aragonés nicht verlängert worden. Später räumte der Trainer ein, dass er gerne im Amt geblieben wäre, wenn der spanische Verband (RFEF) ihn darum gebeten hätte.

Er war ein rauer Typ und ein Trainer der alten Schule. In seinem Trainingsanzug an der Seitenlinie wirkte er beinahe wie ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Von Maßanzug und Krawatte wollte er nichts wissen, für den modischen Schnickschnack seiner Kollegen hatte er wenig übrig. Als er 2004 im Alter von 66 Jahren den Posten des Nationaltrainers erhielt, schien dies eine Art von Vorruhestandsprämie zu sein.

Ausgerechnet diesem Oldtimer gelang eine kleine Revolution in der Selección. Aragonés bootete Spaniens Fußball-Idol Raúl aus, verjüngte das Team und ließ die Nationalelf einen technisch versierten und attraktiven Kombinationsfußball spielen. Er gilt auch als der Erfinder von «La Roja». Zwar hatte die Nationalelf seit Jahrzehnten in roten Trikots gespielt, aber niemand war auf die Idee gekommen, sie als «die Rote» zu bezeichnen - vermutlich weil manche Spanier die Bezeichnung mit den Kommunisten in Verbindung brachten. Aragonés hielt vor der WM 2006 in Deutschland die Zeit für gekommen, die rote Farbe zum Markenzeichen des Nationalteams zu machen.

Zwei Jahre zuvor hatte er für einen Skandal gesorgt, als er im Training den Arsenal-Spieler Thierry Henry als «Scheißneger» bezeichnete. Aragonés wurde Rassismus vorgehalten, er wies die Vorwürfe aber zurück und sagte, er habe damit lediglich seinen Stürmer José Antonio Reyes motivieren wollen.

Diplomatie und Takt gehörten nicht zu seinen Stärken. Die Reihe der Anekdoten über seine Fehltritte ist lang. Im Ausland haftete Aragonés der Ruf eines Rabauken an, die Spanier schätzten ihn dagegen als einen alten Kauz, dem das Gespür dafür fehlte, wie sein Verhalten in der Öffentlichkeit ankam.

Vor seiner Ernennung zum Nationaltrainer hatte der aus dem Madrider Stadtteil Hortaleza stammende Coach acht Vereinsmannschaften trainiert, darunter Atlético Madrid und den FC Barcelona, und in rund 700 Erstligaspielen auf der Bank gesessen. Aufgrund seiner reichen Erfahrung wurde er «El Sabio de Hortaleza» («der weise Mann aus Hortaleza») genannt. Als Vereinstrainer wurde er einmal spanischer Meister und gewann viermal den Pokal. Seinen letzten Posten hatte er 2008/2009 beim türkischen Erstligisten Fenerbahçe Istanbul, wurde dort aber vorzeitig entlassen.

Als Aktiver kam Aragonés auf drei Meistertitel sowie zwei Pokalerfolge, er spielte elfmal für die Nationalelf. Im legendären Europacupfinale 1974 schoss er Atlético gegen Bayern München in der Verlängerung in Führung. Kurz vor dem Abpfiff erzielte Hans-Georg Schwarzenbeck mit einem Verzweiflungsschuss den Ausgleich.

«Beim Ansehen des Videos schalte ich jedes Mal ab, sobald Schwarzenbeck kommt», berichtete Aragonés einmal. Das Wiederholungsspiel verloren die Madrilenen gegen Franz Beckenbauer & Co. mit 0:4. Kurz darauf trat der Stürmer seinen ersten Trainerjob bei Atlético an. «In meiner ersten Amtshandlung gab ich meinen Ex-Mitspielern die Anweisung, dass sie mich nun mit 'Sie' anreden mussten», erinnerte sich Aragonés.

Kommuniqué von Atlético Madrid - Spanisch