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Spannendes Hobby mit Tiefgang

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Der beißt nicht: Die Mitglieder des Tauchsportvereins Berchtesgaden haben weder vor großen noch vor kleinen Fischen Angst. (Fotos: privat)
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Taucht immer wieder mal ab: Rudi Kastner.
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Wer selbst noch nie getaucht ist, kennt die faszinierende Welt unter Wasser nur aus dem Fernsehen. Der Schönauer Rudi Kastner kam vor 32 Jahren zum Tauchsport, nachdem er den Film »Geheimnisse des Meeres« des legendären Meeresforscher Jacques Cousteau gesehen hat. Der Franzose weckte in Kastner die Leidenschaft die geheimnisvolle Welt unter Wasser zu entdecken. Die Tauchleidenschaft hat den Schönauer damals gepackt und nie mehr losgelassen. Nachdem er sich zum Taucher hat ausbilden lassen, gründete Kastner eine Tauchschule und trat später dem Tauchclub Berchtesgaden bei. Seitdem hat er viel erlebt. Sehr viel.


Rudi Kastner war in seiner Jugend einer der besten alpinen Nachwuchs-Rennläufer und eiferte im Skilauf seinem erfolgreichen Vater nach. Weil Rudi Kastner sen. bei den US-Recreation-Kräften Ski- und Golflehrer war, lag es nahe, dass auch der kleine Rudi zum alpinen Skilauf und zum Golfsport gekommen ist. Im Skilauf brachte es Rudi Kastner bis zum C-Kader. Sein größter Erfolg war der Vizemeistertitel bei den Europameisterschaften der Junioren im Slalom. Beim Golfspiel erreichte er schon als Jugendlicher ein Single-Handicap. »Mir hat jedoch die aufgesetzte Etikette nicht zugesagt und so habe ich eine andere Herausforderung gesucht«, erinnert sich Kastner.

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Es war 1986, als der spätere Tauchlehrer während seines Studiums durch einen Film von Jacques Cousteau in die Unterwasserwelt Einblick bekommen hat und sofort fasziniert war. Schnell fand er eine Möglichkeit, den Tauchsport zu erlernen. Und eine Geschäftsidee: Tauchutensilien verkaufen. Schließlich gab es weit und breit kein vergleichbares Geschäft. »Ich habe da so etwas wie ein kleines Garagengeschäft aufgebaut. Die Taucher waren froh, nicht mehr weit fahren zu müssen.« Die Geschäfte gingen gut. Parallel zum Handel bildete sich der begeisterte Taucher regelmäßig intensiv weiter, bis er Tauchlehrer war. 1990 gründete Kastner schließlich seine Tauchschule.

Tauchtraumziel Thailand

Seine erste Tauchreise führte Rudi Kastner nach Thailand. »Meine Spezl'n haben damals gelächelt, als ich ihnen von Thailand erzählt habe. Aber dort gibt es auch herrliche Tauchgebiete«. Danach folgten Reisen nach Ägypten, Kuba, Mexiko, Mauritius und Spanien, wo es herrliche Tauchgründe gibt. Wenn es nicht so weit gehen soll, fahren die Taucher nach Kroatien, denn auch dort gibt es sehr schöne Gebiete. So organisiert Kastner spezielle Tauchreisen, bei denen er für die Teilnehmer von der Hotelbuchung, den Flug, das Material bis zu den Tauchgängen, die man vielfach nur bei einer Tauchschule vor Ort buchen kann, alles vorbereitet.

In Berchtesgaden gibt es eine echte Taucherszene, die in einem Verein organisiert ist. Den Tauchclub Berchtesgaden gibt es seit 35 Jahren. Da sich Rudi Kastner immer stärker engagiert hatte, wählte man ihn 2002 zum 2. und 2005 zum 1. Vorsitzenden. Es gab sogar einige Salzburger, die sich dem Berchtesgadener Club in der Hoffnung angeschlossen hatten, einmal im Königssee tauchen zu dürfen. »Da geht jedoch gar nichts. Allenfalls mit der Wasserwacht üben wir von Zeit zu Zeit«, erklärt Kastner. »Während in Deutschland das Tauchen fast überall verboten ist, ist es in Österreich überall erlaubt, bis auf dort, wo es verboten ist, erklärte der Tauchlehrer«, sagt der Experte und lacht.

Wer etwas von der Unterwasserwelt sehen möchte, muss an ein Riff oder in die Nähe einer Insel. Es gibt aber auch die Möglichkeit, bei einer Tauchsafari auf einem großen Schiff zu den schönsten Tauchgebieten an ein Riff zu schippern. Sogar Nachttauchen wird angeboten, weil da die Unterwasserwelt eine ganz andere ist. Bei Nacht gehen unter anderen die Haie und Moränen auf die Jagd, während sich die anderen Fische versuchen zu verstecken. Dennoch rührt sich auch in der Nacht unter Wasser sehr viel. »Bei Nachttauchgängen ist man mehr fokussiert, weil man dahin schaut wo das Licht der Lampe hinleuchtet, während man am Tag in alle Richtungen blickt«, weiß Kastner.

5 000-mal abgetaucht

Auf über 5 000 Tauchgänge beziffert der »Unterwassermensch« seine der Außenwelt verborgenen Einsätze, die je Tauchgang etwa eine Stunde dauern. Der »Tauch-Junkie« war aber auch schon weit länger unter Wasser. Die Dauer eines Tauchgangs hängt davon ab, wie viel Pressluft man dabei hat und wie tief es hinunter geht. Die nächste Reise führt die Tauchschule Kastner Ende Mai nach Kroatien. Im November folgt eine Schiff-Safari in Ägypten oder auf den Malediven, der im April 2019 eine Tauchreise nach Thailand folgt. Dort gibt es sehr viele Inseln mit Tauchbasen. »Thailand ist ein Traumgebiet zum Tauchen, weil es klares Wasser mit großem Fischreichtum gibt«, so der erfahrene Unterwasser-Spezialist, der in Thailand von bis zu zwölf Meter langen Walhaien sprach, die nur Plankton fressen und somit nicht gefährlich sind. Darüber hinaus gibt es auch dort die faszinierenden Manta-Rochen. Das Faszinierende am Tauchen ist die Schwerelosigkeit, das Wegsein aus der übrigen Welt und das Abtauchen in die herrliche Unterwasserwelt, erklärt Kastner den Mythos Tauchen. »Wenn man unter Wasser ist, vergisst man die Welt darüber«, so Kastner weiter, der aber auch schon prekäre Situationen unter Wasser erlebt hat. Das Gefährliche ist die Routine, die oft zum Leichtsinn verleitet. Dennoch passiert beim Tauchen relativ wenig.

In jüngeren Jahren tauchte Rudi Kastner auch auf Golfplätzen nach Bällen, um sein Budget aufzubessern. Weil auf vielen Golfanlagen Wasserhindernisse angelegt sind, verschwinden dort immer wieder Bälle. Ein guter Golfball kostet bis zu zehn Euro. Und so tauchte Kastner nach den verschlagenen Bällen und verkaufte sie danach an das Geschäft in der Golfanlage.

Auf seine »alten Tage« hat sich Rudi Kastner im vergangenen Jahr einen Kindheitstraum erfüllt. Schon als Kind wollte er Jetpilot werden, jetzt hat er zumindest den Privatpilotenschein in der Tasche. Wie man den Sportsmann kennt, wird es Kastner über den Wolken genauso gut gefallen wie unter Wasser. Christian Wechslinger