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»Spiegelungen« als Abbild der Wahrnehmung

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Monika Rackl hat mit ihren Bildern einen Weg gefunden, ihre Wahrnehmungen und Empfindungen zu beschreiben. (Foto: Gloßner)

In der Städtischen Galerie Bad Reichenhall ist noch am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr eine bemerkenswerte Ausstellung der Künstlerin Monika Rackl zu sehen. Sie zeigt aus ihrer Serie »Spiegelungen – Abbildung meiner Wahrnehmung« Gemälde, die den Besucher durch eine Vielfalt an lichtbedingten Erscheinungsformen und damit verbunden einer eigenwilligen Visualisierung beeindrucken. Monika Rackl beobachtet Naturerscheinungen wie Spiegelungen im Wasser und richtet ihren Fokus auch auf das »Verborgene«, das sie sichtbar machen möchte.


Bei näherer Betrachtung ihrer Bilder fällt auf, dass sie in der Lage ist, über viele Ebenen ein Bild zu schaffen. Dabei baut Monika Rackl ihre Bilder mit großer Sorgfalt auf. Es entgeht ihr nichts, was ihr in irgendeiner Form beim Auswählen des Bildausschnitts als wichtig erscheint. So erzählt jedes Bild eine eigene Geschichte und es bleibt auch dann autonom, wenn es sich – wie hier – um eine umfangreiche Serie handelt.

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Bei ihren Recherchen legt Monika Rackl großen Wert auf Genauigkeit, jede Bewegung wird registriert. Die ständige, umfangreiche, geistige Reflexion ihrer Arbeit ist in jedem Bild spürbar vorhanden, ebenso wie die liebevolle Hinwendung zum Motiv. Ihre Skizzen zu immer neuen Beobachtungen müssen in eine künstlerische Formulierung gebracht werden, in der jede farbliche Räumlichkeit ebenso wichtig ist wie der Grad der Abstrahierung.

Der erste Entwurf auf dem Bildträger entsteht in einem spontanen, schnellen Arbeitsprozess, während die Verwandlung und Umschreibung von Farbe und Lichtreflexen mühsam in langen Arbeitsschritten erfolgt, die den Betrachter veranlasst, sich länger mit dem Bild auseinanderzusetzen, um überhaupt sämtliche Details zu entdecken.

Während des Entstehungsprozesses eines Bildes lässt die Künstlerin ihre eigenen, inneren Bilder vor sich wachsen und entwickelt diese dann behutsam weiter. Die Reflexion des Lichts und dessen Bedeutung im Bild wird während der Arbeit ständig hinterfragt, um eine aktive oder passive Bewegung von Helligkeiten durch wechselnde Farben aufzuzeigen. Die Arbeiten wirken fast spielerisch und bleiben dennoch immer ein Geheimnis.

Für Monika Rackl ist die Intensität der Empfindung eine wesentliche Antriebskraft. Die rhythmischen Bildräume bewahren eine eigene, rätselhafte Stimmung. Sie bringt in ihren Gemälden nicht nur ihre Verbundenheit zur heimischen Natur, insbesondere den verschiedenen Gewässern, zum Ausdruck, sondern zeigt auch ihre ganz besondere Herangehensweise an Naturerscheinungen.

Bemerkenswert ist die Ansicht einer Hochwasserspiegelung im späten Frühjahr nördlich von Venedig. Der Betrachter sieht ein sumpfiges Gelände mit Bäumen und Büschen, auch Häuser. In den Reflexionen ergeben sich immer neue Figurationen, die auch entsprechende Blickwinkel eröffnen.

Ein weiteres Gemälde zeigt Reflexionen im Wasser und auf Schilfblättern am nördlichen Seeufer von Gollenshausen. Natur wird auch hier aus der Sicht einer erhöhten Wahrnehmung und aus dem Blickwinkel zum Thema »Spiegelung« gezeigt.

In ihren Bildern kommt es Monika Rackl besonders darauf an, die beim ersten Blick und Anfertigen der Skizze empfundene Emotion im Bild festzuhalten. Ihre Farbpalette ist ungemein vielschichtig, ohne leuchtende, grelle Farben, stattdessen feine Abstufungen von Blau, Grün, Grau, Braun oder hellem Rot, die durch die Überlagerungen eine besondere Raumtiefe und weite Bildräume schaffen.

Wer sich darauf einlässt, dem können ihre Bilder neue andere Blickwinkel erschließen und so auch eine Befreiung von konventionellen Seh- und Denkgewohnheiten eröffnen.

Zu ihrem Zyklus erschien eine Dokumentation mit dem Titel »Spiegelungen«. Darin nimmt sie zu ihrer Arbeit ausführlich Stellung und führt die Leser in nachvollziehbarer Weise über die Stationen ihres Arbeitsprozesses.

Monika Rackl ist 1964 in München geboren und am Chiemsee aufgewachsen. Bereits während ihrer Gymnasialzeit setzte sie sich mit freier und angewandter Kunst auseinander. Während des Studiums folgten künstlerische Weiterbildungen an verschiedenen Sommerakademien für figuratives Zeichnen. Seit 2009 ist Monika Rackl mit großer Begeisterung der Kunstakademie Bad Reichenhall als Studentin von Ingrid Jureit verbunden. Im Verlauf einer intensiven Zusammenarbeit begann sie im Jahre 2012 den nun ausgestellten Zyklus mit dem Thema »Spiegelungen«, der sie bis zum heutigen Tag mit immer neuen Ideen nicht ruhen lässt. Friederike Gloßner

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