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Spannende Tasten- und Saitenspiele

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Einen perfekten Einklang bildeten Klavier (Chenny Gan), Harfe (Barbara Pöschl-Edrich) und Erzählkunst (Klara Miller-Führen) beim sechsten Erzählkonzert im k1-Studio. (Foto: Benekam)

Die Erzählerin Klara Miller-Führen hat zusammen mit der Pianistin Dr. Chenny Gan mit dem fünften Erzähl-Konzert im Traunreuter k1-Studio vor begeistertem Publikum Premiere gefeiert. Unter dem Titel »HarPianoStories« ist ihnen ein kurzweiliges Bühnenprogramm mit seltener Instrumentierung – Piano (Dr. Chenny Gan) und Harfe (Dr. Barbara Pöschl-Edrich) – und ebenso seltenen Erzählungen gelungen, die von biblischen Geschichten bis hin zur griechischen Mythologie reichten.


Das Klavier und die Harfe seien, wie Miller-Führen erklärte, auf den ersten Blick zwei grundverschiedene Instrumente. Bei genauerer Betrachtung aber gäbe es doch mehr Gemeinsamkeiten, als man annehmen sollte: Beispielsweise haben beide Instrumente Saiten. Im Zusammenklang bei der von Gan grandios bearbeiteten »Premiere Arabesque« von Claude Debussy ließ eine ungeahnte klangliche Verwandtschaft verblüfft aufhorchen. Wie Bruder und Schwester »sangen« Klavier und Harfe dasselbe Lied und begeisterten das Publikum.

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Eselsohren aus Rache

Weniger harmonisch ging es in der folgenden, auf der griechischen Mythologie basierenden Erzählung zu, bei der es um einen musikalischen Wettstreit zwischen Pan und Apollo ging. Beide ließen mit ihren göttlichen Harfenklängen den Himmel erzittern und begeisterten den Musik liebenden griechischen König Midas. Weil Midas Pan den Vorzug gab, ließ Apollo aus Rache für die »Gehöhrsverwirrung« dem König lange Eselsohren wachsen.

Mit der Sonate in E-Dur von Marianne von Martinez (Gan) und einem Ausschnitt aus »Moreau de Concert« von Camille Saint-Saens (Pöschl-Edrich) illustrierten die beiden Musikerinnen Miller-Führens Erzählung und ließen so die Zuhörer diesen musikalischen Wettstreit nachempfinden. Das k1-Publikum befand die musikalische Leistung als ebenbürtig, sodass niemandem Eselsohren wuchsen, sondern die Zuhörer kräftig applaudierten.

Die klanglichen Qualitäten und Eigenheiten der beiden Instrumente erklangen auch in Sergei Rachmaninoffs Prelude in cis-Moll (Gan) und einem weiteren Ausschnitt aus »Moreau de Concert« von Camille Saint-Saens (Pöschl-Edrich). Auch hier wetteiferten die beiden Instrumente um die Gunst der Zuhörer. In einer weiteren Bearbeitung (Gan) von Felix Mendelssohn mündeten Klavier und Harfe dann wieder in friedliche Eintracht.

Klara Miller-Führen warf immer wieder Wissenswertes über die Geschichte der beiden Instrumente ein und lockerte mit Anekdoten und Zitaten auf. Die beiden virtuosen Musikerinnen lieferten mit spürbarer Liebe zum jeweiligen Instrument prompt die passenden klanglichen Kostproben.

Eindrucksvoll und zugleich eine Ode an die Musik sowie ihre heilende Wirkung auf die Seele des Menschen war auch die biblische Geschichte von Saul und David, die Miller-Führen in temperamentvoller mimisch-gestischer Ausgestaltung erzählte. Der zu Melancholie neigende König Saul wurde durch Davids Harfenspiel geheilt. Später überließ Saul David sogar seinen Thron, weil er ihn für den geeigneteren Herrscher hielt. Ein Ausschnitt aus den »Davidsbündlertänzen« von Robert Schumann (Gan) und ein Ausschnitt aus Georg Friedrich Händels »Oratorium Saul und David« (Pöschl-Edrich) waren die perfekte musikalische Auswahl zu Miller-Führens Erzählung.

Aufregender Ausflug in unbekannte Klangwelten

Ebenso passte zu einer japanischen Geschichte über die Entstehung des Klangs das avantgardistische Werk »Aeolian Harp« von Henry Cowell. Cowell entwickelte 1923 die String-Piano-Technik, bei der der Pianist nicht nur die Tasten des Klaviers bespielt, sondern in die Klaviersaiten im Inneren des Instruments hinein greift und so fremdartige, fast synthetische Klänge hervorruft – ein aufregender Ausflug in unbekannte Klangwelten, bei dem Chenny Gan nicht nur akustisch, sondern auch optisch Spannung erzeugte.

Mit einem von Mendelssohn vertonten Gedicht, »Auf Flügeln des Gesangs« von Heinrich Heine, in hingebungsvollem Vortrag von Miller-Führen vorausgeschickt, brillierten Klavier und Harfe in der Bearbeitung von Gan ein letztes Mal in harmonischem Zusammenklang.

Nachdem die Zuhörer noch nicht genug hatten, wurden noch zwei Zugaben kredenzt, mit denen die Musikerinnen in »Take five« und einem schottischen Volkslied unter Beweis stellten, dass da noch Luft nach oben ist. Kirsten Benekam